Das Transparent der Bürgerinitiative (BI) "Schützt die Reuther Hänge" hing keine zehn Minuten an der Rückwand des Rathaussaales. "Brachialgewalt" stand da in roten Lettern - eine Anspielung auf die Bürgerversammlung in Burk. Dort hatte Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) gesagt, dass das Baugebiet auf der Hut in Reuth notfalls mit Brachialgewalt durchgesetzt werden müsse.

Kurz nach 16 Uhr sorgte ein aufgebrachter Bürgermeister Franz Streit (CSU) dafür, dass das Transparent abgehängt wurde. Das Plakat verletze das im Rathaus herrschende "Neutralitätsprinzip". Als wenig später OB Franz Stumpf eintraf, schaffte er persönlich die eingerollten Transparente vor die Tür des Sitzungssaales.

40 Minuten später - die Debatte über das Verkehrsgutachten auf der Reuther Hut war voll im Gange - zog BI-Sprecher Ingolf Franke erneut den Zorn des Oberbürgermeisters auf sich.
Der hatte spitz gekriegt, dass Franke die Wort-Beiträge der Stadträte mit einem Diktiergerät aufzeichnete. Stumpf wetterte gegen die "faulen Tricks" Frankes und forderte ihn auf, das Diktiergerät für die Dauer der Sitzung bei ihm abzuliefern. Nachdem der BI-Sprecher dieser Aufforderung ohne Murren nachgekommen war, setzte der Stadtrat jene Debatte fort, die der Planungsausschuss Mitte Oktober begonnen hatte. Die Grünen forderten, die "ökologisch sensiblen Bereiche nicht der Bebauung zu opfern". Stattdessen, so FGL-Fraktionssprecherin Annette Prechtel, sollte über ein Schutzgebiet nachgedacht werden. Reinhold Otzelberger (SPD) betonte, dass die Stadt doch kein Gutachten in Auftrag geben könne, um es dann "wegzuschieben".

Wie Sebastian Platzek (FDP), plädierten auch die Freien Wähler für ein "reduziertes Baugebiet" in Reuth. Die Stadt hätte "viel Geld sparen können", sagte FW-Fraktionschef Manfred Hümmer, da sie sich nun über das Gutachten hinwegsetze. Dieses Verkehrsgutachten des Nürnberger Büros Planwerk hatte herausgefunden, dass das Neubaugebiet (Nördlich Ruhstraße) nur mit einer zweiten Zufahrt sinnvoll zu erschließen sei. Sich auf die Obere Schulstraße zu verlassen, sei nicht ausreichend. Doch die Bau-Verwaltung war genau in diesem Punkt von der Gutachter-Meinung abgewichen: Eine Verkehrserschließung über das bestehende Straßennetz sei möglich. Dieser Einschätzung stimmten gestern 20 Räte (CSU, JB und FBF) zu. 16 Stadträte der SPD, der Grünen, der Freien Wähler und der FDP lehnten ab.

Zurren und murren

OB Franz Stumpf vertrat die Meinung, dass dieser Beschluss noch gar nichts über die spätere Größe des Baugebietes aussage. "Wir zurren heute nur fest, dass eine Anfahrt über die Ruhstraße nicht funktioniert." Dem widersprachen Ludwig Preusch (FW) und Reinhold Otzelberger (SPD). "Die Anzahl der Bau-Rechte wirkt sich sehr wohl auf den Verkehr aus", sagte Preusch. Und Otzelberger: "Baugebiet und Verkehrserschließung sind planerisch eine Einheit." Ingolf Franke war "enttäuscht" über den Ratsbeschluss. Der sei für ihn eindeutig der "erste Schritt" hin zum Baugebiet.

In der Sitzung häuften sich jedoch die Stimmen, die forderten, die Bebauung der 30 Grundstücke am Oberen Schulweg gründlich zu überdenken. Es wäre "ein Zeichen von Größe", wenn die Stadträte jenseits von Schwarz-weiß-Denken gemeinsam nach einer Lösung suchten, sagte Günther Hammer (SPD). Und auch Thomas Schuster (CSU) meinte, es müsse doch möglich sein, "die vielen offenen Fragen" (etwa beim Thema "Versickerung des Oberflächenwassers") im "fairen Umgang" zu klären.