Mit zusammengekniffenen Augen, das Schwimmbrett fest umklammert, versuchen fünf Kinder eine Bahn durch das tiefe Becken des Königsbades zu schwimmen. Dabei üben sie den richtigen Beinschlag für das Kraulen. Barbara Kestler, die Leiterin des Anfängerschwimmens der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Forchheim, erklärt den Kindern vorher am Beckenrand die richtige Technik. Sicher schwimmen zu können, ist überlebenswichtig, denn in tiefem Wasser ist selbst die Poolnudel keine Hilfe mehr. Doch immer weniger Kinder können sicher schwimmen.

Schwimmfertigkeit rückläufig

"Im Landkreis Forchheim betrug die Nichtschwimmerquote unter Viertklässlern im Jahr 2016 etwa 13 Prozent", sagt Cordula Haderlein, die Leiterin des Forchheimer Schulamtes. Bettina Tröndle, Lehrerin an der Anna-Grundschule in Forchheim, fügt hinzu: "Wenn wir mit den Zweitklässlern am Anfang ins Bad gehen, schafft es nur gut ein Drittel mindestens zwei Bahnen im tiefen Becken zu schwimmen."

Am Ende der vierten Klasse hätten dann zwei bis vier Kinder noch Angst, ihren Kopf ins Wasser zu tauchen. Deshalb sind gerade in den Vorschuljahren die Eltern gefragt, ihre Kinder an das Schwimmen zu gewöhnen.

Eltern in der Pflicht

"Wenn von Zuhause nichts kommt, gibt es auch keinen Lernprozess", betont Schwimmtrainerin Kestler und nimmt die Eltern in die Pflicht. "Gerade in der Lernphase ist es wichtig, mehrmals pro Woche zu üben. Es reicht nicht aus, einmal einen Schwimmkurs zu buchen und ins Spaßbad zu gehen, sondern es muss regelmäßig im tiefen Becken geübt und die Technik gefestigt werden." Eltern, die selbst nicht gerne schwimmen, hätten oft Angst, dem Kind etwas Falsches beizubringen.

Selbst an einen Kurs zu kommen, ist allerdings gar nicht so leicht. Die Angebote der Vereine in Forchheim und der VHS sind regelmäßig ausgebucht. Der letzte Kurs der DLRG musste Corona-bedingt ausfallen. "Ab September ist der nächste Anfängerkurs in Planung. Nach Online-Stellung kam kurz nach Mitternacht die erste Anmeldung", sagt Kestler.

Spaß statt Sport

Grundsätzlich gehen die Kinder zu selten richtig schwimmen, sagt Kestler. Problematisch sei der Faktor Spaßbad. "Zum Rutschen und Plantschen muss man nicht unbedingt schwimmen können. In einer Wassertiefe von 1,20 Meter kann das Kind stehen und das ist kein effektives Schwimmtraining, bei dem es auf Ausdauertraining und Bewegungskoordination ankommt", erklärt die Schwimmtrainerin. "Schwimmen ist keine Fun-Sportart, sondern eine lebensrettende Kulturtechnik."

Bädersterben

Wo Bäder schließen, können Kinder mit ihren Eltern und Schulen nicht mehr schwimmen gehen. Letztere haben es immer schwerer den im Lehrplan vorgesehenen Schwimmunterricht durchzuführen. Die 30 Grundschulen im Landkreis nutzen insgesamt sieben Bäder für den Schwimmunterricht (Forchheim, Ebermannstadt, Gräfenberg, Hirschaid, Pottenstein, Erlangen, Spardorf), drei der Bäder befinden sich also direkt im Landkreis Forchheim. Im Jahr 2012 wurden die Hallenbäder in Kirchehrenbach und Gößweinstein geschlossen.

Wie viele andere kleinere Gemeinden konnten sie Betriebs-und notwendige Sanierungskosten langfristig nicht mehr stemmen.

Vom Staatlichen Schulamt Forchheim, das für die Grund- und Mittelschulen zuständig ist, heißt es dazu: Der Schwimmunterricht ist ein Teilbereich des Sportunterrichts. Dieser umfasst insgesamt zwei beziehungsweise drei Stunden je Woche. Eine feste Aufteilung, wie viel Sportunterricht aufs Schwimmen zu entfallen hat, gibt es nicht. Dies liege im Entscheidungsspielraum der Schule. Bei Schulen, die in unmittelbarer Nähe zu einem Schwimmbad liegen, können nahezu alle Jahrgangsstufen Schwimmunterricht nehmen. Schulen, die viel Zeit für die Hin- und Rückfahrt zum Schwimmbad brauchen, beschränken den Schwimmunterricht auch auf eine Jahrgangsstufe beziehungsweise führen diesen im mehrwöchigen Turnus durch.

Schulen sind gefordert

Die Grundschule Neunkirchen am Brand, welche lange Jahre zum Schwimmen nach Spardorf gefahren ist, steht seit der sanierungsbedingten Schließung des Bades vor einem Problem. "Im Ernstfall werden die Schüler in Zukunft mehr Turnen statt Schwimmen müssen", erklärt die Schulleiterin Anna Wellhöfer.

Das Königsbad in Forchheim hat laut Angaben der Verwaltung noch genügend Kapazitäten frei, ist aber zu weit entfernt. Das Angebot aus Gräfenberg sei wahrscheinlich mit dem Stundenplan der Schule inkompatibel. Problematisch sind die Busfahrten, die von den 100 Minuten Unterrichtszeit abgezogen werden müssen. Effektiv bleiben je nach Schule 25 bis 45 Minuten Schwimmzeit übrig.

Alternative Lösungen

Für die Grundschule Egloffstein lohnt es sich ebenso wenig, regelmäßig den Weg ins Gräfenberger Bad auf sich zu nehmen. Daher steht eine Überlegung im Raum, den Schwimmunterricht mit einem Schwimmkurs zu ersetzen. "Wenn der Markt Egloffstein 70 bis 80 Prozent der Kosten übernimmt, kann ein günstiges Angebot geschaffen werden, an dem alle Kinder teilhaben können. Der Kurs würde außerhalb der Schulzeit stattfinden und zehn Einheiten, anstatt wie bisher sechs Schwimmstunden enthalten", erklärt Rektorin Barbara Gruber. Im Sommer wäre es dann auch möglich, regelmäßig mit den Klassen in das Freibad in Egloffstein zu gehen - wenn die Sanierungsarbeiten bis dahin vorbei sind.