Mindestens 200 Bürger haben am Mittwoch den Weg in die Turnhalle der Grundschule gefunden, um dort den Ausführungen des Staatlichen Bauamts Bamberg zur Westumgehung zuzuhören. Stefan Arneth, der Bauamtsleiter, erläuterte ausführlich die Planungen zur Umgehungsstraße. Er hatte nach Neunkirchen auch sein Team mitgebracht, das sich ausführlich mit dem Naturschutz, der Entwässerung und dem Lärmschutz beschäftigt habe.

Auch der Bauamtsleiter der Marktgemeinde Neunkirchen, Jochen Cervik, saß mit am Podiumstisch. Laut Bürgermeister Heinz Richter befindet sich die Westumgehung inzwischen im Stadiums des Planfeststellungsverfahren. Dies entspreche grob gesprochen dem Stadium eines Bauantrags.
Ein Bauantrag, den die Bürger sehr genau betrachtet haben und der bei so manchen Fragen und Zweifel aufkommen ließ. Ein Ebersbacher wunderte sich zum Beispiel, dass keine Begleitstraße mehr vorgesehen ist. "Wie kommen die Bürger zu ihrem Grundstück?", wollte er wissen. Eine parallel geführte Straße müsste es geben, da kein anderes Geh- und Fahrtrecht existiere.


Schriftlicher Hinweis

Diese Begleitstraße sei aber schlicht und einfach weggenommen worden. Da musste Arneth vom Bauamt zustimmen. Er bat um einen schriftlichen Hinweis, um diesen Punkt in die Planung aufnehmen zu können. Aber, so der Bürger weiter, viele Ebersbacher würden in Erlangen arbeiten und müssten dann jeden Tag nach Neunkirchen fahren, um nach Erlangen zu kommen. Grund sei, dass eine Abzweigung nach Rosenbach dann nicht mehr möglich sei.

Warum die Ebersbacher nicht hoch zum Kreisverkehr fahren würden? Das sei kein großer Umweg, meinte Bürgermeister Richter. Oder: Es wäre noch schöner, wenn sie die Staatsstraße nutzen und den Ortsteil Rosenbach nicht belasten würden, fügte der Bürgermeister an.
Stefan Arneth gab zu, dass es den einen oder anderen Umweg geben könnte. Den Ebersbachern sagte Mario Hemmerlein daraufhin, dass es den Gegnern der Westumgehung zu verdanken sei, dass sie diese Verbindung nicht haben. "Wie lange musste man suchen, bis ein Gutachter gefunden wurde, der eine Straße durchs Wasserschutzgebiet plant?", fragte ein Landwirt aus Ebersbach.

Eine Abwägung zwischen Naturschutz und Wasserschutz bei der Trassenwahl habe den Naturschutz als höhere Hürde dargestellt. Die Trasse verlaufe durch die Zone 2. Dort sei ein Straßenbau möglich und durch gezielte Maßnahmen werde das Grundwasser geschützt. Insgesamt sind zehn Trassen Varianten untersucht worden. Angezweifelt wurde von den Besuchern vor allem auch, dass es zu keiner Verschlechterung des Abflusses von Hochwasser durch den Straßenbau kommen soll.

Die entsprechenden Berechnungen bezogen sich auf ein Jahrhunderthochwasser. Ob eine mögliche Verstopfung in den Berechnungen berücksichtigt worden ist, wollte ein Bürger wissen?


Frage nach der Dammhöhe

Die Berechnungen seien im modellierte Gelände mit Durchlässen vorgenommen worden. Ein anderer Bürger hatte jedoch seine Zweifel. Angenommen, die Straße komme zu nahe ans Hochwasserschutzgebiet und die Versicherung würde nicht mehr versichern. Wer würde das bezahlen?

"Durch die Planung wird kein amtlich festgesetztes Überschwemmungsgebiet geschaffen, es würde sich nichts verändern", antwortete Arneth. Gewundert hat sich ein anderer Bürger über die Dammhöhe von neun Metern. In einem Gemeinderatsbeschluss sei diese auf 4,80 Meter festgesetzt worden. Wa-rum halte man sich nicht an die Beschlüsse, wollte er wissen? Bürgermeister Richter recherchierte die Frage in wenigen Minuten.


Aufgehobener Beschluss

Der Gemeinderatsbeschluss vom 17. September 2008 die Dammhöhe auf 4,80 Meter festzulegen. Der entsprechende Beschluss allerdings wurde laut Richter am 29. April 2009 wieder aufgehoben. Der Wunsch dazu kam aus Ebersbach und wurde damit begründet, dass auch landwirtschaftliche Geräte durchfahren könnten.
Ob das nun heißen solle, die Ebersbacher haben Schuld, dass die Brücke so hoch sei, war dann eher eine lockere Anmerkung aus dem Saal, bevor noch viele Fragen an das Bauamt gestellt wurden.

"Wenn wir Kirschen aus der Türkei und Milch aus Irland wollen, dann weiter so", meinte der Landwirt. Denn ohne Verluste im landschaftlichen Bereich werde es wohl nicht ausgehen. Was mit der alten Staatsstraße passiert, steht ebenso noch in den Sternen.