Forchheim: ein weiteres Traditionsgeschäft schließt
Autor: Redaktion
Forchheim, Freitag, 29. Januar 2016
Wieder schließt ein Traditionsgeschäft in der Innenstadt: der Forchheimer Nähladen in dem wunderschönen Fachwerkhäuschen an der Wiesent, am Paradeplatz 15.
21 Jahre lang hat hier Frau Maria Rau ein Kurzwarengeschäft der besonderen Art geführt. Ende April 2016 ist Schluss; schon jetzt läuft der Abverkauf mit sehr günstigen Preisen. Erst zum Jahresende machte direkt gegenüber die Anna-Apotheke dicht und schräg gegenüber steht das Eckhaus seit zwei Jahren leer - die Geschäfte im Erdgeschoss wie auch die Wohnungen darüber. Schönes Ambiente und eine lebendige Innenstadt sehen anders aus.
Nach den Gründen für das aufhören gefragt, kam eine recht klare Antwort von Maria Rau: "Aus Altersgründen." Über die Wirtschaftlichkeit wollte Maria Rau nicht sprechen, vermutlich auch aus Rücksicht auf einen möglichen Nachfolger. "An diesem Platz wird es dieses Angebot allerdings nicht mehr geben", das konnte Maria Rau sicher sagen und fügte an: "Dann müssen die Leute nach Erlangen oder Bamberg fahren."
Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass es kein vergleichbares Geschäft in Forchheim gibt. Und es werden viele darüber traurig sein, denn die vielen "Selbermacher" fanden hier alles, was man zum Stricken, Sticken, Nähen, Schneidern, Basteln, Reparieren und noch zig anderen Arbeiten benötigt.
Tausende Knöpfe in allen Farben und Variationen sowie Garne und Wolle in allen Qualitäten füllen die Schubläden und die Regale, unzählige Reißverschlüsse reihen sich aneinander, Patchwork-Stoffe in vielen verschiedenen Mustern und das gesamte Zubehör begeistern die Herzen der Patchwork-Fans. Um alles an kleinen und größeren Kurzwaren aufzählen zu wollen, würde diese Seite unserer Zeitung nicht ausreichen.
Stricken ist "in"
Oft konnte man junge Frauen in dieses Geschäft gehen sehen. Ganz sicher hat dieser einzigartige Laden auch davon profitiert, dass sich die Strickenden heute im Café oder im Park treffen - oder sie verabreden sich im Freundeskreis. Stricken ist Lifestyle-Beschäftigung geworden."Es ist ein neues Klientel, das strickt: junge Leute, das Bildungsbürgertum", sagt Angela Probst-Bajak von der Initiative Handarbeit in Salach in Baden-Württemberg.
Lange Zeit war die Bommelmütze nur ein zweckmäßiges und warmes Kleidungsstück für Kinder. Nun aber hat die Modewelt den Klassiker entdeckt, der in diesem Winter das Accessoire für kalte Tage ist. Mit dickem Garn ist sie fix an einem Abend gestrickt.
Ein nettes Erlebnis am Rande unseres Gespräches mit der Inhaberin machte deutlich, welchen außergewöhnlichen Service dieses Geschäft bietet: Ein Mann jammerte über den kaputten Reißverschluss seiner Jacke. "Obwohl diese Jacke nur 30 Euro gekostet hat, will ich sie nicht wegschmeißen, nur weil es der Reißverschluss nicht mehr tut", so der Kunde. Die Mitarbeiterin, Erzsèbet Molnàr, und holte das entsprechende "Ersatzteil". Die Chefin machte den Reißverschluss mit Spezialwachs wieder gängig. Der Kunde war hochzufrieden, weil er seine Lieblingsjacke vor dem Altkleider-Container retten konnte.