Weber und Ott, der Name steht für die alte Wirtschaft, für die Forchheimer Spinnerei, für Stoffe und für Tradition. Weber und Ott, das steht aber auch für neue Designs und einen aktiven Umgang mit der Corona-Krise.

"Es ist erstaunlich, was möglich ist, wenn die Not groß ist", sagt Oliver Dück, Vorstand der Weber und Ott AG und blickt auf ein turbulentes halbes Jahr zurück. Die Auswirkungen des Covid19-Virus habe man in der Textilbranche bereits gemerkt, als die ersten Stoffhersteller aus China ab Januar nicht mehr zu den Messen kamen. "Auch jetzt finden keine Stoffmessen statt, wie wir sie kennen", sagt Brigitte Sommer, PR-Referentin der Toni Dress Damenmoden GmbH. Daher habe man zum Beispiel auch in diesem Bereich enorme Veränderungen durch Corona gespürt.

"Wir müssen in unsere Stoffe greifen können, das Material erfühlen können. Daher war es für uns schon schwierig, uns ohne den Besuch von Stoffmessen einen Überblick zu verschaffen. Dennoch haben wir eine Lösung gefunden und großartige Stoffe entdeckt", so Lirijet Farizi, Produktmanagerin bei Weber und Ott.

Sina Steidinger, Designerin bei Rosner, einer der Marken, die zur Weber und Ott AG gehört, ergänzt: "Für mich als Designerin ist es enorm wichtig, wie sich ein Stoff anfühlt. Durch das haptische Erspüren wird man inspiriert und merkt dabei auch schnell, was mit einem Material alles möglich ist." Anstatt seit Beginn des Jahres auf Messen verschiedene Anbieter im direkten Vergleich zu sehen, hatten die Designer Stoffvorlagen zu sehen bekommen und in Forchheim die Entscheidungen getroffen.

In Forchheim, wo Weber und Ott im Headquarter zwar nicht nicht in großen Mengen produziert, aber designet, entwickelt, testet, kommissioniert und wo auch die komplette Verwaltung sitzt, traf die Corona-Krise dann tatsächlich erst im März ein.

"Da waren wir mitten in der Auslieferung der Sommerware", erklärt Vorstand Dück. Dementsprechend sei viel Ware liegen geblieben. "Täglich mussten wir abstimmen, wohin noch etwas geliefert werden darf", blickt er zurück, "bis es dann zum kompletten Stillstand kam." In geschlossenen Läden konnte dann auch nichts verkauft werden. "Für uns war es ein Glück im Unglück", sagt Dück, denn durch den Zeitpunkt sei es für Weber und Ott einfacher gewesen, damit umzugehen, die Produktion für den Sommer war bereits abgeschlossen, die Planungen für den Herbst/Winter konnten auch unter Coronabedingungen angestellt werden.

Trotzdem habe das Unternehmen Kurzarbeit anmelden müssen. "Aber nie für den gesamten Betrieb gleichzeitig", erklärt Dück, "wir haben das immer nach Bedarf gemacht." Im August zum Beispiel habe es keine Kurzarbeit gegeben, da die Urlaubszeit dies nicht notwendig gemacht habe. "Wir wollten mit Augenmaß vorgehen und haben deshalb auch das Kurzarbeitergeld aufgestockt." Grundsätzlich habe man immer versucht einen Plan B zu haben. Zum Beispiel für den Vertrieb. "Wir wusste ja nicht, wann die Außendienstmitarbeiter wieder zu den Kunden fahren dürfen", erklärt Sommer. So habe man das Online-Order-System verbessert.

Nicht alles im Homeoffice machbar

"Die Mitarbeiter in der IT waren in den letzten Monaten sehr gefordert", weiß Oliver Dück. Immerhin sei man nicht wie bei Großkonzernen schon total digitalisiert gewesen. "Grundsätzlich ist unsere Arbeit auch nicht komplett digital oder im Homeoffice zu erledigen", sagt er. "Aber die Situation hat eindeutig das ,mind set' geöffnet und viele Dinge beschleunigt." In kürzester Zeit habe man versucht, möglichst viele Laptops zu organisieren und die Möglichkeiten des Homeoffices ausweiten.

Bei Weber und Ott ist das allerdings nur in einigen Abteilungen möglich. "Wir brauchen auch Messen und Kongresse, um zu sehen, was die Konkurrenz macht und um uns auszutauschen", erklärt Dück. "Im letzten Jahr war viel Improvisation dabei und die wirtschaftliche Entwicklung ist aktuell noch nicht absehbar", sagt er, "aber wir sind besser als erwartet aus dem Lockdown gekommen und schauen zuversichtlich in die Zukunft."