Sie kämpfen und versuchen abzuwenden, was noch geht: die Gegner der Westumgehung Neunkirchen am Brand. Viele von ihnen hatten sich am Sonntagnachmittag zu einem Aktionstag im Wald bei der Straße nach Ebersbach getroffen. Die Ebersbacher Blaskapelle stand auf dem laubbedeckten Boden und spielte auf.
"Kann man denen nicht sagen, dass sich hier immer die Kindergartenkinder und Schüler getroffen haben? Es ist ein wichtiger Platz", sagte eine Frau. Mit "denen" meinte sie den Staat und die Gemeinderäte und hofft, dass Bettina Wittmann (Grüne), die für die Initiative gegen die Westumgehung hier mobilmacht, sich dafür einsetzen wird.

Viele sind Wittmanns Appell gefolgt und lauschten noch im Wald den Reden der Gegner. Noch, da diese Idylle vorbei sein wird, wenn die Westumgehung hier entlangführt. Durch den Wald. 2,50 Meter und 3 Meter hoch soll der Damm dort werden. Auf Plakaten haben die Gegner diese Zahlen aufgeschrieben. Die Straße weiter entlang steht ein großes Banner. Die Höhe, auf dem er auf ein Nein der Westumgehung aufmerksam macht, entspricht der künftigen Höhe des Damms.

Mit warmem Kaffee stärkten sich die Frauen und Männer. Manche Kinder ritten auf den Ponys, die aus dem Stall eines Ebersbacher Landwirts kamen. "Er wird durch die Westumgehung seine Weideflächen verlieren und ist damit in seiner Existenz bedroht", sagte Bettina Wittmann. Der Lärm in Neunkirchen wäre erträglich, wenn der Verkehr am Forchheimer Tor vernünftig geregelt worden wäre, findet sie. Die Pläne dafür lägen schon seit 2006 in den Schubladen des Marktes.

Den Verkehr werde auch die Westumgehung nicht aus dem Ort halten. Da stimmte Bettina Wittmann dem Grünen-Landtagsabgeordneten Markus Ganserer zu. Er machte deutlich, dass dennoch 75 Prozent des Verkehrs im Ort bleiben würden. Ob es sich dafür lohne?

Ganserer betonte, dass der Euro nur einmal ausgegeben werden könne. Für die öffentlichen Verkehrsmittel und die neue Verkehrspolitik solle er ausgegeben werden. Nicht für die Westumgehung.

Hermann Greif, der Bezirkspräsident für den Bauernverband Oberfranken, der als Vertreter der Landwirte hier war, monierte den Landverbrauch für die Trasse. 16 Hektar und weitere elf Hektar Ausgleichsflächen. Sein Appell lautete auch, zu versuchen, die Verkehrsentlastung anders zu realisieren. "Es ist ein großer ökologischer Eingriff, der wirtschaftlich nicht zum Ziel führt", meinte Obmann Johannes Zöllner. Warum ungefähr zehn Millionen Euro in die Hand nehmen, um die Verkehrsbelastung von einem Ort auf einen anderen zu verlagern und den Schwerlastverkehr hier anzuziehen, sagte Zöllner. Die Gemeinde und der Freistaat hätten sich längst eine vernünftige Lösung überlegen sollen. Mit guten Argumenten wollen sie die breite Bevölkerung auf ihre Seite bringen und hoffen auf das Gericht. "Wir werden sämtliche rechtliche Mittel ausschöpfen", sagte Zöllner.

Um 15 Uhr hätten die Reden beginnen sollen. Aber sie wurden vorgezogen, waren um 15 Uhr schon fast zu Ende. Nicht wegen der Brisanz des Themas, sondern der Kälte wegen. Roger Hollfelder, der Jagdpächter, trat ans Mikrofon, zeigte am Beispiel Müllabfuhr auf, dass die Umgehungsstraße nicht wirklich entlasten wird. Dass für die Umgehungsstraße so viel Land verbraucht würde, sei eine Schande, schimpfte Hollfelder, der dann auf das Wild zu sprechen kam. Gerade in diesem Bereich würde ein reger Wildwechsel stattfinden. Wildunfälle gebe es auch ohne Umgehungstraße schon genug.

Folgenschwere Schäden würde die Durchschneidung des Gebietes haben, fand der Jagdpächter, der auch für den Kollegen aus Dormitz sprach. Der Einschnitt in die Artenvielfalt sei ein Beispiel davon. Dieses Jahrhundertbauwerk, wie er die Westumgehung nannte, das eher einer Bundesstraße gleiche, habe man nicht gewollt, sagte Hollfelder. Ein Eingriff in die Jagdgebiete sei das Vorhaben. Land, das für die Landwirte nötig gebraucht würde und den Neunkirchner Bürgern dann nicht mehr für die Freizeitaktivitäten zur Verfügung stünde. Doch auch die Gemeinde würde durch den Damm geteilt werden, ein Blickkontakt von Neunkirchen nach Ebersbach nicht mehr möglich. Auch der Reitstall Erleinhof sieht aufgrund der Lage direkt an der Umgehungsstraße eine Existenzgefährdung.

Christian von Reitzenstein zog in seiner Rede Parallelen zur Umgehungsstraße für das Schaeffler Werk. Nur betrifft es dort eine Südumgehung.