Druckartikel: Wo das Abfischen zum Schauspiel wird

Wo das Abfischen zum Schauspiel wird


Autor: Pauline Lindner

, Sonntag, 09. Sept. 2012

Freiwillige Helfer und interessierte Naturfreunde kamen zum Schaufischen am extensiv bewirtschafteten Weiher des Bund Naturschutz im Mohrhof-Gebiet bei Höchstadt an der Aisch.
Dass das Abfischen nicht ganz einfach ist, erlebten die Nachwuchs-Fischer am eigenen Leib.  Fotos: Pauline Lindner


An der starken Pumpe am Ufer des Westfelderweihers sitzen zwei junge Männer, Sven und Jörn Blume. Jedes Jahr seit ihrer Grundschulzeit sind sie dabei, wenn Lorenz Möhring für den Bund Naturschutz den extensiv bewirtschafteten Teich abfischt. Sie haben schon trotz Pullover gefroren, aber heute schwitzen sie schon am Morgen. "Es ist fast zu warm zum Abfischen", sagt Möhring. Dadurch ist der Sauerstoffgehalt des Wassers recht gering. Um ihn für die Fische zu verbessern, läuft die Pumpe schon einige Zeit.
Derweilen finden sich etliche "Assistenten" der Fischer ein. Emma, die schon im vergangenen Jahr mit ihrem Opa Werner Weller beim Abfischen dabei war, hat diesmal auch ihre kleine Schwester Alessia mitgebracht. Ausgerüstet mit Gummistiefeln und Wetterhosen werden die beiden später munter durch den Schlamm waten und sich die kleinen Fische aus der Nähe ansehen.
Ganz professionell mit einer Wathose und einem Fischhammer ausgerüstet ist Sören aus Köln. Er ist zu Besuch bei seinen Großeltern. Vom Großvater hat er die Liebe zu Wasser und Fischen, aber vor allem schon gute Kenntnisse. So weiß er, dass die Einheimischen den Käscher auch Fischhammer nennen.
Damit umzugehen will gelernt sein. "Du musst ihn immer vor den Fisch halten, in die Richtung, in die er wegschwimmen will", ruft ein Erwachsener vom Ufer Sören zu. Das funktioniert. Er packt so einen stattlichen Karpfen. Nur der Fisch ist "gewitzt", genauer: er nützt seine ausgeprägte Muskulatur und schnellt aus dem kleinen Käscher heraus. Sören gibt nicht auf und greift sich einen in professioneller Größe. Damit ist das Hantieren für einen Schuljungen ganz schön anstrengend.
Nun, es geht ihm ja nicht so sehr darum, möglichst viele Fische einzufangen. Sören will sie auch genau anschauen. "Das ist ein kleiner Barsch", verkündet er aus dem Weiher und nestelt den Fisch mit den charakteristischen roten Flossen aus dem Käschernetz. Klar, dass ihn seine Mutter mit der "fetten Beute" fotografiert.
Die anderen Erwachsenen am Schilfrand teilen sich in drei Gruppen: Die Helfer des Teichwirts Möhring, die dafür sorgen, dass der Fang sauber gespült im Wasserbottich auf dem Transporter landet. Etliche Vogelfreunde sind auch diesmal gekommen, denn sie wissen: Kaum verlassen die Menschen nach der Arbeit den Weiher, kommen in Scharen die Vögel, die sich von winzigen Fischen und anderem Getier im Schlamm ernähren. Und da ist so manche Vogelrarität zu beobachten.

Vögel beobachten Menschen


Und zuvor werden die Menschen von den Vögeln beobachtet. Auf ein paar alten Föhren am Rand des Mohrhof-Vogelschutzgebiets haben sich Silberreiher niedergelassen. Sie warten ab. Plötzlich kreist eine dunkle Silhouette mit hellem Gefieder am Bauch über den Weihern. "Ein Fischadler", klärt BN-Kreisvorsitzender Siegfried Liepelt auf. "Die Bauern hier nennen ihn den Weißbauch." Das große Tier schwenkt noch einmal auf den Westfelderweiher zu und verschwindet wieder.
Sein Erscheinen lockt die Besucher des Schauabfischens an das Spektiv, das ein Ornithologe mitgebracht hat. Andere dagegen wollen endlich erfahren, wie denn der Karpfen, den sie nur kross gebacken aus der Pfanne kennen, so lebt. Ob und wie sie gefüttert werden, was es mit dem Hecht im Karpfenteich auf sich hat.

Hechte gegen Blaubärblinge


Wie aufs Stichwort ruft einer der Jung-Helfer: "Hier hat sich ein kleiner im Schlamm versteckt." Er packt ihn mutig, so daß jeder mal das gefräßige Maul des Raubfisches sehen kann. "Ich setze jedes Jahr ein paar kleine Hechte ein", erklärt Möhring. "So klein, dass sie keine Karpfen packen. Sie sollen den Blaubärblingen Einhalt gebieten." Das waren ursprünglich Aquarienfische, die sich inzwischen in allen Weiherketten breit gemacht haben. Durch ihre Masse sind sie Futterkonkurrenten der Karpfen.
Das Geschehen verlagert sich aufs Land. Ein Gastwirt ist vorgefahren und lässt sich von Möhring einen Zentner Karpfen abwiegen. Sie werden noch heute auf den Tisch kommen, denn beim dünnen Besatz haben sie genug Bewegungsfreiheit, um nicht zu mooseln. Um nicht nach den Algen zu schmecken, die bei dichtem Fischbestand von deren Exkrementen prächtig gedeihen.
Den Abschluss des Schauabfischens bildet eine fachmännische Führung durchs Areal. Der Biologe Thomas Franke erläutert die Wechselwirkungen in einem bewirtschafteten Naturschutzgebiet. Für die Fischzucht werden die Weiher im Jahrzehnte-Turnus ausgebaggert und vom Schlamm befreit. "Auf dem Rohboden tauchen dann manchmal Pflanzen auf, die als verschollen galten", berichtet er und greift am Weiherrand nach etwas zartfiedrigem Grünen. "Das ist des Weiche Hornblatt. In Bayern steht es auf der Roten Liste der bedrohten Pflanzen." Nach der Pflege des Blätterweihers tauchte es im Mohrhof wieder auf. Wie bestellt, turnt zum Abschied noch ein Laubfrosch im Schilf.
Doch für die Gäste des Spektakels am Karpfenteich kommt noch die Probe aufs Exempel. Im Hesselberger Gasthof warten schon die Karpfen auf sie. Die Wirtin hat genau die zubereitet, bei deren Fang sie zuschauen konnten.