Leben auf 20 Quadratmetern
Autor: Eva-Maria Turnwald
Forchheim, Sonntag, 30. Juni 2019
Platzmangel und steigende Mietpreise werden zum Problem. Ein Forchheimer Unternehmen verspricht Wohn-Glück auf engstem Raum ermöglicht.
"Momo 6" und "Momo 20" stießen auf reges Interesse. Die beiden Prototypen der noch recht jungen Firma momo mobilmodul GmbH verschafften den Besuchern den Blick in eine mögliche Zukunft. Zumindest in die des Wohnens. Angelehnt an das "Tiny House Movement" entwickelten die Forchheimer zwei Raummodule in Größenordnungen von sechs und 20 Quadratmetern, die nun der Öffentlichkeit gezeigt wurden.
"Tiny Houses" (Mikro- oder Minihäuser) erfahren immer mehr Beachtung, ist auf dem Werksgelände zu erfahren. Seit Ende der 70er-Jahre sei laut einer Studie zum Beispiel in den USA die durchschnittliche Wohnfläche von Einfamilienwohnhäusern von 165 auf rund 230 Quadratmetern gestiegen, was auf zunehmenden materiellen Wohlstand zurückzuführen ist. In der Öffentlichkeit werde das Eigenheim oftmals als Statussymbol oder als Ausdruck des persönlichen Erfolgs gesehen.
Fast wie bei Peter Lustig
Doch seit der Finanzkrise 2007 seien aufgrund der deutlich geringeren Bau- beziehungsweise Anschaffungskosten und auch aufgrund der geringeren laufenden Betriebskosten "Tiny Houses" wieder in den Fokus gerückt. In Deutschland kennt man Tiny Houses beispielsweise aus der Sendung "Löwenzahn" mit Peter Lustig, der in einem Bauwagen lebt, oder aus dem Schulroman "Das fliegende Klassenzimmer" von Erich Kästners, in dem der "Nichtraucher" in einem umgebauten Eisenbahnwaggon hauste, also auch in einem Tiny House.
Wer also die Größe des Wohnraums, der Grundstückfläche, sowie der damit verbundenen Kosten reduzieren möchte, wer als Student oder Berufstätiger temporär immer Wohnraum an einem anderen Standort benötigt, oder vielleicht einfach nur ein zusätzliches Ferien- oder Wochenendhaus nutzen möchten, für den sind Tiny Houses durchaus interessant.
Anja Stolzenberger (47), Florian Stolzenberger (59) aus Erlangen und Michael Zentgraf (59) aus Forchheim geben der neugegründeten momo mobilmodul GmbH ein Gesicht. Florian Stolzenberger ist diplomierter Industrie-Designer und stellte sein Können mit Ehefrau Anja bisher in der eigenen Firma steinbockdesign GmbH in Erlangen unter Beweis.
Attraktive Alternative
Für das neue Projekt kooperieren die beiden jedoch mit Michael Zentgraf, Vorstand der Forchheimer Firma energy-alliance. "In Deutschland ist die baurechtliche Zulassung abhängig von der Nutzungsart", erzählt Designer Florian Stolzenberger. Wird ein Tiny House als Wohn-, Ferien- oder Wochenendhaus genutzt, sei grundsätzlich eine Baugenehmigung dafür erforderlich. Im Zeitalter von stark gestiegenen Baupreisen und stark wachsenden Mieten seien solche Tiny Houses eine attraktive Alternative. Zwischen 10 000 und 60 000 Euro sind - je nach Größenordnung und Ausgestaltung für ein solches "Momo", wie die Forchheimer Tiny Houses heißen, zu berappen.
Das Momo 20 (also die 20-Quadratmeter-Variante) lässt durch die geschickte Anordnung der einzelnen Wohnflächen aber viel mehr Platz vermuten. Der vordere Bereich des Wohnmodul-Prototypen ist - ähnlich wie auch bei einem Wintergarten - mit großzügigen Fensterflächen ausgestattet. Von dort aus wird das "Momo" betreten.