Schulmensa in Forchheim sagt Fast-Food den Kampf an
Autor: Maximilian Glas
Forchheim, Montag, 10. Oktober 2016
Die gemeinsame Mensa der Forchheimer Gymnasien hat für zwei Jahre einen neue Pächterin. Sabrina Wittnebel setzt auf Regionalität und Nachhaltigkeit.
Jedes Mittagsgericht ein Euro: ein Eröffnungsangebot, bei dem sich die Schüler des Herder- und des Ehrenbürg- Gymnasiums in der gemeinsamen Mensa am Montagmittag nicht zweimal bitten lassen. Schaschlik, Nudeln mit Tomatensoße und ein veganes Kartoffel-Kokos-Curry (normaler Preis 3,80 Euro je Gericht) gehen in großen Mengen über die Theke. Felix Halwas, Zehntklässler am Ehrenbürg-Gymnasium, ist der erste Schüler, der sein Mittagessen nach dem Betreiberwechsel entgegennimmt. "Es war richtig gut", urteilte er über seine Nudeln. "Bisher war ich mittags auch meistens in der Stadt essen, aber jetzt ist die Mensa hier für die nächste Zeit auf jeden Fall eine Überlegung wert."
Wenn man sich bei Schülern und Lehrern umhört, scheint es in der Tat vor allem die kulinarische Konkurrenz in der Innenstadt zu sein, die den Vorpächtern der Mensa Probleme bereiteten - in den
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vergangenen Monaten stand diese sogar leer. "In der Unterstufe war ich noch häufiger in der Mensa, dann bin ich aber der Bratwurst und dem Döner verfallen", sagte ein Gymnasiast, während er zumindest an diesem Tag zufrieden vor seinem Schaschlik sitzt. Weg vom eintönigen Fast-Food und hin zu einer gesunden, ausgewogenen Ernährung: das ist die Mission der Neu-Pächterin Sabrina Wittnebel für mindestens die nächsten zwei Jahre. Die gelernte Kinderpflegerin betreibt seit fünf Jahren einen Party-Service in Altendorf (Landkreis Bamberg).
Das Catering-Unternehmen versorgt dabei nicht nur Kindergärten und Schulen, sondern ist mit einem vegetarischen und veganen Imbissstand auch auf Veranstaltungen wie dem Altstadt- oder dem Annafest unterwegs. Diese Philosophie möchte die 34-Jährige auch in der Herder-Ehrenbürg-Mensa umsetzen.
Täglich steht ein vegetarisches Gericht zur Auswahl, ein Tag ist sogar komplett fleischlos. Daneben gibt es täglich eine Salatbar, frisches Obst und Smoothies. "Regional, saisonal und nachhaltige Ernährung", so lauten die Grundsätze von Sabrina Wittnebel. Die Nachhaltigkeit beschränkt sich nicht nur auf das Essen. Jedes Gericht kann von den Gymnasiasten auch zum Mitnehmen bestellt werden - und zwar in umweltfreundlichen Behältern wie Palmblatt-Tellern oder Bechern aus Maisstärke. "Die Schüler haben ein vernünftiges Essen und können trotzdem auch mal in die Stadt gehen", sagte Wittnebel.
Pächterin zeigt sich innovativ
Idealerweise sollten die Kinder aber natürlich in der Mensa verweilen, findet auch Lieselotte Rall, Schulleiterin des Herder-Gymnasiums: "Es ist wichtig, dass die Schüler einen Platz haben, wo sie außerhalb des Schulhauses in Ruhe essen und Zeit
verbringen können und nicht im Schnellschritt durch die Stadt laufen." An fehlenden Innovationen der Pächterin wird es zumindest nicht mangeln. Im Eingangsbereich steht ein Buch, wo die Schüler ihre Essenswünsche direkt eintragen können. Dazu plant die 34-Jährige, jeden Monat jeweils eine komplette Klasse mit Lehrer zu einem besonderen Lunch einzuladen.Große Mühen, die sich zumindest am Premierentag ausgezahlt haben - Schüler wie Gäste zeigten sich zufrieden. "Vorkoster" Hermann Ulm mit eingeschlossen. "Meine Tochter hat mir heute früh bereits auf dem Schulweg gesagt, Papa, super, heute gibt es Schaschlik. Und es war wirklich ganz hervorragend", sagte der Landrat.