Klimafreundlich, mobil und gesund: Das sind nur einige von vielen positiven Eigenschaften, mit denen E-Bike und Pedelec punkten. So wächst die Beliebtheit des elektrischen Drahtesels seit Jahren stetig, die Branche boomt und die Begeisterung für das moderne Gefährt schlägt sich in steigenden Verkaufszahlen nieder.

Die Freude am Fahren ist den Nutzern auch deutlich ins Gesicht geschrieben - nicht nur, wenn sie glücklich lächelnd und mit leichtem Pedal augenscheinlich mühelos einen Berg hochradeln. Doch das elektrisch betriebene Vehikel birgt auch nicht zu verachtende Risiken und leicht zu unterschätzende Gefahren, die man kennen sollte, um sicher von A nach B zu gelangen.

Pedelec, E-Bike und S-Pedelec

Zunächst gibt es einige Begrifflichkeiten, mit denen der Zweiradfreund sich vor dem Kauf auseinandersetzen und vertraut machen sollte. Das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration sorgt mit einer Broschüre, die zum kostenlosen Download auf dessen Internetseite bereitsteht, für Trennschärfe: "Fast alle weitläufig als "E-Bikes" bezeichneten Elektrofahrräder sind Pedelecs. Im Gegensatz zum E-Bike bietet das Pedelec nur Motorunterstützung, wenn der Fahrer in die Pedale tritt," heißt es da.

Der Antrieb funktioniert mit Muskelkraft und Motorunterstützung bis maximal 25 Kilometern pro Stunde. Das Pedelec ist einem Fahrrad gleichgestellt, insofern sind Radwege zu nutzen, es existiert keine Altersbeschränkung, ein Führerschein ist nicht erforderlich, ebenso besteht keine Helmpflicht.

"E-Bikes fahren auf Knopfdruck auch ohne Pedalunterstützung", heißt es in der Definition weiter. Sie gelten als Kraftfahrzeug, landläufig als Mofa bekannt, daher sind auch die entsprechende Prüfbescheinigung sowie ein Versicherungskennzeichen vonnöten, innerorts muss die Fahrbahn gewählt werden beziehungsweise ein Radweg mit der Kennzeichnung "E-Bike frei", außerorts hingegen der Radweg, das Mindestalter beträgt 15 Jahre, Helm ist Pflicht.

Nummer drei: "S-Pedelecs bieten wie Pedelecs eine Tretunterstützung, die jedoch erst bei einer höheren Geschwindigkeit abgeschaltet wird." Verbaut ist ein tretunabhängiger Motor bis 45 Kilometer pro Stunde, zu nutzen ist die Fahrbahn, das Mindestalter liegt bei 16 Jahren, eine Fahrerlaubnis der Klasse AM, Helm sowie Versicherungskennzeichen sind per Gesetz Vorschrift.

Die Sicherheit rund um das Verkehrsmittel mit eingebautem Rückenwind beginnt bereits mit der Neuanschaffung. Warum das so ist, erklärt Sepp Martin, Tourenleiter des ADFC Forchheim: "Wichtig ist, ein vernünftiges E-Bike zu kaufen. Es locken zwar viele Billigangebote, doch kaufentscheidend sollte sein, dass Wartung und Kundendienst beim Händler möglich sind."

Im Gegensatz zum herkömmlichen Modell, das ausschließlich mit reiner Muskelkraft ins Rollen kommt, bestimmt bei der elektrisch betriebenen Variante der regelmäßige Werkstattbesuch am Ende der Saison über dessen Langlebigkeit. Der 71-jährige Sepp Martin ist seit fünf Jahren selbst überzeugter E-Bike-Nutzer und befindet sich in einem gutem Trainingszustand.

Im Schnitt fährt er 2500 Kilometer pro Jahr. Vor den damit verbundenen Risiken hat er Respekt: "Manchmal erreiche ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 23 Stundenkilometer. Obwohl ich sportlich fit bin und über viel Übung verfüge, kam es schon vor, dass ich eine Kurve zu schnell nahm und stürzte."

Deshalb rät er mit Nachdruck: "Langsam und vorsichtig herantasten!" Das gelte besonders für ältere Menschen, die sich aus guten Gründen für den neuen Freizeitspaß mit Akku und Watt entscheiden: Es komme der Tag im Leben, an dem die Kraft des eigenen Körpers nachlasse, da sei die elektrische Unterstützung eine große und willkommene Hilfe.

"E-Bikes sind super! Sie verlängern die Jahre, in denen man Fahrrad fahren kann", so Martin. Doch man müsse das Gerät beherrschen und die eigenen Fähigkeiten richtig einschätzen. Er zählt weitere Vorteile auf: Mit Packtaschen können unkompliziert und komfortabel Einkäufe erledigt werden. "Man verzichtet somit auf das Auto, tut was Gutes für die Umwelt und bewältigt zusätzlich noch sein Sportpensum. Man schlägt also zwei Fliegen mit einer Klappe!"

Er weiß außerdem, dass viele Forchheimer per Elektrorad zur Arbeit pendeln, damit sogar gut und gerne die Strecke von der Königsstadt bis Erlangen bewältigen: "Man kommt nicht verschwitzt im Büro an, was mit dem klassischen Rad der Fall wäre. Und dank des Geschwindigkeitsfaktors spart man auch noch Zeit."

Mehr Fahrräder - steigende Fallzahlen

Mit dem Thema "Sicherheit und E-Bike" beschäftigen sich auch die Polizeiinspektionen Forchheim und Ebermannstadt täglich. Polizeihauptkommissar Matthias Düthorn ist zuständiger Sachbearbeiter Verkehr für Stadt und Landkreis Forchheim. Er berichtet: "2019 verzeichneten wir 139 Fahrraddiebstähle, darunter 9 Pedelecs." In den ersten Monaten 2020 stieg die Quote bereits um vier Prozent an.

Auch die Zahl der Unfälle mit beteiligten Pedelecs wächst laut seinen Angaben. So verzehnfachte sie sich in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 2006 und 2018 sogar. "Das liegt logischerweise aber auch daran, dass die Verkaufszahlen steigen." In Forchheim ereigneten sich in den letzten dreieinhalb Jahren 29 Unfälle.

Johannes Götz, Polizeihauptmeister und Mitarbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Ebermannstadt, meldet für den gleichen Zeitraum zwei E-Bike- und 20 Pedelec-Unfälle. Alle Gestürzten trugen leider auch Verletzungen davon, ein Pedelec-Fahrer kam sogar ums Leben. Gestohlen wurden in Ebermannstadt im vergangenen Jahr zwei Elektroräder.

Den beobachteten Trend, dass besonders ältere Menschen auf ein Zweirad mit Hilfsmotor steigen, kann Düthorn bestätigen. Ein Gefahrenpotenzial macht er vor allem in der Handhabung aus: "Während man beim normalen Fahrrad Kraft aufwenden muss für die Geschwindigkeit, neigt man beim Pedelec dazu, schneller zu fahren als sinnvoll ist." Darüber hinaus befürwortet er stark das Tragen eines Helms: "Das ist bei jedem Rad anzuraten, doch beim Pedelec besonders."

ADFC gibt Tipps für den Kauf

Testfahrt ist ratsam. Viele Händler lassen einen halben oder sogar einen ganzen Tag testen (ggf. Leih-Gebühr beim Kauf anrechnen lassen).

AnforderungenEine ausführliche Beratung zu Rahmen, Bremsen, Federungen und CO. liefert der ADFC unter www.adfc-forchheim.de.

Bedienung Alle Elemente sollen auch während der Fahrt leicht zu bedienen sein: E-Unterstützung, Gang-Schalthebel, Bremsen, Klingel

Akkus werden mit 250 Wh, 400 Wh oder 500 Wh angeboten und erlauben eine Reichweite von 90 bis 120 Kilometer. Für eine häufige Nutzung besser einen stärkeren Akku wählen. Der Akku sollte leicht abnehmbar sein. Lithium-Ionen-Akkus haben sich bewährt (Lebensdauer, Ladevorgänge, geringe Selbstentladung). Akku in den Wintermonaten mit ins Haus nehmen (frostfrei lagern).

Aufbewahrung: In ein sicheres Schloss investieren, Abstellplatz sollte wegen des Gewichts möglichst ebenerdig erreichbar sein.

Händler Auf eine qualifizierte Kaufberatung achten sowie auf Garantie, Einfahr-Kundendienst, Wartungs- und Reparaturservice (komplexer als bei einem konventionellen Fahrrad).

Preis Pedelecs sind schwerer und schneller als normale Räder und brauchen deshalb stabilere Rahmen und bessere Bremsen. Ein gutes Normal-Rad kostet ab 800 Euro, der Akku ca. 400 - 500 Euro, dazu Motor und Steuerelektronik geschätzt 400 Euro. Gute Pedelecs kosten im Fachhandel über 2000 Euro.red