Vor etwa einem Jahr waren Dilek Karabag und Gülderen Erdogan sowie zwei deutsche Muttersprachlerinnen im Montagscafé zugange und versuchten sich dabei mit Flüchtlingsfrauen durch Handarbeiten zu verständigen. Bei den türkischen Muttersprachlern klappte das besser, weil ein Teil der Flüchtlingsfrauen zumindest etwas Türkisch konnte.

"Sie kennen sich hier nicht aus und sind etwas schüchtern", meint Erdogan und erinnert sich daran, wie es ihr selbst ergangen war, als sie selbst in Deutschland angekommen ist. "Wir haben immer darauf geachtet, nichts falsch zu machen", ergänzt Karabag. So fühlten sich die beiden vor zehn Jahren, als sie einen Deutschkurs bei Regina Steigerwald-Kuth besuchten. "Die beiden und einige andere aus diesem Kurs hatten den Wunsch nach mehr Gelegenheiten, die neu erlernte Sprache anzuwenden", erinnert sich Steigerwald-Kuth. Die Idee eines Sprachcafés war geboren.

Das erste Treffen fand im Rathausgewölbe statt. Teilnehmer aus der Türkei, aus dem Iran, aus Afghanistan und der Ukraine und einige Deutsche waren dabei. "Es waren zehn bis zwölf Frauen und ein Mann. Er der damalige Imam der Yunus-Emre-Moschee", sagt die Sprachlehrerin. Festgehalten wurde dieses Ereignis auf Fotos, die Steigerwald-Kuth jetzt zum zehnjährigen Bestehen nochmals präsentierte.


Speisen aus der Heimat

Zehn Jahre ist die Gründung jetzt her, und der harte Kern trifft sich noch immer. Viele Teilnehmer kamen eine Zeitlang, einige verzogen, andere haben sich inzwischen in ihrer deutschen Umgebung völlig eingelebt. Doch zum kleinen Jubiläum kamen viele von ihnen wieder. Und sie brachten Speisen aus ihren Herkunftsländern mit.
Das ist für Steigerwald-Kuth ein wesentliche Tradition: als Zeichen der Gastfreundschaft und als Weg der zu Völkerverständigung. Schon bald nach der Gründung hatte das Internationale Sprachcafé sein heutiges Domizil im Jugendzentrum in der Kasernstraße bezogen.

Orientiert an den Interesse der durchschnittlich gut zehn Teilnehmer diskutierte man eine breite Palette von Themen: Was genau ist Weihnachten? Was ist der Ramadan? Wie beerdigt man Menschen in Vietnam oder in der Mongolei? Welche Handarbeiten und welche Küche entspricht wo den kulturellen Gepflogenheiten?
Ein roßer Einschnitt in die Geschichte des Sprachcafés war die Flüchtlingswelle im vergangenen Jahr. So entstand das Angebot, mit Flüchtlingsfrauen und Kinder zu stricken und zu häkeln. Dabei kam schnell ans Licht, dass Frauen mit ganz kleinen Kindern kaum eine Chance haben, an einem Sprachkurs teilzunehmen. Und daraus entwickelte ein regelmäßiges Angebot in den Räumen des Kinderschutzbunds für diese Frauengruppe. Vier Frauen des Sprachcafés tragen dafür die Verantwortung: Steigerwald-Kuth, Traudi Marquardt, Karabag und Erdogan.