Politisch scheint die Energiewende ins Stocken geraten. Für nachhaltig denkende Menschen vor Ort ist sie dagegen längst Realität. Welche Chancen sich daraus...
Politisch scheint die Energiewende ins Stocken geraten. Für nachhaltig denkende Menschen vor Ort ist sie dagegen längst Realität. Welche Chancen sich daraus ergeben, wollte die Landtagsfraktion der Freien Wähler wissen - und besichtigte ein energieautarkes Haus in Adelsdorf.
Die Frage, wie unsere Gesellschaft in Zukunft ihren Energiebedarf decken kann, beschäftigt auch in der Region viele Menschen. "Dazu haben die horrenden Risiken des Atomstroms ebenso geführt wie die Versorgungsunsicherheit bei fossilen Brennstoffen", vermutet Adelsdorfs Bürgermeister Karsten Fischkal. "Die Bürger wollen kein durch Fracking mit Gift aus dem Boden gepresstes Öl", ist sich auch der Chef der Freien Wähler im Bayerischen Landtag sicher. "Deshalb treten wir seit jeher für die Stärkung erneuerbarer Energien ein", unterstrich Hubert Aiwanger. Gleichzeitig müsse, so der Fraktionssprecher, allerdings auch über Möglichkeiten zur Senkung des Energiebedarfs nachgedacht werden.
In Adelsdorf errichteten Thomas, Margot und Carmen Amon im letzten Jahr ein Passivhaus. "Pro Quadratmeter liegt der Heizwärmebedarf unter 15 KWh pro Jahr", erläuterte Carmen Amon. Doch nicht nur mit Blick auf den Heizungsverbrauch ist das Objekt im Schatten der Adelsdorfer Grundschule wegweisend. "Wir haben das Gebäude als Mehrgenerationenhaus geplant", erläutert Amon. Eltern und Tochter teilen sich die Haustür, leben ansonsten jedoch in getrennten Flügeln. "Ein Ansatz, der immer mehr kommen wird", vermutet die Voggendorfer Landtagsabgeordnete Gabi Schmid. "Gleichzeitig hat man aber viele Vorteile. Die Großeltern können bei der Kindererziehung helfen - und die Kinder später einmal beim Einkaufen und was sonst so zu machen ist."
Darüber hinaus verfügt der Neubau über eine weitere Besonderheit. Im Heizungsraum befindet sich ein Energiespeicher. So groß wie eine Waschmaschine, 25 000 Euro teuer und direkt an die hauseigene Photovoltaikanlage angeschlossen. Auf diese Weise, so erläutert Carmen Amon, werde man zwar noch nicht komplett energieautark. "Aber 60 Prozent des Stromverbrauchs können wir so selbst decken. So lassen sich die Stromkosten für das 280 Quadratmeter-Haus auf 35 Euro monatlich senken.
Durch das innovative Hausstrommodell wird jedoch nicht nur auf selbst erzeugte Energie gesetzt - es wird auch der effektive Verbrauch gesenkt. "Dank moderner Technik kann ich mich jederzeit über Laptop oder Smartphone informieren. Damit lebt man viel bewusster und sparsamer", berichtet Carman Amon.
Die Investitionskosten lassen sich damit allerdings noch nicht erwirtschaften. "Allerdings gibt es inzwischen attraktive staatliche Förderprogramme", erläutert Carmen Amon. "Leider sind sie weitgehend unbekannt." Dabei mache Geld vom Staat den Einstieg in alternative Energie-Konzepte für Privatleute attraktiv. "Wir selbst haben beispielsweise das 10 000-Häuser-Programm der Staatsregierung genutzt." Solche Zuschüsse sind freilich mit Bedingungen verknüpft - und bislang nur für Neubauten verfügbar.
"Als Freie Wähler werden wir im Landtag darauf drängen, Bestandsobjekte verstärkt in Förderprogrammen zu berücksichtigen", betonte Aiwanger. Fischkal sieht darüber hinaus die Kommunen gefordert: "Wir in Adelsdorf sind Vorreiter - und haben beispielsweise im Bereich E-Mobilität unsere Hausaufgaben gemacht."
enz