Gründe dafür könnte es viele geben: Mehr Leute fahren immer öfter mit dem Fahrrad, oder aber der Trend zum E-Bike lockt mehr Menschen auf das Fahrrad, die nicht damit umgehen können. Allerdings ist es auch möglich, dass die Autofahrer immer weniger Rücksicht auf Radfahrer nehmen.
Das Pedelec als Gefahr auf den Straßen
Dass E-Bike und Pedelec-Fahrer besonders häufig von Unfällen betroffen sind, ergab eine Studie der Allianz Versicherung: Nur rund fünf Prozent aller Fahrräder waren zum Zeitpunkt der Auswertung motorbetrieben, allerdings waren 18 Prozent der tödlich verunglückten Radler mit einem Pedelec unterwegs. In Bayern waren es 2019 insgesamt 997 Verkehrstote, davon 86 Radfahrer und davon waren 20 mit einem Pedelec unterwegs. Mit rund 23 Prozent liegt Bayern damit deutlich über dem deutschlandweiten Schnitt.
Gründe für diese Zahlen lassen sich lediglich erahnen: Manche E-Bike-Fahrer können vermutlich nicht mit der hohen Geschwindigkeit umgehen, oder aber das schwerere Fahrrad verhält sich in Kurven und beim Bremsen anders. Das Argument, dass gerade ältere Menschen mit dem Pedelec unterwegs sind und verunglücken, ist laut der Studie nicht haltbar.
"Über alle Altersgruppen zusammengefasst ist das Getötetenrisiko im Fünf-Jahresmittel auf dem Pedelec dreimal so hoch wie auf dem herkömmlichen Rad", sagt der Unfallforscher der Allianz Jörg Kubitzki gegenüber dem Handelsblatt.
Die größte Gefahr für Radler: Autos
Von den insgesamt 88.472 Fahrradunfällen mit Personenschaden in 2018, hatten 74,1 % der Unfälle mit einem Auto zu tun. Von diesen wiederum war in 75 % der Fälle der Autofahrer Schuld.
Die Diskussion zwischen Rad- und Autofahrern hält sich seit Jahren. Alle wichtigen Argumente und Streitpunkte haben wir in unserem Umfrageartikel "Der ewige Streit zwischen Fahrrad- und Autofahrern: Wer hat recht?" zusammengefasst.
Die Politik ist sich der Gefahren für Radfahrer scheinbar bewusst, denn erst im April wurden neue Regelungen in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen:
- Abstand beim Überholen in Ortschaften: mindestens 1,5 Meter
- Abstand beim Überholen außerhalb von Ortschaften: 2 Meter
- Halten auf einem Radweg: bis zu 100 Euro Strafe und ein Punkt in Flensburg
Bisher war für das Überholen von Radfahrern lediglich ein "ausreichender Seitenabstand" vorgeschrieben. Die Auswirkungen auf die Unfallzahlen zeigen sich hoffentlich schnell.