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Der 120.000-Euro-Balance-Akt


Autor: Ekkehard Roepert

, Freitag, 15. Juni 2012

Das Junge Theater riskiert etwas Artistisches. Und einige Stadträte bekommen wegen der Pläne Bauchschmerzen.
Thamar Hampe vom  "Rope Theater" wird   Anfang September über der Forchheimer Altstadt balancieren. Foto: p


Einen Tanz über das Hochseil wird das Junge Theater Forchheim im September wagen - und einigen Stadträten wird schon jetzt schwindlig. Zwar zeigten sich die Räte im Kulturausschuss euphorisch, als Lorenz Deutsch (Programmchef im Jungen Theater Forchheim) über das ZirkArt Festival informierte; aber in die Euphorie mischten sich jede Menge "Bedenken", "Bauchschmerzen" und "Wehwehchen".

"Monetärer Brocken"


Bürgermeister Franz Streit (CSU) bestätigte dem Jungen Theater "Mut, diesen monetären Brocken zu schultern." 120.000 Euro wird das artistische Kulturfest unter freiem Himmel kosten. "Am 10.000-Euro Zuschuss der Stadt soll es nicht scheitern", sagte der Kulturbeauftragte Dieter George. Dem stimmte der Ausschuss zu.
Gleichzeitig betonte aber nicht nur Heinz Endres (FBF) die "Finanzierungslücke" des Projektes. Denn die eingeplanten 40.000 Euro des Kulturfonds Bayern sind noch vakant. Außerdem rechnet das Junge Theater mit rund 34.000 Euro Eintrittsgeldern, eine Kalkulation, die vom schlechten Wetter durchkreuzt werden könnte.

Festivalleiter Lorenz Deutsch verließ den Kulturausschuss am Mittwoch dennoch in positiver Stimmung. Die Risiken seien ihm schon vorher bewusst gewesen, sagte er am Donnerstag; für die Probleme (Absperrung des Festgeländes, Einbeziehung der Gastronomie) gebe es Lösungen. "Entscheidend ist für mich, dass die Veranstaltung quer durch alle Fraktionen begrüßt wurde."

Artistik nicht als Selbstzweck


Der 25-jährige Festivalleiter hatte den Kulturausschuss mit seinem Vortrag überzeugt: "Artistik als Ausdrucksmittel, nicht als Selbstzweck" werde in Forchheim zu erleben sein. "Das heißt, dass die Künstler die Artistik einsetzen, um Geschichten zu erzählen."

Am Zuschauerzuspruch dürfte es nicht mangeln, meint Lorenz Deutsch: "Artistik ist in der Gesellschaft angesagt." Das zeige die Jugend, die mit Slag-Lines und Skateboards in Parks und auf den Straßen unterwegs sei.
So groß die Begeisterung für das Konzept war, so groß war auch die Überzeugung, dass die Stadt nicht einspringen werde, falls das Junge Theater auf einem Schuldenberg sitzen bleiben sollte.

Karl-Heinz Fleckenstein (CSU) sprach von einem 74.000-Euro-Risiko und davon, dass hier in zwei Tagen "70.000 Euro Steuermittel verbrannt" würden. Und Udo Schönfelder (CSU) fragte, ob sich das Junge Theater da nicht überhebe? Oder gar riskiere, das Theater durch das Schuldenrisiko "an die Wand zu fahren"?
Sabine Dittrich (FGL) forderte, dem Veranstalter die Kosten für das städtische Personal während des Festivals zur erlassen (4000 Euro). Doch die Mehrheit lehnte diesen Vorschlag ab. Holger Lehnard (CSU) meinte, das sei nicht fair den Vereinen gegenüber; die müssten bei ihren Veranstaltungen "für das Aufstellen von jedem Buchsbäumchen zahlen".

Annette Prechtel (FGL) lehnte den Vergleich mit den Forchheimer Vereinen ab: ZirkARt biete schließlich einen Kunstgenuss für eine breite Öffentlichkeit.
Und Anita Kern (SPD) sagte: "Jede andere Stadt würde Juhu schreien über so ein Festival." Statt über Risiken zu sprechen, sollten sich die Stadträte nach privaten Sponsoren umsehen, die ZirkArt unterstützen.