Als ein Ast aus 20 Metern Höhe auf den Helm des Waldarbeiters traf, erlitt dieser einen Wirbelbruch. Schnelle Hilfe ist gefordert, doch wie erklärt man die Unfallstelle, den Ort des Geschehens, wenn man vor einer großen Fichte steht, im Wald ein Baum fast wie der andere aussieht und die Arbeiten nur selten auf voll erschlossenem Gebiet stattfinden?

"Rettungskette Forst" heißt das Rettungsnetz, das sich aus dem in den 90er Jahren installierten Rettungsnetz der Bayerischen Staatsforsten heraus entwickelt hat und vor zwei Jahren von der Regierung nun bayernweit verlegt wurde, um schnelle Hilfe leisten zu können.

"Das Rettungsnetz hatte sich bewährt und wurde auf die Privaten und Körperschaften ausgedehnt", erklärt Daniel Schenk vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Er ist der Beauftragte der "Rettungskette Forst" für Bamberg und Forchheim und Revierförster von Gaiganz.

Die Entscheidung, das Netz auszuweiten, sei wichtig gewesen, findet er. Denn die meisten Unfälle passieren im Privatwald. Immerhin gehören 55 Prozent der Wälder Privatleuten, 15 Prozent gehören den Kommunen und der Rest ist Staatswald.


20 Punkte in Forchheim

Jeweils an markanten Punkten, nahe einer öffentlichen Straße und leicht zugänglich soll der Rettungspunkt sein. Alleine in Forchheim Richtung Willersdorf sind 20 Punkte gesetzt worden. Vier Ziffern hat jeder der Rettungspunkte. Fo 1020 heißt zum Beispiel der Rettungspunkt bei Wimmelbach an der Kreuzung bei der Wirtschaft Zum Eiskrug.

Bei einem Waldarbeitsunfall würde nun ein Kollege die Koordinaten des Rettungspunktes durchgeben und dorthin fahren, um die Rettungskräfte abzuholen. "Wenn es im Gelände schwierig ist, wird auch die Bergwacht informiert", sagt Stephan Keilholz, Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten Forchheim. Mit dem Allradfahrzeug kann die Bergwacht den Verunfallten auch in schwierigem Gelände bergen und wenn Schnee liegt, kann sie den Verletzten mit einer speziellen Trage aus dem Wald bringen.
Waldarbeit ist und bleibe eine der gefährlichsten Arbeiten. Ob sich die Waldarbeiter Brüche oder Schnittwunden zuziehen, den Unterschenkel durchtrennen oder Schlimmeres passiert, der Arbeiter muss auf jeden Fall schnell versorgt werden.

Ein Privatwaldunfall im Landkreis Forchheim endete bereits tödlich. "Als das passierte, waren noch keine Rettungspunkte gesetzt", sagt Matthias Kraft von der Waldbauernvereinigung Forchheim (WBV). Das hätte in diesem Fall zwar nichts geändert, doch "die Rettungskette ist eine sinnvolle Sache, weil man die Rettungskräfte gezielter losschicken kann", sagt Kraft.


Keine Missverständnisse

Eine Übung mit den Einsatzkräften fand schon statt. Vor allem schließe die einheitliche Rettungskette Missverständnisse aus. Früher seien Rettungspunkte definiert, auf der Karte markiert und die kopierten Karten den Rettungsleitstellen ausgehändigt worden. Ein Sportplatz war beispielsweise als Rettungspunkt angegeben.
In der Ortschaft gab es aber zwei Sportplätze und so wartete der Kollege des verunfallten Waldarbeiters an den einem Sportplatz, während die Rettungskräfte am anderen Sportplatz waren. "Das ist ein zeitlicher Verzug von wenigen Minuten, die aber ausschlaggebend hätten sein können", sagt Keilholz.

Für Spaziergänger und Touristen im Wald ist die App auch von Vorteil, denn sie könnten sich beim Spaziergang im Wald den Fuß verknacksen. Smartphone-Besitzer können sich nun die App "Hilfe im Wald" herunterladen und die nächsten Rettungspunkte sehen. Im Idealfall ist man zu zweit unterwegs und der Begleiter kann sich zum Rettungspunkt begeben.

Doch auch wer alleine unterwegs ist, muss nicht verzagen: In der App kann man eine Notruftaste drücken. Und: "Man kann auch die Koordinaten von der Unfallstelle abrufen und diese den Rettungskräften mitteilen", erklärt Schenk. Leider können die Koordinaten der Unfallstelle noch nicht digital versendet werden. Die muss man im Gedächtnis behalten, wenn man die Rettungskräfte ruft. Noch einen Wermutstropfen gibt es: die Netzabdeckung.
"Man hat nicht überall eine Handyverbindung. Dann muss ein Kollege dorthin fahren, wo es eine Netzabdeckung gibt und von dort aus den Notruf absetzen", erklärt Keilholz.