Im Gemeindezentrum St. Johannis herrscht eine geschäftige Atmosphäre. Überall haben sich Eltern positioniert und Verkaufstische mit allerlei Gut beladen, das für Kinder kaum Wünsche offen lässt. Der Elternbeirat der Kindertagesstätte St. Johannis hat zum jährlichen Herbstbasar geladen.

Es ist eine Veranstaltung, an der Eltern die abgelegten Kleidungsstücke ihrer Sprösslinge, unliebsam gewordene Spielsachen und anderen Krimskrams loswerden können. Auf der anderen Seite freuen sich vielleicht auch wiederum Kinder, die mit all den Dingen noch etwas anfangen können. 35 Verkaufstische drängen sich dicht an dicht im großen Saal. Auch zwei kleinere Zimmer werden als Verkaufsräume genutzt. "Wir sind ausgebucht", sagt Eva Schröder, die Vorsitzende des Elternbeirats, zufrieden. Sogar eine Warteliste gebe es. Sechs Euro kostet ein kleiner, acht Euro ein größerer Verkaufstisch.

Kinder huschen durch die Gänge, auf der Suche nach einem tollen Spielzeug, das Mutti unbedingt noch kaufen muss. Im Foyer gibt es Kaffee und Kuchen. Mütter mit ihrem jüngsten Kind auf dem Arm durchwühlen Schneeanzüge und Bodys und hoffen auf das nächste Schnäppchen. Und das kommt bestimmt. Schon für 1,50 Euro ist eine Hose zu haben, ab drei Euro erhält man Schuhe.

Kleider prüfen


Trotzdem. Ist dieses konkrete Stöbern in "realen" Sachen nicht eigentlich schon lange aus der Mode? Wozu gibt es schließlich Online-Auktionshäuser wie E-Bay? Einfach zuhause am Bildschirm auswählen, bieten, bestellen - fertig. Warum die Mühe machen und aus dem Haus gehen? Ist doch viel praktischer das Internet zu nutzen, vor allem mit einem quengelnden Kind im Schlepptau. Oder?

Ist es nicht. Das sagen zumindest viele Eltern, die sich an diesem Samstag im Gemeindezentrum tummeln. Nimmt man nur den Namen des Auktions-Riesen in den Mund, kommt von mehren Seiten nur ein Kopfschütteln. "Hier am Basar kann ich die Kleidung direkt in die Hand nehmen und prüfen, ob vielleicht ein Loch drin ist", sagt Kristina Schleise, die gerade Strumpfhosen durchsucht. Die angebotene Kleiderware jedenfalls ist generell noch in einem sehr guten Zustand, denn die meisten Stücke wurden gerade einmal eine Saison getragen. Kinder wachsen schnell.

Kristina Schleise hat gezielt einen Overall für ihren kleinen Sohn Darian (acht Monate) gesucht und gefunden. Vier Euro musste sie dafür hinlegen. "Er sieht super aus und im Laden hätte ich für einen Neuwertigen 30 Euro gezahlt", freut sich die junge Mutter über das gesparte Geld. Nach dem Einkauf will sie sich noch einen Kaffee gönnen und ein Pläuschchen mit Freundinnen halten.

Ein paar Tische weiter sind Karen Justi und Sohn Timo (4) auf der Suche nach Eisenbahnschienen der Marke Brio. Sie sind schon fündig geworden. "Wenn ich die Sachen am Basar kaufe, zahle ich keine Versandkosten", meint sie. Justi stöbert lieber hier als im Internet.

"E-Bay rechnet sich nicht"


Auch die Begeisterung der meisten Verkäufer gegenüber E-Bay hält sich in Grenzen. "Das ist zu viel Aufwand und rechnet sich nicht", ist Kerstin Cont überzeugt. Sie hat auch schon im Internet verkauft, ist aber der Meinung, dass es sich nicht wirklich lohnt. Sie muss die Ware fotografieren und verpacken, den Zahlungseingang abwarten, dann auch noch eine Provision an E-Bay abgeben. "An einem Selbstverkäufer-Markt wie diesen bezahle ich pauschal einen Tisch. Die Preise für die Sachen bestimme ich selber und bin nicht auf das Bieten angewiesen", findet Cont.

Aufwand macht so ein Verkaufs-Basar aber auch, das sollte nicht verschwiegen werden. Zwei Stunden vor Verkaufsbeginn sind die Eltern vor Ort, um Tische aufzubauen, die Auslagen zu verteilen und eben alles vorzubereiten. Auch der Kuchen, der zur Stärkung angeboten wird, muss zuvor von fleißigen Mamas und Papas gebacken werden. Der Erlös geht an die Kindertagesstätte. All das organisiert der Elternbeirat. "Wir hoffen immer, dass sich möglichst viele beteiligen", sagt Schröder. Im Frühjahr findet schon der nächste Kinder-Basar statt.

Familie Frohs bietet an ihrem Stand überwiegend Spielzeug an. Sie sieht E-Bay nicht so kritisch - im Gegenteil. "Sonst verkaufen wir im Internet", erzählt Mutter Claudia, die nur selten an Basaren teilnimmt. Sie stellt größere Pakete mit etwa 30 Teilen zusammen, das lohne sich mehr als alles einzeln herzugeben. Vor dem Verpacken und Verschicken schrecke sie nicht zurück.

Überquillende Körbe


Carola Schmidt, die an ihrem Stand vor allem Kleidung anbietet, hat den Basar lieber. "Der persönliche Kontakt findet im Internet nicht statt. Hier kommen wir ins Gespräch, tauschen auch mal unsere Erfahrungen aus." Melanie Walburg sieht sich interessiert eine Kinder-Strickjacke an. Der große Einkaufskorb, den sie solange auf den Boden stellt, quillt schon ein wenig über. Der eine oder andere an diesem Tag trägt seine Beute in großen Tüten nach Hause.

"Man muss aufpassen, dass man nicht zu viel kauft. Das passiert leicht, wenn alles so günstig ist", berichtet Daniela Voit. Im Kopf legt sie sich daher immer zuvor eine Liste zurecht, damit das nicht so häufig passiert. "Bald ist ja Weihnachten", sagt sie dann und kauft noch einen kleinen Playmobil-Bagger für ihren Sohn.