Ebermannstadt: Faire Hemden aus afrikanischen Stoffen mit dem Projekt "Sunugal"
Autor: Mirjam Stumpf
Ebermannstadt, Dienstag, 03. Dezember 2019
Beim Projekt "Sunugal" entstehen klassische Hemden aus traditionell afrikanischen Stoffen in Zusammenarbeit mit einem Schneider im Senegal.
Die Farbenpracht des Baumwollgewebes strahlt geradezu, wenn Benedikt Rittger über die Kleidungsstücke streicht, die vor ihm auf dem Tisch liegen. Die senegalesischen Stoffe sind Teil des Projektes "Sunugal", das der 20-Jährige aus Kalchreuth im vergangenen halben Jahr entwickelt hat.
Eine Reise in das westafrikanische Land Anfang des Jahres hat Rittger dazu bewegt, seine Idee gemeinsam mit seinem gleichaltrigen Kollegen Dominik von Tucher kurzerhand in die Tat umzusetzen. Hinter dem Namen "Sunugal" steht Kleidung, unter fairen Bedingungen produziert. Die Designs der Stücke - bisher sind es nur Hemden, Hosen und Taschen sollen aber folgen - entstehen dabei in enger Zusammenarbeit mit dem Schneider Mathiasse Ndione in Thiès, der zweitgrößten Stadt des Senegals. Die handgenähten Einzelstücke verbinden die bunten afrikanischen Stoffe mit einem klassischen westlichen Schnitt und sind in Deutschland zu kaufen. Nun sind die ersten Hemden fertig und Benedikt Rittger hat das Projekt am Sonntag beim Adventscafé im Jugendhaus Burg Feuerstein vorgestellt.
Im März ist der Student mit einer Jugendgruppe aus der Erzdiözese Bamberg zu einem zweiwöchigen Austausch, den das Jugendhaus mitorganisiert, in die Partnerdiözese Thiès gereist. Land und Lebensweise haben den 20-Jährigen tief bewegt. Bei seinen Aufenthalten habe Benedikt zum einen die "atemberaubende Gastfreundschaft" beeindruckt.
Auf der anderen Seite erschütterten ihn die Bilder der vielen Müllberge. Wer schon einmal im Senegal gewesen ist, kennt das Problem: Müll liegt offen auf den Flächen an der Straße. Besonders Blechdosen und Plastiktüten werden in das Land exportiert, ein mit unseren Standards vergleichbares Entsorgungssystem gebe es nicht.
"Das weiße Hemd ist tot"
"Die Idee ist mir in der Badewanne gekommen", erzählt Rittger. Kürzlich hat er begonnen, in Rotterdam Advertising zu studieren. Schwerpunkt des Studiums sei es, Lösungen für soziale Probleme zu finden. Er habe überlegt, wie er seine Eindrücke und Gedanken aus dem Senegal mit Themen des Studiums verbinden könne. Die Idee beruhe auf dem Gedanken, traditionelle Stoffe und einen absatzstarken Markt zu tauschen, ohne dass eine der Seiten ausgebeutet wird. "Warum nicht das Ganze auf Augenhöhe?", findet er.
Der Begriff "Sunugal" bedeute so viel wie "Unser Boot". Die Auffassung, zusammenzuhalten statt an eigenem Hab und Gut festzuhalten, steht symbolisch für das Projekt. "Das ist der Gedanke, der die Leute zusammenhält", sagt Rittger. Um das zu verdeutlichen, umfasst "Sunugal" nicht nur die Kleidung selbst, vielmehr ist es auch eine Ausstellung mit erklärenden Texten, Bildern und eigenen Gedanken.
Im Alltag spricht sich Rittger für Mut zur Farbe aus. "Das weiße Hemd ist tot", so sein Slogan. Die Hemden des Startups seien schlicht und elegant, gleichzeitig aber individuell. "Ein Hemd, das inspiriert: Für alle diejenigen, die den Mut aufbringen aus unseren festgefahrenen Denkmustern auszubrechen und der Ausbeutung den Rücken zu kehren", schreibt Benedikt Rittger in einem der Ausstellungstexte.