Von Julia Heimberger

Ganz anders sieht sie aus, die fränkische Tracht. Sie entspricht nicht dem klassischen Oktoberfestdirndl, welche teilweise zu sehr günstigen Preisen mitunter auch beim Discounter verkauft werden. Die fränkische Tracht ist keine Stangenware, kein Einheitsbrei, sondern individuell auf die Kundenwünsche und historische Vorlagen abgestimmt. Denn die Tracht diene der Identifikation mit der Heimat, erklärt Dagmar Rosenbauer in ihrem Trachtenladen in Kunreuth. Dieser ist vollgestopft mit Stoffen, Bändern, Borten, Knöpfen, fertigen Trachten, Accessoires wie Brautkronen und Hochzeitsschmuck. Hierher hatte der CSU-Ortsverband Kunreuth/Weingarts zum Gespräch eingeladen, um die Wichtigkeit der fränkischen Tracht zu betonen.

Vielfältige Anlässe, um Tracht zu tragen

Die Stoffe und Modelle sind so vielfältig wie die Anlässe, zu denen Trachten getragen werden. "Es gibt Unterschiede zwischen ledigen und verheirateten Frauen, Festtagstracht, für den Alltag, für das Kirchenjahr, zur Hochzeit, zum Tanzen und natürlich für die Trauer", erläutert Dagmar Rosenbauer. Allerdings wollen Männer keine Trachten mit zu viel Borte und Stickerei, schlicht sei besser. Auch die Damen möchten keine drei Unterröcke mehr tragen, sondern bevorzugen eher eine schlanke Silhouette. Früher sollten die Unterröcke die Fülligkeit der Damen betonen, "da war mehr dran, die Mädchen waren somit besser genährt, also reich und damit gut zu heiraten". Die Ortsbäuerin Birgit Hauenstein aus Weingarts sieht das heute noch so. Über ihrem Unterrock trägt sie zwei Schürzen und darunter einen Wulst aus Schafwolle. Dieser "Kidebari" ist ein Polster am Po, und "der muss bollern, richtig schön rund sein", sagt Birgit Hauenstein und strahlt dabei über das ganze Gesicht.

Ein eher modernes und weniger ausladendes Gewand trägt die Ortsbäuerin Kerstin Göthert aus Kunreuth. Ihre Tracht hat sie in aufwendiger Handarbeit selbst genäht und ist sehr stolz darauf. "Da ist man immer angezogen", erklärt sie lachend. Bei allen drei Trachtenträgerinnen spürt man den Stolz und ihre Wurzeln in der Region. Dagmar Rosenbauer bemerkt, "wer hier zu Hause ist und die Region seine Heimat nennt, darf natürlich Tracht tragen, auch wenn er zugezogen ist!" Bis in die 1980er Jahre wäre das nicht möglich gewesen, als Zugereister eine fränkische Tracht zu tragen. Aber diese Zeiten seien schon lange vorbei.

Franken sind zu schüchtern, die Tracht außerhalb der Heimat zu tragen

Allerdings seien die Franken immer noch viel zu schüchtern, wenn es ums Trachtentragen außerhalb der Heimat gehe. "Fränkisches Understatement" nennt Dagmar Rosenbauer das, und "die Franken müssen mehr aus sich rauskommen". Je weiter man von zu Hause weg sei, umso positiver werde die fränkische Tracht bewertet. Diese sei je nach Region früher oder später fast ausgestorben gewesen. Ab 1910-1920 haben die Evangelischen in Kunreuth ihre Trachten dauerhaft abgelegt, während die katholische Tracht sich weiter entwickelte. Auch das Abwandern der Bevölkerung in die Städte hätte zu einem Ende der Trachtentraditionen geführt. "Die Städter hatten Vorurteile, wie "die dummen Bauern", da haben diese dann natürlich ihre Kleidung abgelegt und sich angepasst." Das Aussehen der Männertrachten war daher an vielen Orten bereits verschollen. Anhand von historischen Aufzeichnungen und alten Polizeiberichten konnten sie jedoch mühsam rekonstruiert werden. Heute sei vor allem die Männerweste aus Tuch oder Samt auch zu Jeans oder Stoffhosen tragbar.

Historische Ereignisse haben Einfluss auf Trachten

Nach dem Krieg hätte es einen großen Mangel an Stoffen gegeben, auch da die jüdischen Stoffhändler ihre Geschäfte durch die Nationalsozialisten verloren hätten. "Nach dem Krieg wurden daher die modernen Stoffe im Sonderangebot aus dem Kaufhof genutzt", erklärt Dagmar Rosenbauer.

Auch andere historische Ereignisse hätten einen großen Einfluss auf die Trachten gehabt. Als 1861 der geliebte Ehemann Prinz Albert der englische Königin Victoria starb, trug diese nur noch Schwarz. "Das hat sich dann auf alle europäischen Trachten ausgewirkt", und das "kleine Schwarze" stehe je heute noch für Festlichkeit. Trachten entwickeln sich beständig weiter, daher sei es durchaus angemessen, die historischen Schnitte, Farben und Stoffe an die heutige Zeit anzupassen.

Persönliche Beratungsgespräche sind wichtiger Grundstein für alle Kunden

Dafür nimmt sich Dagmar Rosenbauer in ihren persönlichen Beratungsgesprächen viel Zeit für ihre Kunden. Wer sich nun von seinem Dirndl und Lederhose verabschieden möchte, kann entweder selbst nähen, nähen lassen oder sich aus gebrauchten Einzelteilen eine eigene Tracht zusammenstellen. Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit hofft Dagmar Rosenbauer nun auf eine finanzielle Unterstützung vom Bezirk Oberfranken. Bei dem Gespräch "Trachtenpflege ist Kulturpflege" sicherten ihr Edwin Rank (CSU-Ortsvorsitzender für Weingarts / Kunreuth), Michael Hofmann (CSU-Landtagsabgeordneter), Ulrich Schürr (CSU-Bezirkstagskandidat) und Landrat Hermann Ulm (CSU) ihre volle Unterstützung zu. Da bislang nur Landrat Ulm Tracht trägt, wollen sich nun auch die anderen Herren um eine angemessene Bekleidung bemühen.