66 Jahre lang war Theo Haas Organist in Pretzfeld. Am 1. Januar 1951 übernahm er diesen Dienst offiziell, und zwar in der dritten Generation, denn Opa Theo und Vater Josef waren ebenfalls Organisten in Pretzfeld gewesen. Am 31. Dezember übergab Theo Haas nun sein Amt an Daniela Lauger. Eigentlich wollte er bereits vor einigen Jahren zurücktreten. "Aber dann kam ein neuer Pfarrer - Florian Stark. Und den wollte ich nicht gleich ohne Organisten dastehen lassen", erzählt Theo Haas. Das freut Florian Stark: "Ich kam 2013 nach Pretzfeld. Wir beide haben uns kennen und schätzen gelernt."
In den vergangenen Jahren waren die beiden viel unterwegs. Beispielsweise im Lindenhof in Unterleinleiter. "Die Begegnung mit den Behinderten war sehr lehrreich für mich", sagt Haas nachdenklich. "Und ich habe bei den Autofahrten viel über Pretzfeld erfahren. Da wurde Geschichte lebendig", entgegnet der Pfarrer, denn Haas ist nicht nur Musiker, Sänger oder Chorleiter, sondern auch Chronist. "Aber ohne meine Frau Monika hätte ich das alles nicht schaffen können", gibt der 83-jährigeTheo Haas zu.


Die Tücken des Blassebalgs

Mit 17 Jahren durfte der Junge, der in eine Familie von Musikern geboren worden war, hin und wieder bei Hochzeiten spielen. Zudem leitete er den Kirchenchor. Geprobt wurde in der Wohnstube der Eltern. Seine Ausbildung zum Organisten machte Haas in Bamberg. "Ich beeilte mich, möglichst eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn auf der Orgel von den Englischen Fräulein zu üben - hauptsächlich die Beinarbeit", erinnert sich der Musiker.
Da kamen dann die jungen Mädchen angeschlichen und lachten ihm zu. Bis die Nonnen das verboten. "Die Orgel in unserer Kirche hatte doch so einen riesigen Blasebalg. Ich fragte wohl meinen Kumpel, ob er den bedienen würde, aber das war ihm zu anstrengend", erzählt Haas. Deshalb pumpte er selbst den kalbsledernen Balg voll und spielte schnell einige Takte. Dann war die Luft schon wieder draußen.
Später traten zwei Schwestern in die Pedale des Blasebalgs. Eine war weniger motiviert. Ihr zischte Haas während des Gottesdienstes zu: "Ich brauch' mehr Luft."
Die Dame erschrak und trat fest zu. "Da hat die Orgel laut aufgeheult", lacht Haas. Mittlerweile wird die Orgel elektronisch betrieben. "Blöd, wenn der Strom bei einer Hochzeit ausfällt", meint der Musiker und schmunzelt.


Viel zu berichten

Da läuten dann auch keine Glocken für das Brautpaar. Zum Glück braucht ein Kirchenchor keinen Strom. "Wir hatten hier auch ein Brautpaar aus der Nähe von Frankfurt", erinnert sich Haas. Dieses fand "die Location" so toll und hatte zudem eine befreundete Gospel-Sängerin aus München eingeladen. Die ist um 13 Uhr in Forchheim angekommen, der Hochzeitsgottesdienst hat um 14 Uhr begonnen; es gab keine Zeit zum Üben.
"Ich habe das erste Mal Gospels gespielt. Und auch bei den anderen Liedern hat keiner der Gäste mitgesungen", erzählt der Musiker. Er hat viel erlebt und kann viel berichten. "Er ist das lebendige Gedächtnis", wirft Florian Stark ein, der auch die Spontanität und die Improvisationsfähigkeit von Theo Haas schätzt: "Ihm kann man vor dem Gottesdienst sagen: Spiel halt was, wenn es länger dauert. Und der Theo legt dann los." Jetzt sitzt Daniela Lauger an der Orgel. "Da waren die Gottesdienstbesucher irritiert, als der Theo zur Kommunion ging und die Orgel trotzdem spielte", lacht Pfarrer Florian Stark.


"Danke, Theo!"

Zum Schluss hatte Haas Probleme, die Tasten für die Nummernanzeige der Lieder zu betätigen. Deshalb sprang Ehefrau Monika ein und erhielt von Florian Stark auch gleich einen Titel: "Nummerngirl". Sieben Pfarrer hat Theo Haas an der Orgel begleitet. "Sein" siebter Pfarrer, Florian Stark, sagt deshalb stellvertretend für alle: "Danke, Theo!"