Oft 30 Jugendliche und junge Erwachsenen laufen nicht mit ihren Handys durch die Gegend, um die virtuellen Pokemon-Monster aufzuspüren. Gechillt sitzen sie auf mitgebrachten Klappstühlen vor dem Rathaus in Igensdorf und machen es sich mit Getränken auf den Stufen bequem - und schauen in ihr Handy, welches Pokemon sich gerade auf den Weg zum Rathaus macht.

Es sind nicht nur Igensdorfer Jugendliche. Die Kennzeichen der parkenden Autos verraten, dass sie aus Lauf oder Eckental jeden Abend nach Igensdorf fahren. Sie haben eine Lockmodul erworben, mit dem dann 30 Minuten lang Pokemons angelockt werden. "Warum die Pokemons alle ans Igensdorfer Rathaus kommen, wissen wir nicht. Aber umsonst sitzen wir nicht seit drei Wochen jeden Abend hier", sagt David. Über 2000 Pokemons haben die jungen Männer und Frauen auf diese Weise schon gefangen.


Als der Igensdorfer Gemeinderat die Sitzung am Dienstag nach dem nichtöffentlichen Teil gegen Mitternacht beendet hatte, saßen noch immer Jugendliche vor der geschlossenen Rathaustür. "Ich finde das goldig. Es ist schön, wenn die Jugendlichen sich am Rathaus treffen", sagt Bürgermeister Wolfgang Rast (IU), der das mit Humor nimmt. "Es liegt nichts herum. Sie verlassen ihr Spielfeld sauber", betont er. Weder Flaschen noch Zigaretten hinterlassen die jungen Leute. Und vielleicht interessieren sie sich irgendwann auch mal genauso stark für Politik.