Zwei streiten sich und ein dritter wird vor Gericht zitiert. In dieser kuriosen Situation befindet sich die Gemeinde Effeltrich. Ende November ist sie vor dem Verwaltungsgericht in Bayreuth in der Position der Beklagten. Weil sich die Effeltricher Manfred Kotz und Hans Weisel nicht über den Lauf des Wassers entlang eines Waldweges im Ortsteil Gaiganz einigen können, sieht Kotz seine einzige Chance jetzt darin, gegen die Gemeinde zu klagen.
Das hat mit dem komplizierten Wegerecht zu tun. Und mit der Frage, wo das Hangwasser hinfließen soll. Manfred Kotz ist der Meinung, dass das Wasser "schon immer" in einem verrohrten Graben neben dem Weg abgeflossen ist; bis Hans Weisel die Rohre rausgerissen und den Lauf des Wassers quer über den Weg in einen anderen Graben umgelenkt habe.

Dieser Graben befördert nun Wasser und Geröll in ein Waldgrundstück, das Manfred Kotz gehört.
Der 51-Jährige beklagt Einschränkungen bei der Bewirtschaftung seines 1,5 Hektar großen Waldgrundstückes: "Ich versinke im Matsch."

Der umstrittene Weg führt durch einen Wald oberhalb von Gaiganz. Die "Bergfuhre", wie sie von den Einheimischen genannt wird, hat zeitweise ein 20-prozentiges Gefälle und läuft im Ortsteil Gaiganz aus. "Ideal wäre, wenn das Wasser im Graben bis ins Dorf läuft", meint Manfred Kotz. Von dem Verwaltungsrichter erhofft er sich, dass der ursprüngliche Zustand hergestellt und der Graben wieder verrohrt wird.

"Lauter Unwahrheiten", winkt Hans Weisel ab. Es habe in dem Graben nie ein Rohr gegeben. "Das Wasser ist zeitlebens so gelaufen." Während Kotz sagt, Weisel habe die Rohre entfernt, sagt der Landwirt im Ruhestand: "Ich habe keine reingemacht, ich habe keine rausgerissen." Das Wasser müsse so fließen, "sonst reißt das Wasser Gräben und die Straße zam".

Andreas Reißner, Chef im Bauamt Effeltrich, ist in einer verzwickten Lage: "Die Gemeinde ist in diesem Fall als Straßenbaubehörde, aber nicht als Eigentümer zuständig." Mit anderen Worten: Die Baulast haben diejenigen Eigentümer zu tragen, deren Grundstücke über den Weg bewirtschaftet werden. Und zu diesen Eigentümern gehören auch Manfred Kotz und Hans Weisel. Die Gemeinde ist demnach also weder berechtigt noch verpflichtet, neben dem Weg Rohre einzubauen.

Sie könnte es nur mit Zustimmung von Hans Weisel. Daher hat Bauamtschef Reißner versucht, im Streit zu vermitteln. Eine unlösbare Aufgabe. Denn Kotz habe auf ein schriftliches Versprechen der Gemeinde aus früheren Jahren gepocht, Rohre einzubauen. Und Weisel habe hartnäckig betont: Wenn Rohre reinkommen, werde er sie rausreißen.

Wer ist für Wild-Wasser zuständig

Manfred Kotz hat sich das Liegenschaftskataster besorgt. Darin ist Effeltrich als Eigentümerin verzeichnet. "Daher muss die Gemeinde dafür sorgen, dass kein Wasser auf dem Weg ist und sie muss den Weg so instandsetzen, dass ich runterfahren kann", folgert Kotz aus dem Kataster-Eintrag.

Doch das Verwaltungsgericht könnte das ganz anders sehen. Zum einen ist, wie gesagt, die Gemeinde zwar Eigentümerin, aber nicht zwangsläufig für die Baulast zuständig; außerdem verweist Andreas Reißner (er wird die Gemeinde Effeltrich in Bayreuth vertreten) auf einen Passus aus dem Wasserhaushaltsgesetz: Eigentümer sein heißt nicht, für wild abfließendes Wasser zuständig sein.

Den Streit zwischen Kotz und Weisel gab es lange, bevor Reißner in die Effeltricher Verwaltung kam. Schon Ex-Bürgermeister Richard Schmidt (FW) hatte ihn nicht schlichten können. Wenn man ihn heute fragt, unterstützt er die Position von Hans Weisel: "Die aktuelle Lösung ist besser als ein überschwemmtes Gaiganz." Dass Manfred Kotz mit der Situation unzufrieden ist, überrascht Richard Schmidt: "Ich wäre froh, wenn ich Wasser in meinem Wald hätte."