Es ist ein Dilemma für den Bund Naturschutz (BN): Zum einen setzt er sich für Radfahren als umweltfreundliche Fortbewegung ein, zum anderen ist ihm der Landschaftsschutz oberstes Gebot. Die beiden Ziele kollidieren nach Meinung von Peter Ille, dem BN-Geschäftsführer in Bayreuth, und Tom Konopka, dem Beauftragten für Ober- und Mittelfranken, beim Radweg im oberen Wiesenttal.

Seit zwei Jahren gebaut ist die Teilstrecke zwischen Doos und Rabeneck. Weitergehen soll es Richtung Behringersmühle. Beklagt wurde bei einem Ortstermin unterhalb der Burg Rabeneck und an der Schottersmühle die enorme Breite des neuen Wegs, der parallel zur Staatsstraße 2121 führt. Das Wiesenttal ist dort in ganzer Breite ein FFH- und ein Vogelschutzgebiet. "Der Radweg hat nichts mit Landschaftsschutz zu tun", beklagte denn auch Ille.

Tom Konopka betonte gegenüber unserer Zeitung: Es gebe die Möglichkeit, einen "parallel geführten Weg" zu ertüchtigen: "Das ist der geringere Eingriff, als eine vier Meter breite Trasse auf eigenen Damm-Körper zu führen."

Peter Ille sind die Steinverbauungen am Flussufer und das Zerschneiden der Wiesenaue, wenn der Weg von der Straße abgesenkt verläuft, ein Dorn im Auge. Er ist der Meinung, dass hier eine erhebliche Beeinträchtigung des Flora-Fauna-Habitats vorliegt, so dass nach EU-Recht der BN im Wasserrechtsverfahren zur Errichtung hätte gehört werden müssen. Erfahren vom Vorhaben haben die Naturschützer aber erst, als die Bagger anrückten. Um "Eingriffe in das europäisches Schutzgebiet" zu verhindern, pocht Tom Konopka darauf, dass der BN von den Wasserrechtlern am Landratsamt Forchheim in die Planung einbezogen werde.

Weil der Radwegbau ordentlich gefördert wird, fragt Christian Kiehr (BN Ebermannstadt-Wiesenttal): "Machen hier Fördermittel die Landschaft kaputt?" Der Radweg soll den Tourismus befördern. "Durch Zerstörung dessen, was die Touristen anlockt", behauptet Ulrich Buchholz von der BN-Kreisgruppe Forchheim. Für den naturliebenden Wanderer und sicher auch für Mountainbiker verläuft auf der östlichen Talseite durchgängig ein nicht asphaltierter Weg, der trotz Regen während des Ortstermins gut von Touristen frequentiert wurde.

Wer braucht die Strecke?

Es stellt sich die Frage: Wie groß ist die Gruppe von Radlern, die eine ebene Strecke braucht? Ein Teilnehmer berichtete vom Pfingstmontag, als der breite Weg von sehr vielen genutzt wurde, von älteren Menschen mit E-Bikes und von Vätern und Müttern, die ihre Jüngsten im Anhänger am Rad transportierten. Für sie ist die Breite richtig, gerade wenn sich zwei solcher Familiengespanne begegnen.

Dem BN geht es darum, die Natur durch den Radweg nicht schachmatt zu setzen. Besonders nicht an den Talengstellen, wie bei der Schottersmühle. Hier sind zwischen Flussgehölz und der höher gelegenen Straße nur wenige Meter. Wenn der Radweg auch in derselben Art von Behringersmühle nach Pottenstein gebaut würde, sieht Jürgen Kollert von der IG Klettern auch da Verschlechterungen für den Natur- und Landschaftsschutz, weil zwangsläufig viele Bäume im schmalen Tal gefällt werden müssten.

Kritik an den Planern

Dieselbe Problematik hat Kiehr bei einem zusätzlichen Radweg Richtung Forchheim ausgemacht. Beide fordern deshalb ein naturverträgliches Konzept für das Radwegenetz in der Fränkischen Schweiz.

BN-Regionalreferent Tom Konopka ärgert sich, dass das Staatliche Bauamt Bamberg "die Planungen vorantreibt, aber sich nicht in die Karten schauen" lasse. "Da müssen wir, die Kritiker, natürlich hellhörig werden." Konopka hält die Maßstäbe bei dieser Planung für völlig verschoben. Wenn er mit dem Fahrrad in Wales oder auf dem Balkan unterwegs sei, dann beobachte er "dort überall Straßen, die so breit sind was bei uns viele Radwege".

Der Regionalbeauftragte des Bund Naturschutz stellt klar: "Wir sind ja nicht gegen Radwege, aber der Radwegebau muss naturverträglich sein - halbe Autobahnen bauen, das darf nicht sein. lp/roe