So kommt das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz zu 1000 Schutzbrillen
Autor: Redaktion
Forchheim, Dienstag, 14. April 2020
Ein Hilferuf der Erlanger Uni-Klinik war Auslöser, dass ein Lehrstuhl in der Corona-Krise Schutzbrillen produziert. Und davon profitiert nun auch das Forchheimer Krankenhaus.
Carmen Ziegler, die auf der Station mit den Coronavirus-positiven Patienten als Krankenschwester arbeitet, freut sich über den Besuch ihres Cousins im Forchheimer Krankenhaus. Das ist Professor Dietmar Drummer, Inhaber des Lehrstuhls für Kunststofftechnik (LKT) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Er lieferte die ersten 1000 Schutzbrillen, die an seinem Lehrstuhl produziert wurden, persönlich während der Osterfeiertage in seiner Geburtsstadt Forchheim aus. Es sind Brillen, die auf der Station dringend benötigt werden. Eigentlich forschen die Wissenschaftler an dem Lehrstuhl zu Themen der additiven Fertigung, Faserverbundkunststoff, Leichtbau und Verbindungstechniken. Aber im Moment stellen Doktoranden, Studenten, Verwaltungsmitarbeiter, technische und wissenschaftliche Mitarbeiter im Drei-Schichten-System 6000 bis 8000 Schutzbrillen pro Tag her, an sieben Tagen pro Woche. Unterstützung erhalten sie von vielen Helfern aus dem Department Maschinenbau und der Mechanik- und Elektronikwerkstatt der Technischen Fakultät, der Gesellschaft Neue Materialien Fürth, dem Bayerischen Polymerinstitut sowie von der Universitätsleitung und dem Personalrat.
Hilferuf der Klinik
Auslöser für die Umstellung des Lehrstuhls, der seit dem 9. April 30.000 Brillen produziert hat, war ein Hilferuf des Universitätsklinikums Erlangen. Schutzbrillen und -masken, die dem Krankenhauspersonal für die Versorgung von an Covid-19 Erkrankten vom Robert-Koch-Institut empfohlen werden, sind am Markt nur noch schwer erhältlich. Die Corona-Pandemie hat für alle Krankenhäuser zu Versorgungsproblemen mit allen Teilen, die zur Schutzausrüstung gehören, geführt. Ulrich von Hintzenstern, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin in Forchheim, erfuhr von der inneruniversitären Hilfestellung zwischen Lehrstuhl und Erlanger Klinikum und fragte kurzerhand an, ob nicht auch das Akademische Lehrkrankenhaus der Friedrich-Alexander-Universität - das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz - beliefert werden könne. Am gleichen Tag stand der Liefertermin für zwei Tage später fest. Der Prokurist Oliver Amon, der am Standort Forchheim für das Klinikum den zentralen Einkauf leitet, weiß ein Lied von der erschwerten Beschaffung in Corona-Zeiten zu singen: "Wir brauchen eigentlich alles, was zu der persönlichen Schutzausrüstung gehört: FFP3- Atemmasken, Schutzanzüge und Mund-Nasen-Schutz sind besonders knapp. Wir benötigen Margen in der Größenordnung von 5000 bis 20.000 Stück und dauerhafte, verlässliche Lieferketten." Die Hilfe bleibt in der Familie - im Großen wie im Kleinen: Dietmar Drummer ist es wichtig, dass ein Akademisches Lehrkrankenhaus beliefert wird: "Dann bleibt es sozusagen in der Familie, denn wir können im Moment ausschließlich das Universitätsklinikum beliefern", sagt er. Der 48-Jährige versteht die kurzfristigen Produktionsaktivitäten des Lehrstuhls als temporäre Nothilfe, um eklatante Lücken zu schließen. Bei den Brillen handele es sich nicht um ein marktgängiges Produkt, sondern um eine Soforthilfe. Bei der Entwicklung des Prototyps standen die Eigenschaften "kostengünstig, in hohen Stückzahlen, schnell produzierbar und Wegwerfartikel zur Vermeidung möglicher Infektionsketten" im Vordergrund. "Mithilfe des 3-D-Drucks konnten wir nicht in den gewünschten Mengen produzieren, deshalb haben wir auf spritzgegossene Teile und lasergeschnittene Folien zurückgegriffen", erläutert der Professor. Dietmar Drummer wurde 1971 in Forchheim geboren. Er gehörte zum ersten Jahrgang, der 1990 am neu gegründeten Ehrenbürg-Gymnasium seine Abiturprüfung ablegte. Nach dem Abschluss seines Studiums der Fertigungstechnik mit Schwerpunkt Kunststofftechnik und Höherer Mechanik arbeitete er von 1997 bis 2004 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am LKT. Dort war er zuletzt als Oberingenieur und Stellvertreter des damaligen Lehrstuhlinhabers Gottfried W. Ehrenstein, tätig. Er promovierte 2004 zum Thema "Verarbeitung und Eigenschaften kunststoffgebundener Dauermagnete". Anschließend wechselte Drummer in den industriellen Bereich. Seit 2004 leitete er das Technologiemanagement der Oechsler-AG. Gleichzeitig war er Lehrbeauftragter der Universität Erlangen-Nürnberg. Seit 1. Mai 2009 ist er als Nachfolger von Ernst Schmachtenberg Inhaber des LKT.