Auch Nachbarin Andrea Kayser muss sich manchmal in ihrem Garten nebenan die Ohren zuhalten. "Morgens und abends ist es besonders schlimm", erzählt die Mutter von zwei Kindern. Lediglich am Sonntag könne sie mit ihrer Familie die Ruhe im Garten genießen. Denn dann dürften die meisten Lastwagen nicht über die Autobahn donnern. Wenn ein Motorrad vorbeifahre, sei die himmlische Ruhe freilich schnell vorbei.

Damit sich in Sachen Lärmschutz an der A73 etwas tut, engagieren sich beide Familien in einer Bürgerinitiative. Zuletzt konnten die Lärmgegner schon über 200 Unterschriften für eine rasche Umsetzung von besseren Lärmschutzmaßnahmen entlang des Frankenschnellwegs sammeln.

Anwohner wie Barbara Gradel regen sich besonders darüber auf, dass in Sachen Lärmschutz seit Jahren nichts vorangehe.
Im Jahr 2009 schöpften die Anwohner schon einmal Hoffnung, dass sich für ihre leidgeplagten Ohren und Nerven endlich etwas tut. Aber Pustekuchen. Nichts geschah in den Augen der Anwohner.

Und das, obwohl sich der Verkehr auf der A73 in den letzten Jahren "dramatisch" erhöhte. Seit 2009 werde der Stadt Forchheim von der Autobahndirektion Nordbayern eine "Nachbesserung des Lärmschutzes" entlang der Ausfahrten Forchheim Süd und Nord versprochen, schreiben die Lärmgegner. So sollten vorhandene Lärmschutzwände auf über acht Meter erhöht werden. "Doch bis heute ist nichts passiert", ärgert sich die Bürgerinitiative. Deshalb wollen die Anwohner mit einer Fortsetzung der Unterschriften-Aktion am 19. Mai mehr Druck auf die Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung ausüben. "Wenn wir uns jetzt nicht rühren, fallen wir wieder hinten runter", fürchtet Barbara Gradel. Immerhin würden auch andere Anwohner an der A73 - beispielsweise in Eggolsheim - neue Maßnahmen gegen den Lärm fordern. Mit den Wünschen der lärmgeplagten Anwohner zeigten sich der Vorsitzende der FDP Forchheim, Marcus Werther, sowie die Sozialdemokraten Reiner Büttner und Irene Böhm bei einem kleinen Ortstermin am letzten Mittwoch solidarisch.


Körber: Tempolimit bringt nichts

Auch der FDP-Bundestagsabgeordnete, Sebastian Körber, hat sich schon vor Ort selbst ein Bild gemacht. Daraufhin hatte er sich in Berlin für die Forchheimer Anwohner stark gemacht. "Die Maßnahmen sind immer eine Geldfrage", erklärt Körber. Aber Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) dürfe nicht nur feierlich Straßen einweihen, findet Körber. Im Verkehrshaushalt müssten auch Lärmschutzmaßnahmen ausreichend bedacht werden. "Für mich steht der Lärmschutz an der A73 in Forchheim ganz oben auf der Agenda", sagt Körber.

Effizient sei besonders eine Lärmschutzwand, betont der gelernte Architekt. Auch der Flüsterasphalt könne die Lärmbelastung stark verringern. In Sachen Tempolimit ist Körber allerdings skeptisch. "Denn die Laster verursachen den meisten Krach. Da nützt ein Tempolimit leider gar nichts." Die gesammelten Unterschriften-Listen will der FDP-Politiker demnächst persönlich beim Verkehrsminister Ramsauer in Berlin abgeben. Barbara Gradel kann zwar verstehen, dass die Baumaßnahmen nicht über Nacht passieren. Aber wenigstens könne ein generelles Tempolimit beschlossen werden. An die nächtliche Geschwindigkeitsbegrenzung würden sich aus ihrer Erfahrung die wenigsten Verkehrsteilnehmer halten. Hier könnte die Polizei häufiger die Geschwindigkeiten kontrollieren, findet die geplagte Anwohnerin.

Uwe Gemeinhardt von der Verkehrspolizei in Bamberg kümmert sich mit seinen neun Mitarbeitern um die Geschwindigkeitsüberwachung auf dem Frankenschnellweg zwischen Baiersdorf und Bamberg. "Wir stehen mit unseren Messgeräten die meiste Zeit an Unfallschwerpunkten auf der A73. Da der Streckenabschnitt zwischen Forchheim-Süd und Forchheim-Nord kein Unfallschwerpunkt ist, wird hier nur stichprobenmäßig in unregelmäßigen Abständen die zulässige Höchstgeschwindigkeit kontrolliert", sagt der Leiter der technischen Verkehrsüberwachung. Ein Pressesprecher der Polizei Oberfranken räumt ein, dass "Blitzer" auf nächtlichen Autobahnen aus Personal- und Kostengründen nicht häufig vorkämen.


Baubeginn 2014?

Während die Bürgerinitiative für Unterstützung trommelt, hat sich Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) am vergangenen Donnerstag mit der Leitung der Autobahndirektion aus Bayreuth im Rathaus getroffen, bestätigt Stadtsprecher Andreas Ramisch. Dabei sei von Seiten der Behörde erklärt worden, dass das Planfeststellungsverfahren für den nachträglichen Lärmschutz in Forchheim bereits laufe.

Einschränkend fügt Ramisch allerdings hinzu: "Das wird aber voraussichtlich noch mindestens ein Jahr dauern, so dass mit dem Baubeginn der Lärmschutzwand erst im Jahr 2014 zu rechnen ist." Auch ein Flüsterasphalt solle auf jeden Fall kommen, kündigt Stadtsprecher Ramisch an.


Erfolg in "greifbarer Nähe"

Über die Finanzierung der Gesamtmaßnahme entscheide das Bundesverkehrsministerium bereits in rund sechs Monaten. "Die Sache scheint jetzt endlich voranzugehen. Die Stadt glaubt nach den Gesprächen mitder Autobahndirektion fest daran, dass die Lärmschutzmaßnahmen ab 2014 konkret umgesetzt werden können", betont Ramisch weiter. Der in "greifbare Nähe gerückte Kompletterfolg" rechtfertige die zeitliche Verzögerung, findet er.

Barbara Gradel will trotzdem weiter Unterschriften sammeln. "Ich will endlich weniger Lärm. Deshalb fordern wir bis zum Baubeginn ein generelles Tempolimit auf der A73 in Forchheim."