Die "Schnapsidee" hatten Gerhard Lübke und sein Sohn Patrick vor drei Jahren. Als bekennende Gin-Trinker belegten sie an der "Genuss-Akademie" im österreichischen Vils ein Gin-Seminar. "Wir wollten lernen, wie wir unseren eigenen Gin herstellen können", erzählt Patrick Lübke, der vom Erfolg der ersten Versuche selbst überrascht war. "Bereits bei den ersten Versuchen gelang uns ein einzigartiges Meister-Destillat, das die Lust auf mehr weckt", gesteht Patrick Lübke.

Vorbild ist der "London dry"

Was zunächst als Hobby gedacht war, entwickelte sich daher schnell zu einer Geschäftsidee. Ermutigt durch die hervorragenden Ergebnisse ihrer Destillationsversuche beschlossen Vater und Sohn, die Einliegerwohnung im Keller des Hauses in Heroldsbach in eine Gin-Manufaktur umzuwandeln.

Gleichzeitig vervollkommneten die Liebhaber des Wacholder-Destillates ihr Wissen über diese facettenreiche Spirituose, die im 17. Jahrhundert durch den holländischen Mediziner Franciskus de la Boë unter der Bezeichnung "Genever" als Heilmittel gegen Magen- und Nierenleiden eingesetzt wurde.

Bei den Zutaten für ihren Gin orientierte sich das Vater-Sohn-Gespann an der wohl bekannteste Sorte, dem London dry Gin, der den strengsten Herstellervorgaben unterliegt. Das Wichtigste: Nach der Destillation dürfen keine weiteren Geschmacksstoffe hinzugefügt werden.

Da die Spirituose aber in Franken hergestellt wird, bekam der Gin made in Heroldsbach den Namen Franconian dry Gin. Vertrieben wird das edle Produkt unter der Bezeichnung "Shadows", möglicherweise auch deshalb, weil die markant geformte Flasche mit einem biologisch abbaubaren Lack komplett schwarz beschichtet ist. Für den Wiedererkennungswert der Marke sorgt ein Uhu, mit dem Lübke auch den Bezug zur Fränkischen Schweiz mit seinen Wäldern und Höhlen, dem Lebensraum dieser Eule, herstellt. Sie ist unser Maskottchen und hat auch ein bisschen etwas Mystisches, findet der 25-jährige Jung-Unternehmer Patrick Lübke. "Das Design kann ein Produkt zu einem Publikumsmagneten machen", findet er.

Handgeschmiedete Destille

Um höchste Qualität liefern zu können, hat sich der Brenner den "Ferrari" unter den Destillen gegönnt, eine aus Kupfer und Edelstahl handgeschmiedete Destille der Manufaktur Arnold Holstein aus der Nähe von Friedrichshafen. Mitarbeiter des Unternehmens haben sie vor Ort betriebsfertig zusammengebaut.

Für die Produktion des Gin werden die Wacholderbeeren zusammen mit fränkischem Hopfen in Alkohol eingelegt.

Geheime Zusammensetzung

Insgesamt 19 Zutaten, darunter Hibiskus- und Lavendelblüten, Koriandersamen, Muskatnuss, schwarzer Pfeffer, Ingwer, Zitronen- und Orangenschalen verleihen dem In-Getränk bei der Digestion, dem dreieinhalb Stunden dauernden Brennvorgang, seine unverwechselbare Note und ein einzigartiges Geschmacksprofil.

Das Mischungsverhältnis ist natürlich ein Betriebsgeheimnis. Patrick Lübke verrät nur so viel: "Für 30 Liter Alkohol brauche ich drei Kilo Wacholderbeeren".

Im Gegensatz zur industriellen Produktion liegt das maximale Fassungsvermögen des Brennkessels bei gerade mal 84 Litern. So entstehen bei jedem Brennvorgang rund hundert Flaschen des edlen Getränkes, das drei Monate in Edelstahlbehältern ruht, ehe es gefiltert und in Flaschen abgefüllt wird. Alle werden von Hand einzeln nummeriert. "Diese Zeit braucht der Gin, damit er sein volles Aroma entfalten kann", unterstreicht Patrick Lübke.

Um auf dem Markt Fuß zu fassen, fährt der Jung-Unternehmer mehrgleisig. Zum einen stellt er sein Produkt bei Vertriebspartnern vor, damit sie es in ihr Sortiment aufnehmen. So ist der Franconian dry Gin bereits bei der Mosterei Kupfer in Heroldsbach, dem Getränkemarkt Kistner, dem Schnapssstodl in Kirchehrenbach, der Vinothek Scharfenberg in Bamberg, im Pilatushof in Hausen, aber auch in ausgewählten Geschäften in Nürnberg, Wendelstein und Eckental zu haben.

Bekanntheit steigern

Das zweite Standbein ist das Internet. Hier sorgen Gin-Foren und Influencer mit Gin Degustationen für wachsenden Bekanntheitsgrad. "Einer unserer Partner hat 11 000 Follower, alles Leute, die Gin lieben und so den Umsatz unserer Gin-Manufaktur ankurbeln können", verrät Lübke, dessen Elixier sich nach eigenen Angaben auch hervorragend als Werbe- oder Weihnachtsgeschenk eignet.

Nach Absprache können Interessenten den Heroldsbacher Gin aber auch am Entstehungsort in der stilvoll eingerichteten Kellerbar gleich neben der Destillerie probieren. Dort liegt übrigens auch eine Gin-Bibel zum Nachlesen bereit. Also: Platz nehmen und der "Ginspiration" steht nichts mehr im Wege.