Dass ein Prozess auch eröffnet werden kann, wenn der Angeklagte nicht vor Ort ist, zeigte sich am Dienstag im Amtsgericht. Der Fall an sich war kurios und handelte von fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs sowie von unerlaubtem Entfernen vom Unfallort.

A 73, Teilstück bei Lichtenfels - hier ereignete sich am 30. April dieses Jahres gegen 17.30 Uhr ein Sachverhalt, der Folgeschäden nach sich ziehen sollte. Einem Coburger Autofahrer gerieten Holzmöbelteile von der Ladefläche seines Anhängers, zerbarsten auf der Straße in mehrere Teile und zwangen einen Autofahrer dazu, stark abzubremsen.

Nicht auf die Polizei gewartet

Das wiederum hatte zur Folge, dass ihm ein anderer Autofahrer auffuhr. Ergebnis: 2600 Euro Sachschaden. Ein weiterer Verkehrsteilnehmer überfuhr einen Teil der Kommode und richtete dadurch am eigenen Pkw einen Schaden in Höhe von 500 Euro an. Seiner Pflicht, an Ort und Stelle zu warten und die Polizei zu verständigen, kam der unfallverursachende Coburger Autofahrer nicht genügend nach.

Rechtsanwalt Lutz Lindner erklärte vorab den Grund für das Fernbleiben seines Mandanten. Der Mann, so Lutz, befinde sich in beruflicher Fortbildungsmaßnahme, und die zu versäumen sei dem 51-Jährigen schwer möglich.

Dann führte der Anwalt im Sinne seines Mandanten den Hergang des Geschehens aus. So habe sich eine mit Spanngurt gesicherte Ladung bei 80 Stundenkilometern gelöst, sei vom Anhänger gefallen und dies habe der Autofahrer auch bemerkt. Darum habe er am Standstreifen angehalten, sei ausgestiegen und habe Holzteile eingesammelt. Dass sich derweil u.a. ein Auffahrunfall ereignete, habe er nicht mitbekommen.

Lindner argumentierte, dass ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr nicht stattfand, da sein Mandant die Ladung ja gesichert habe.

Zudem gab er zu bedenken, dass bezüglich des Auffahrunfalls auch davon ausgegangen werde dürfe, dass ein Sicherheitsabstand nicht eingehalten wurde, dieser Unfall also auch nicht von seinem Mandanten zu verschulden sei.

Angeklagter soll erscheinen

Was das Gericht beschäftigte, war uner anderem der Zwischenfall, der sich ereignete, als eine Frau kurz nach der Loslösung der Holzmöbelteile auf den heute beschuldigten Verkehrsteilnehmer zuging und mit ihm darum ins Gespräch kam. Ihr gab er seine Adresse und Kontaktdaten, klaubte sein Holz auf, stieg ein und fuhr davon.

"Sie ist nicht seine Botin", bemerkte Richter Zenefels zu diesem Vorgang und kritisierte, dass der 51-Jährige zwar aufgeräumt, aber eben nicht die Polizei gerufen habe. Neben finanziellen Folgen droht dem Beschuldigten etwas, das ihm für seinen Beruf noch schädlicher sein könnte: ein achtmonatiges Fahrverbot.

Die Fortsetzung des Termins ist für den 20. November anberaumt. Dann aber sollte der Coburger persönlich erscheinen oder seinen Widerstand gegen den ergangenen Strafbefehl aufgegeben haben.