Fränkische Schweiz: Streitburg-Festung besitzt ein spektakuläres Lochgefängnis
Autor: Helmut G. Bauerreis
Streitberg, Mittwoch, 11. Dezember 2019
Neueste Forschungen zeigen: Die Streitburg in der Fränkischen Schweiz war größer als gedacht. Das Gefängnis soll touristisch erschlossen werden.
Dass die Burgruine oberhalb von Streitberg im Wiesenttal einstmals eine stattliche Anlage war, das ist seit längerem bekannt. Dass und wie sie aber schon seit dem Hochmittelalter aus deutlich mehr und größeren Gebäuden bestand, somit sogar der heute noch zu besichtigenden Burg Eltz an der Mosel gleichkam und als einzige Burg der ganzen Fränkischen Schweiz ein spektakuläres Lochgefängnis aufzuweisen hat, haben erste neueste Forschungen ergeben, die jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt wurden.
Fränkische Schweiz: Streitburg war größer, als gedacht
Der Kulturreferent des Landkreises Forchheim und Vorsitzende des Fränkische-Schweiz-Vereins (FSV) in Streitberg, Toni Eckert, konnte erfreut und nicht ohne Stolz vor rund 100 Zuhörern im voll besetzten Streitberger Bürgerhaus den vorläufigen Abschluss der jahrelangen wissenschaftlichen Arbeiten bekanntgeben. Sie wurden zum größten Teil aus europäischen Fördertöpfen, aber auch aus zahlreichen Spenden finanziert.
Die Arbeiten sollen nun auch dazu dienen, das Lochgefängnis für den Tourismus zu erschließen: "Unser Ziel ist ein attraktiver Anziehungspunkt." Dank gebühre schon jetzt den Ehrenamtlichen des FSV, Bürgermeistern und Gemeinderäten und den beteiligten Wissenschaftlern. Die erläuterten dann dem aufmerksam lauschenden Publikum die neu aufgedeckten Aspekte der Burgruine.
Der Archäologe Jochen Scherbaum beschrieb anhand der Ausgrabungen seines Teams und eines Lichtbildvortrags das auch "Angstloch" benannte Lochgefängnis der Burg, das sich im gewachsenen Fels auf der Westseite befindet - überbaut mit normalen Kellergewölben und weiteren Geschossen, deren hohe Außenmauern eingestürzt sind.
Schutt aus 500 Jahren: "Das war keine übliche Gefängniszelle"
Nur 60 Zentimeter misst der runde Einstieg in der gemauerten Tonnendecke, durch den es nun wieder fast fünf Meter hinuntergeht. Diese große Tiefe und die relativ großen Flächenmaße des jeweils circa 2,5 Meter breiten und fünf Meter langen L-förmigen Baus über einer Felsspalte bargen große Mengen Schutt der letzten 500 Jahre.
Zwar fanden die Forscher darin als bedeutsame Objekte nur wenige Keramikscherben und nichts, was auf eine besondere Ausstattung des merkwürdigen Raums schließen lässt: "Das war keine übliche Gefängniszelle", sagte Scherbaum, "zeigt uns aber auch, dass es sicher keine Latrine war." Habe man dies also ausschließen können, so deuteten Reste von Stroh auf dem Boden darauf hin, dass hier Gefangene quasi "zwischengelagert" wurden.
Bamberger Halsgerichtsordnung
Denn wie etwa die Bamberger Halsgerichtsordnung von 1507 anschaulich zeigt, waren längere Haftstrafen seinerzeit sehr die Ausnahme. Vielmehr wurden "vielerlei" Todesstrafen, Verstümmelungen und Folter jeder Art vorgenommen. Das Lochgefängnis habe vermutlich dazu gedient, die Beschuldigten einerseits in der tiefen, feuchten und kalten Finsternis zu zermürben und andererseits "unbeschädigt" und vor Zugriffen geschützt zu verwahren - bis zur Vorführung beim Halsgericht, das dann die eigentliche Bestrafung aussprach.