"Ich geb' Gas, ich geb' Gas...", hieß zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle der Hit des Sängers Markus. Spaß an der Geschwindigkeit hatte auch Sebastian Dormann aus Eggolsheim, als er früher noch Kart-Rennen fuhr und beim Automobilslalom 2003 Bayerischer Meister wurde. Aus seiner Leidenschaft für Autos ist inzwischen die Liebe erwachsen zu klassischen Fahrzeugen. Daraus entstand die Idee, Oldtimer professionell zu restaurieren.


Man muss ein "Schrauber" sein

Durch die Motorsport-Technik, wo es viel auf "Do-it-Yourself"-Erfahrung ankommt, hat er seine "Schrauber"-Kentnisse erworben, die bei Oldtimern unerlässlich sind.
"Meine Firma gibt es seit 2005", erzählt der 32-Jährige, der zusammen mit einem Kompagnon einen Zwei-Sparten-Betrieb führt: Unter dem Label "SD-Racing" kümmert er sich um Wartung und Reparatur, Lackierung und Karosseriearbeiten, während Emanuel Rameder unter der Bezeichnung "ER-Classic" den Verkauf und Verleih betreibt - "und er ist auch für die Oldtimer-Suche zuständig", betont Sebastian Dormann. Eine spannende Aufgabe, denn die rollenden Raritäten werden auf der ganzen Welt aufgetrieben. So wie der VW-Bus T1, Baujahr 1965, der liebevoll restauriert in der Ausstellungshalle in Eggolsheim zwischen vielen anderen automobilen Schmuckstücken steht. Dieser "Bulli" - so der Spitzname, der aus der Verwendung als "Bus und Lieferwagen" entstanden ist, ist in den USA entdeckt worden - und zwar auf einer Auktion. Das Besondere ist seine Camper-Ausstattung. Da gibt es noch keine Schiebetüren, die später dem VW-Bus wegen seines lautstarken Türschlags den Beinamen "Camping-Schreck" gaben. Der T1 hat noch zwei Flügeltüren, mit seitlichen Staufächern und Raff-Gardinchen an den Scheiben, die die biedere Wohnzimmer-Atmosphäre der 60-iger Jahre aufleben lassen. "Wir haben den Bus damals auf Risiko ersteigert, weil wir anfangs nicht sicher sein konnten, ob es sich tatsächlich um einen original Westfalia-Ausbau handelt", erzählt Sebastian Dormann. Die Freude war umso größer, als die Echtheit durch ein Zertifikat bestätigt wurde.


Teures Liebhaberstück

Kaum zu glauben, dass aus dem preisgünstigen Zugpferd der Wirtschaftswunderjahre und dem Kultgefährt der Hippies und Wellensurfer ein teures Liebhaberobjekt geworden ist.
Der Preis eines VW-Transporters lag einst bei rund 5800 Mark und damit nur 150 DM über dem eines voll ausgestatteten Käfers. Ein Betrag, der inflationsbereinigt etwa 14 000 Euro entspricht. "Heute ist der VW Bulli der ersten Generation preislich längst in den Regionen zeitgenössicher Mercedes 190SL oder Porsche 356 angelangt", weiß Oldtimer-Experte Sebastian Dormann zu berichten.
Das erstklassig restaurierte Stück ist für 65 900 Euro zu erwerben. Aber man kann es auch mieten. "Unser T1 ist der Liebling der Hochzeitspaare, die besonderen Charme statt PS suchen." Die Beliebtheit von Oldtimern schreibt Sebastian Dormann der Sehnsucht nach Entschleunigung in einer immer schnelllebigeren Welt zu. "Wenn man in einem Bulli mit 44 PS durch die Fränkische fährt, dann geht es nicht darum, rasch von A nach B zu kommen -dann ist der Weg das Ziel!", erklärt Sebastian Dormann.


Ein Bulli auf Reha

Herzblut für ihren VW-Bus vergießen auch Ingobert und Maria Kintopp aus Schlaifhausen. Sie sind stolze Besitzer eines T2 Campers, Baujahr 1978, mit Westfalia-Ausbau und Hubdach. "Momentan ist unser Bulli auf Reha", berichtet Maria Kintopp. Ihr Mann ist durch einen Tip auf einen Karosseriebauer aus Dürrbrunn gestoßen.
Hans Eberlein beschäftigt einen "Blechschmied" vom alten Schlage, der sich noch auskennt im Innenleben eines Oldies. Ingobert Kintopp hat noch den alten Kaufvertrag in seinen Unterlagen: Rund 15 000 Mark, zuzüglich 2000 Mark für das Hubdach samt Einbau kostete der T2 Camper vor 38 Jahren. Zum Vergleich: Heute muss man für einen T 5 California über 50 000 Euro bezahlen!
Für die Kintopps hängen viele Familien-Erinnerungen an ihrem Bulli - einem Fahrzeug, das in millionenfacher Ausführung durch Zuverlässigkeit und Langlebigkeit den Begriff "unkaputtbar" geprägt hat. Als Camper ist er zum Synonym für Abenteuer und Unabhängigkeit geworden. Davon zeugen die vielen Aufkleber, die sich im Reiseleben des Bullis von Familie Kintopp auf dem Rückfenster angesammelt haben.