Schon seit vier Wochen ist ganz Kohlstein im Faschingsfieber. Wobei die Betonung auf ganz liegt, denn die faschingsbegeisterten Kohlsteiner von Jung bis Alt bauen diesmal was ganz Großes für die Faschingsumzüge in Gößweinstein am Faschingssonntag und in Pottenstein am Faschingsdienstag. Es wird so etwas Ähnliches wie "Das Dorf der Unbezwingbaren", das insgesamt mit mehreren Faschingswagen und Fußgruppen etwa 50 Meter lang wird. Und dann gibt es noch einen Überraschungswagen, der von einem Ochsen gezogen wird, denn die schwarz-gelben Jecken aus Kohlstein feiern in diesem Jahr ihr 40. Faschingswagenbau-Jubiläum. Kürzlich erhielten sie beim Ehrungsabend des Marktes Gößweinstein eine Ehrenurkunde für ihre langjährige Teilnahme am Gößweinsteiner Faschingsumzug, auf der zu lesen ist, dass die Wagen der Kohlsteiner jedes Jahr bis zum Schluss ein gut gehütetes Geheimnis und sie selbst eine großartige Bereicherung des Gößweinsteiner Faschingsumzugs sind. Ein Faschingsumzug ohne die Kohlsteiner ist eigentlich undenkbar und viele der Schaulustigen kommen hauptsächlich wegen den Kohlsteinern. Letztes Jahr wurden in Gößweinstein beim Faschingsumzug rund 13.000 Besucher gezählt, was Besucherrekord war. Der Faschingsumzug in Gößweinstein ist vor allem auch dank der Kohlsteiner Narren zu einer Großveranstaltung und zum größten seiner Art in der Fränkischen Schweiz geworden.

Im Faschingsfieber

Vom Faschingsfieber der Kohlsteiner ließen sich immer mehr Vereine und Ortsgemeinschaften anstecken, die inzwischen auch herrliche und fantasievolle Faschingswagen bauen oder große Fußgruppen stellen. So waren es letztes Jahr mehr als 40 Gruppen aus 32 Vereinen mit über 1000 Narren aus der Region mit Motivwagen und in kreativen Kostümen. Was Köln im Rheinland ist, ist Gößweinstein in der Fränkischen Schweiz. Angefangen hat alles ganz klein, als die Kohlsteiner erstmals am Faschingsumzug in Gößweinstein mit damals sechs Wägelchen teilnahmen. Die Zeitung berichtete damals von einem Gaudiwürmchen, das sich durch den Wallfahrtsort schlängelte. Die Kohlsteiner hatten das im Bau befindliche Hallenbad schon fertiggebaut, mit dem sie durch Gößweinstein fuhren. "Wir haben damals schon vorausgesehen, dass es viel zu teuer kommt und auf Dauer nicht betrieben werden kann", sagt Lothar Held, der damals Ortsführer war und noch heute der Motor des Kohlsteiner Faschingswagenbaues ist. Eigentlich wollte Held letztes Jahr aufhören, da er schon 70 ist. Nach wie vor läuft aber alles über ihn - von der kleinsten Schraube bis zum größten Traktor, damals ein kleiner Fendt mit 24 PS, heute ein großer Deutz mit 160 PS. Viele spenden inzwischen auch Material, vom Jagdpächter bis zu Firmen.

Technik in den Wagen

In den Wagen der Kohlsteiner steckt viel Technik. Da bestellt Held schon mal eine Rauchmaschine in Berlin, die er bei Recherchen im Internet gefunden hat. Die brauchte man erstmals 1985 für den spektakulären Lindwurm, unter dem zwölf Leute steckten und der 16 Meter lang war. Für diesen Lindwurm wurde ein schwarz-gelbes Tuch spendiert, und seitdem heißen die Narren auch "Schwarz-Gelb Kohlstein", wie der vor zehn Jahren gegründete Ortsverein.

1975 fing es an

Begonnen mit dem Wagenbau hat in Kohlstein eigentlich alles schon viel früher: 1975 bei dem großen Umzug zur 900-Jahr-Feier in Gößweinstein, zu dem die Kohlsteiner zwei Wagen bauten. Auf einem stand ein Backofen, in dem während des Umzugs Brot gebacken wurde, der andere stellte die "Rock'nstube" dar. Dann beteiligten sich die Kohlsteiner auch an Heimattagen der Fränkischen Schweiz mit Motivwagen. Die Planung für den ersten Faschingswagen begann 1979. Männer der ersten Stunde waren Lothar Held, Anton Endres und Rüdiger Klose, die noch heute dabei sind, und Edmund Rost, der schon verstorben ist. Im ersten Jahr gab es auch noch zwei Faschingsgruppen in Kohlstein, denn aus dem Gasthaus Hannberger fuhr neben dem Hallenbad auch die "Rock'nstube " mit dem Spruch "Jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise." Der Wirt Jakob Hannberger, der auch heute noch dabei ist, spielte damals den Bürgermeister. Auch Tüchersfelder machten da noch mit.

Immer origineller

Von Jahr zu Jahr wurden die Wagen der Kohlsteiner origineller, technisch ausgereifter und vor allem immer größer. Die größte Gruppe mit 75 Narren stellten die Kohlsteiner 1989 mit ihrem "Märchenland". Im Jahr zuvor rollte der "Atommülltransport" durch Gößweinstein. Mit Kerstin Held und Florian Endres sowie mit Birgit Wolf und Klaus Marsching hatten die Kohlsteiner in diesen Jahren sogar ein Kinderprinzenpaar und einen ganzen Elferrat. Das bisher allerlängste Gefährt mit 22 Metern war der "Dinosaurier" 2015. Der war vier Meter länger als die "Concorde" 2009. Ein riesiges Piratenschiff fuhr 2001 durch die Straßen in Gößweinstein und Pottenstein. Es wäre auf der B 470 auf dem Weg zum Faschingsumzug nach Pottenstein beinahe mit einem Lastwagen kollidiert, weil der Lkw-Fahrer mächtig erschrak, als ihm in der Mooshäuschenkurve ein Schiff entgegenkam. Riesig war auch die "Breitbandschnecke" 2018, mit der die Kohlsteiner die lahme Internetverbindung auf die Schippe nahmen. Im Jahr zuvor flog eine riesige Hexe auf ihrem Besen durch die Faschingshochburg. 2006 erschreckte ein riesiger feuerspeiender Drache die Menschen am Straßenrand, der ebenso ein Wunderwerk der Technik war wie der "Techno-Wolperdinger" 1994 oder das "Raumschiff" im Jahr zuvor, mit dem die Bürgermeister aus Gößweinstein und Pottenstein ins All geschossen wurden. Das "Dorf der Schlümpfe", "Star Wars" oder die "Euro-Dollar-Schmiede" waren genauso originelle Ideen wie letztes Jahr die "Kohlstaa-Alm" samt Schneeberg mit Skischaukel. Um Einfälle und Ideen sind die Kohlsteiner nie verlegen. Heuer gab es im Dorfverein gleich sieben verschiedene Vorschläge. "Da musste dann mehrmals abgestimmt werden, was wir heuer machen", sagt Lothar Held. Man kann schon sehr gespannt sein, was sich die Kohlsteiner am Sonntag zu ihrem 40. Jubiläum haben einfallen lassen.