Gefährlicher Trend: Viele Kinder in Franken lernen das Schwimmen erst spät oder gar nicht
Autor: Rebecca Vogt
LKR Kulmbach, Sonntag, 18. August 2019
DLRG, Wasserwacht und auch das Kulmbacher Schulamt berichten, dass viele Kinder erst spät oder gar nicht schwimmen lernen. Vor allem die Eltern sind gefragt.
Je weiter die Temperaturen im Sommer nach oben klettern, desto mehr lockt das kühle Nass in Freibädern und Seen die Menschen. Ein paar Runden im Wasser schwimmen - und schon fühlen sich die heißen Temperaturen gar nicht mehr so unerträglich an. Immer wieder mischen sich in das sommerliche Badeglück deutschlandweit aber Schlagzeilen wie diese: "13-Jähriger rettet Kind vor dem Ertrinken", "Junge ertrinkt fast in Schwimmbad", "14-Jährige stirbt nach Badeunfall".
In der Region ertrank erst im vergangenen Sommer im Trebgaster Badesee eine junge Frau. Ende Juli kam es zu einem tödlichen Badeunfall am Brombachsee, wo ein 24-Jähriger nach seiner Rettung verstarb.
Umfrage: Hälfte der Deutschen können schlecht oder gar nicht schwimmen
Eine forsa-Umfrage aus dem Jahr 2017 ergab, dass sich insgesamt 52 Prozent der Deutschen als Nichtschwimmer oder unsichere Schwimmer einordnen. In der Gruppe der Zehnjährigen sind der Umfrage nach knapp 60 Prozent keine sicheren Schwimmer.
"Es werden immer mehr Kinder in den Nichtschwimmer-Kursen", berichtet Melanie Gandyra von der Wasserwacht Thurnau. 13 Erst- und Zweitklässler aus der Thurnauer Grundschule sind im Moment als Nichtschwimmer in ihrem Kurs angemeldet. Insgesamt zehn Mal je eine Stunde lang übt sie mit den Kindern. Ziel ist, dass diese am Ende das Seepferdchen-Abzeichen erreichen. Auch wer es nicht schafft, bekommt zumindest eine Urkunde.
"Das Seepferdchen zu haben, bedeutet aber nicht, dass die Kinder schon richtig schwimmen können", erklärt Gandyra und verweist auf die Anforderungen. Diese sehen einen Sprung vom Beckenrand, das Heraufholen eines Tauchrings aus schultertiefem Wasser und das Zurücklegen einer Strecke von 25 Metern vor.
Auch die Jugendleiterin des DLRG-Ortsverbands Kulmbach, Tatjana Reif, erklärt, dass nach einem Schwimmkurs und auch nach Bestehen des Seepferdchens Kinder keineswegs sicher schwimmen können. "Es bedeutet nur, dass sie sich 25 Meter über Wasser halten können. Die Eltern müssen das Kind zwingend weiterhin ständig beaufsichtigen und begleiten, wenn es ins Wasser geht."
Schnell können Kinder - und auch Erwachsene - jedoch in Situationen kommen, in denen es lebensentscheidend sein kann, ob man in der Lage ist, zu schwimmen oder nicht. Sei es die Einladung zum Kindergeburtstag im Spaßbad, der Schulausflug, sommerliche Aktivitäten an Seen und Flüssen oder eine Bootsfahrt. "Einem ist dabei gar nicht bewusst ist, wie schnell das Wasser vor allem für Kinder, ältere Menschen und unsichere Schwimmer zur Gefahr werden kann", sagt Reif.