"Meine Mutter ist die älteste weibliche Boxtrainerin Deutschlands", sagt Michael "Mike" Kann stolz. Mama Juanita Kann lächelt dabei ein wenig schüchtern. Sie ist 67 Jahre alt, in Bubenreuth geboren und lebt und arbeitet jetzt in Forchheim.

Mit Mann, Sohn und Schwiegertochter betreibt sie das Kampfsport- und Fitnesscenter "Warriors Gym". "Ich trainiere hier die Kinder", erzählt Juanita Kann. Wie kommt sie wohl zu ihrem untypisch fränkischen Vornamen? "Mein Vater wollte ein Johanna. Und daraus wurde Juanita", antwortet die Boxtrainerin, die verheiratet ist und zwei erwachsene Kinder hat. "Ich brauche einfach Bewegung", erzählt sie. Früher arbeitete sie im Verkauf und ging als Ausgleich zu Arbeit und Familie regelmäßig joggen. "Das habe ich einfach gebraucht - für meinen Körper ebenso wie für meinen Geist", berichtet Juanita Kann.


Auf Bäume geklettert

Durch den Frauenbund kam sie zu anderen Sportarten. Dann begann Sohn Mike seine sportliche Karriere. "Bei ihm habe ich Capoeira gesehen, das fand ich so klasse, dass mir meine Familie zum Muttertag einen Lehrgang geschenkt hat", erzählt die Boxtrainerin.

Sie war begeistert von dem Lehrgang und der Akrobatik dieses brasilianischen Kampftanzes. "Denn das waren die Bewegungen, die ich als Kind ständig im Treppenhaus gemacht habe", erinnert sie sich. Sie sei kein stilles Kind gewesen, sondern mit Jungs aufgewachsen und auf Bäume geklettert. "Das mache ich auch heute noch", erzählt die Trainerin und lacht.

Ihr Sohn Mike überzeugte sie dann, Ausbildungen zu machen. So begann sie mit dem Breitensport und machte die Trainer C-Lizenz. "Das ist das Erste, was man für eine Trainerausbildung braucht", erklärt Mike Kann. Dann ging es weiter mit der B-Lizenz zur Fitnesstrainerin, Kickboxen, Präventionsarbeit und der Trainerlizenz beim Boxverband. Allen Senioren empfiehlt Juanita Kann: "Schaut, dass ihr beweglich bleibt!" Egal, ob Koordinationsübungen, Präventionssport oder Funktionsgymnastik - man solle keinen Zwang auf sich selbst ausüben oder ausüben lassen. "Deshalb gehen wir hier auch auf die Bedürfnisse unserer Kunden ein", erzählt die Trainerin.

Lieber solle der Übende langsam, aber richtig üben, als zu viel. Wichtig sei auch, dass man das Gleichgewicht halten könne. "Wer sich nicht bewegt, der rostet", wirft Mike Kann ein. Bei einfachen Koordinationsübungen werde nicht nur der Körper, sondern auch der Geist trainiert. Auch bestehe im Alter dann Sturzgefahr, deshalb solle man den Körper regelmäßig trainieren. Damit könne man in jedem Alter anfangen.


Mit Händen und Beinen

"Ein Problem ist nur, dass sich viele Ältere den Unterricht nicht leisten können", klagt Mike Kann. Erst vor Kurzem sei eine ältere Frau zu ihm gekommen, weil sie sich die 35 Euro im Monat für die Gebühr nicht leisten kann. "Ihr Geld reicht gerade für die Wohnung und das Essen."

Man könne aber wenigstens regelmäßig spazieren gehen. Dazu nickt Mama Juanita. Sie liebt das Kickboxen, weil sie hier Hände und Beine einsetzen kann. Zum Ausgleich als Fitnesstrainerin geht sie tanzen - fränkische Tänze, aber auch Tänze aus aller Welt. "Ich tanze in einer Trachtentanzgruppe und ich tanze orientalisch, denn ich muss immer in Bewegung bleiben", sagt Juanita Kann. Außerdem wandert oder schwimmt sie gern und macht Nordic Walking.

Juanita Kann ist Vegetarierin, denn alle Lebewesen sind ihre Freunde. "Ich esse und nasche gern, habe Spaß am Leben und versuche Freude am Sport zu vermitteln. Das bin ich", meint Juanita Kann und dann gehtlos, um die Kindergruppe zu trainieren.