Kaiserin Kunigunde lief über Pflugscharen, um zu beweisen, dass sie ihrem Gatten treu ist. Als Belohnung gab's Heiligsprechung und Namenspatenschaften für Straßen und Tagungsräume.Um als Frau auf Forchheims Straßenschildern verewigt zu werden, braucht es also göttliche Intervention oder einen Kaiser als Gemahl. Bei Männern reicht der Totenschein. So säumen neben Pfarrern und Lokalpolitikern auch Goethe und Kennedy unsere Straßen.

Mit Marie Curie zu Siemens

Was diese Herren mit dem Landkreis zu tun haben? Nichts. Wie wäre es da mit einer Marie-Curie-Straße? Die Mutter des Röntgenwagens könnte Autofahrer bis zum Parkplatz der Siemens Healthineers leiten. Denn es gab sie - Vera Gronenberg (Forchheimer Pfarrvikarin und Vorreiterin für Frauen im Pfarrdienst), Emmy Noether (Erlanger Mathematikerin) oder Sofie Kotz (deportiert als letztes Mitglied der jüdischen Gemeinde Forchheim) - Frauen, die Gesellschaft und Wissenschaft formten. Wieso also nicht unser Stadtbild?

Straßennamen sind allgegenwärtig. Sie bieten Orientierung und sind das erste was ein Kind lernt, damit es zurück nach Hause findet. Doch die Namensgeber bestimmen eine exklusive Erinnerungskultur. Wer etwas geleistet hat, bekommt postum eine Straße gewidmet - sofern es ein Mann ist. Der Beitrag vieler Frauen gerät so in Vergessenheit.Wenn die nächste Umbenennung eines unrühmlichen Namensgebers ansteht, einfach mal an eine Frau denken.

Zum Artikel geht's hier: Frauen finden in Forchheim kaum Beachtung - Nur sechs von über 400 Straßennamen beruhen auf berühmten Frauen