Von Julia Heimberger

"Zwei Stunden haben wir gestern Wahlkampf gemacht und sind mit unserem Plakat rumgelaufen", erklärt Eva Wöhrmann und zeigt stolz die Amtskette der Oberbürgermeisterin vor. Zusammen mit den zwei Stadträtinnen Maria und Franziska flitzt sie durch Mini-Forchheim und hat für jedes Kind und sein Anliegen ein offenes Ohr. Das sie tatsächlich Oberbürgermeisterin wird, hätte sie nicht für möglich gehalten. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich tatsächlich gewählt werde. Ich war total aufgeregt, als das Ergebnis feststand", erzählt sie und geht durch die Schulkantine in Richtung Bibliothek.

Gewonnen hatte sie am ersten Tag mit 34 Stimmen gegen ihre Mitkandidaten und freut sich auch am zweiten Tag Mini-Forchheim noch sehr über ihren Sieg. Bei ihrem ersten Besuch in der Kinderspielstadt 2016 war sie enttäuscht, wie "schlecht doch der Bürgermeister damals war, der wollte nicht mal mit den Medien reden". Seitdem denke sie darüber nach, wie sie das Amt besser ausüben könne.

In der Bibliothek trifft sie auf ihre Mutter Ana Wöhrmann. Diese erzählt, dass ihre Tochter sich bereits vor der Veranstaltung viele Gedanken über ihr Wahlprogramm gemacht habe. "Sie hat sich das lange gewünscht und hat alles genau durchdacht, bevor sie ihre Bewerbung abgegeben hat", sagt Ana Wöhrmann. Sie selbst ist das erste Mal als ehrenamtliche Helferin dabei und betreut die Talentwettbewerbe. Jedes Kind kann mitmachen, egal ob als Jury, als Assistenz, im Kamerateam, oder als Sänger, Akrobat, Sportler oder Magier.

Einweg-Plastikbecher sind Stein des Anstoßes

Eva holt in der Bücherei nur kurz das Megaphon für eine Durchsage auf dem Außengelände und schon geht es eiligen Schrittes vorbei an der Pralinenwerkstatt, dem Zeitungsbüro und der Fernsehlounge hinaus zum Cocktail-Stand. Den dort gibt es ihrer Meinung nach große Probleme: "Für die Cocktails werden Einweg-Plastik-Gläser verwendet, die liegen dann überall rum und machen eine Menge Müll", befindet sie und zeigt auch gleich auf zwei leergetrunkene Becher mit nassem Schirmchen und Zitronenresten. Sie fordert daher von der Organisationsleitung, dass entweder Gläser oder wiederverwendbare Kunststoffgläser eingesetzt werden. Beim ernsten Gespräch mit der Leiterin Bettina Schuierer von der offenen Jugendarbeit Forchheim Nord muss sie jedoch erkennen, dass sich solche Änderungen nicht sofort umsetzen lassen. Denn Bettina Schuierer erklärt, dass Gläser zu leicht kaputt gehen und die Scherben ein Verletzungsrisiko darstellen. Mehrweg-Plastikbecher für das nächste Jahr wären aber durchaus denkbar. Mit diesem Teilerfolg muss sich Eva zufrieden geben, denn auch in der Welt der Kleinen müssen sich diese mitunter nach den Regeln der Großen richten.

Stadtratsitzung wird von echter Politikerin angeleitet

Zusammen mit den zwei Stadträtinnen Maria und Franziska steht als nächster Tagesordnungspunkt, die Tagung des gesamten Stadtrates an. Dieser trifft sich im schattigen Rathaus, einem weinbewachsenem Holzverschlag mit einer Bierzeltgarnitur. Geleitet wird die Sitzung von Stadträtin Anita Kern (SPD), die die Kinder anleitet und moderiert. Dass der Kinder-Stadtrat aus sieben Mädchen, drei Jungen und einer Oberbürgermeisterin besteht, findet sie erstaunlich. Im echten Stadtrat gebe es ja eine ganz andere Geschlechterverteilung. Bei der Besprechung arbeiten anfangs alle Kinder gut mit, doch nach einer halben Stunde intensiver Beratung lässt selbst bei Eva die Aufmerksamkeit rapide nach. Denn die Mini-Stadträte müssen die Fragen klären, die sie dem Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) persönlich stellen wollen. Zu den Top-Themen gehören Spielplätze, Ladetankstellen für E-Autos, die alten Bänke in der Innenstadt, die verdreckte Sportinsel, Wochenendbetreuung für Kinder aus ärmeren Familien, die Umsetzung des Plastikverbotes ab 2019 auf dem Annafest, mehr Bäume und eine begrünte Litfaßsäule für die Innenstadt.

Auch die Verteilung der diesjährigen Spende sorgt für erhebliche Diskussion. Zur Wahl stehen das Tierheim und die Offene Behindertenarbeit in Forchheim. Mit sieben zu vier Stimmen bekommt dieses Jahr die Behindertenhilfe den Scheck überreicht. Stadträtin Anita Kern und die Mini-Stadträte sind sehr zufrieden mit ihren Ergebnissen und gehen vor ihrem großen Termin mit dem Forchheim Oberbürgermeister erst noch zum Mittagessen in die Kantine. Über das dortige Gewusel und alle Aktivitäten auf dem Gelände der Adalbert-Stifter-Schule hat Kathrin Reif die Oberaufsicht.

Viele Kinder kommen drei Tage und über viele Jahre hintereinander

Im mittlerweile siebten Jahr organisiert Kathrin Reif vom Bürgerzentrum-Mehrgenerationenhaus in Forchheim zusammen mit Bettina Schuierer von der Offenen Jugendarbeit Forchheim Nord die Mini-Stadt. Aufgrund des großen Andrangs mussten die Teilnehmerzahlen auf 220 Kinder pro Tag beschränkt werden. "Wobei die meisten Kinder kommen alle drei Tage und oft über viele Jahre", erklärt Kathrin Reif. Ziel sei es, den Kindern nicht alles vorzugeben, sondern sie selbst Dinge gestalten zu lassen. Zu den politischen Ämtern meint Kathrin Reif, dass die Oberbürgermeister immer taffe Kinder wären, "die auch schon zu Hause viel von Politik mitkriegen". Eva Wöhrmanns Traum von einem plastikfreien Mini-Forchheim stimmt sie absolut zu.