Kreis Forchheim: Unbekannte zerstören geschützten Eggerbach durch illegale Baggerarbeiten
Autor: Agentur dpa, Redaktion
Eggolsheim, Dienstag, 13. Dezember 2022
Bislang unbekannte Täter haben einen Bachlauf durch Baggerarbeiten im Kreis Forchheim zerstört. Der Bach sei ein wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Ein ähnlicher Fall beschäftigt den Landtag in München. Die Forderung nach mehr Personal für den Naturschutz in Bayern wird laut.
In einem Naturschutzgebiet im Süden Oberfrankens haben Unbekannte mit Baggern einen Bachlauf beschädigt. Der betroffene Eggerbach bei Eggolsheim (Landkreis Forchheim) sei ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen und durch EU-Recht streng geschützt, teilten der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz am Montag (12. Dezember 2022) mit. Durch Baggerarbeiten sei das Gewässer auf einer Länge von etwa 25 Metern zerstört worden - ein ähnliches Vorgehen wie im Falle eines Bachlaufs im Allgäuer Rappenalptal nur wenige Wochen zuvor. Die unbekannten Täter seien angezeigt worden.
Ende November hatten nicht erlaubte Baggerarbeiten am streng geschützten Rappenalpbach bei Oberstdorf (Landkreis Oberallgäu) für Aufsehen gesorgt. Nach Angaben des Bundes Naturschutz und des Landratsamtes war der Wildbach auf einer Länge von rund 1,6 Kilometern weitgehend zerstört worden. Die Polizei durchsuchte anschließend die Wohnung eines Tatverdächtigen und stellte sich auf lange Ermittlungen ein. Der Fall beschäftigte den Landtag in München.
Mehr Personal für den Naturschutz gefordert: "Da gibt es in Bayern noch viel Luft nach oben"
Wie es vom Bund Naturschutz (BN) in Bayern e. V. heißt, dienen die Sinterbecken und -terrassen des Eggerbachs als einzigartiger Lebensraum für geschützte Tiere und Pflanzen und seien daher in einem sogenannten FFH-Schutzgebiet (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie) durch europäisches Recht streng geschützt. Dieser Naturfrevel hat wohl einen unwiederbringlichen Schaden angerichtet, so die erste Einschätzung der LBV-Quellenexpertin Eva Schubert.
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Die BN-Ortsgruppe Hallerndorf-Eggolsheim hat in den letzten eineinhalb Jahren an der Quelle des Eggerbaches bereits einige bedenkliche Vorgänge dokumentieren können. "Der jetzige Eingriff in den Bachlauf ist allerdings besonders gravierend. Leider wissen wir nicht, wer dafür verantwortlich ist. Für uns war es daher zwingend nötig, die Vorgänge auch anzuzeigen. Wir hatten auf der Fläche bereits einen Termin mit der Polizei und der Unteren Naturschutzbehörde", erklärt Edi Zöbelein von der BN-Ortsgruppe.
"Wir möchten an dieser Stelle nochmals klarstellen, dass wir in dieser Sache Aufklärung haben möchten. Die Zeiten, in denen solche Frevel an der Natur unter den Teppich gekehrt werden können, sind vorbei", so Zöbelein weiter.
Bachlauf vielleicht für immer zerstört: Chancen auf Erholung ungewiss
Die LBV-Biologin Eva Schubert ist eine Gebietskennerin des einzigartigen Lebensraums am Eggerbach: "Durch die mutwillige Zerstörung der gewachsenen Sinterstrukturen ist ein massiver Schaden entstanden. Es ist ungewiss, ob sich der Bachlauf an dieser Stelle nochmal erholen kann. Der Bach wurde regelrecht kanalisiert. Auf diese Weise wird auch der Lebensraum von Insekten oder dem hier nachgewiesenen Feuersalamander nachhaltig gestört".
Durch das illegale Abbaggern ist die Fließgeschwindigkeit an diesem Teilabschnitt des Bachs nun deutlich erhöht, doch gerade die Larven des streng geschützten und in Bayern vom Aussterben bedrohten Feuersalamanders benötigen Stillwasserzonen in Bächen und Quellen. "Der Verlust solcher Strukturen ist einer der Hauptgründe für die Gefährdung des Feuersalamanders. Der jetzt zerstörte Teil des Bachlaufes war in Fachkreisen dafür bekannt, dass man in den Sinterbecken stets Feuersalamanderlarven vorfinden konnte", ergänzt Schubert abschließend.