Uni-Klinikum Erlangen: Großes Team des Perinatalzentrums kämpft um Frühchen Felix
Autor: Redaktion
Erlangen, Mittwoch, 07. Sept. 2022
Im Universitätsklinikum Erlangen kämpfte ein großes Team des Perinatalzentrums um das Leben des Frühchens Felix. Denn schon im Mutterleib hatte dieser Probleme mit dem Herzen.
Dass Felix - der Glückliche - überleben würde, war zwischenzeitlich mehr Hoffnung als medizinische Gewissheit, wie das Universitätsklinikum Erlangen berichtet. Seit Juli 2021 gibt es in Erlangen eine eigene Professur für Neonatologie. "Nicht jedes Uniklinikum hat so etwas", sagt Heiko Reutter, Leiter der Neonatologie und Pädiatrischen Intensivmedizin am Universitätsklinikum Erlangen. "Das zeigt, welchen Stellenwert die Früh- und Neugeborenenmedizin bei uns hat und wo wir noch hinwollen."
Der Fall des kleinen Felix aus dem Landkreis Roth zeigt, wie wichtig es ist, dass sich Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen in einem Perinatalzentrum vernetzen und nur das Wohl des Kindes und seiner Mutter im Blick haben. Mit der Hilfe eines erfahrenen medizinischen Teams mobilisierte der Kleine noch einmal alle Kräfte – und ist heute fast sieben Monate alt.
Uniklinikum Erlangen operiert Felix durch die Bauchdecke der Mutter
"Das Universitäts-Perinatalzentrum Franken am Uniklinikum Erlangen betreut Schwangere wie Felix’ Mutter Nadine Steinlein vor und rund um die Geburt", erklärt Matthias W. Beckmann, Direktor der Frauenklinik des Uniklinikums Erlangen und neben Reutter Sprecher des Perinatalzentrums. "Unser Zentrum umfasst unter anderem die Pränatalmedizin, die Geburtshilfe und die Neonatologie und hat Schnittstellen zu vielen weiteren Fachbereichen. Betreut werden schwangere Frauen aus ganz Nordbayern – und zwar auf Level-1-Niveau, also auf der höchsten universitären Versorgungsstufe."
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Seinen ersten Eingriff hatte Felix, da war er noch nicht einmal geboren: Im Januar 2022 schob ein Oberarzt der Frauenklinik des Uniklinikums Erlangen eine Hohlnadel in Felix’ winziges schlagendes Herz, während der Fötus noch im Fruchtwasser seiner Mutter schwamm. Eine Einblutung zwischen Herzbeutel und -muskel des Kindes hinderte das Organ daran, sich richtig zusammenzuziehen und wieder auszudehnen. Die ultraschallgesteuerte Punktion durch die Bauchdecke der Mutter hindurch war nicht ohne Risiko. Doch Felix’ Herz brauchte dringend Entlastung; das Blut musste abgeleitet werden.
Um bestmöglich im Sinne des ungeborenen Kindes zu entscheiden, nutzte das Team des Erlanger Perinatalzentrums sein Netzwerk: "Modernste Universitätsmedizin bedeutet für mich, externe Kolleginnen und Kollegen in Deutschland und im Ausland hinzuzuziehen, um für unsere Patientinnen und Patienten das Beste zu erreichen", verdeutlicht Reutter. In Felix’ Fall waren im Vorfeld verschiedene deutsche Pränatalmedizinerinnen und -mediziner eingebunden.
Zwölf Wochen zu früh - Felix wird per Kaiserschnitt geholt
Gemeinsam stellten die Ärztinnen und Ärzte das gerissene Vorhofaneurysma (Aussackung des Herzvorhofs) und die Einblutung fest – eine Diagnose, die so selten ist, dass es dafür keine Häufigkeitsangaben gibt. Die entlastende Herzpunktion im Mutterleib gelang. Doch weil sich auch zwischen Lunge und Rippenfell des Kindes immer mehr Flüssigkeit sammelte und es zu ersticken drohte, punktierte Sven Kehl, Koordinator der Erlanger Geburtshilfe, Felix schließlich noch einmal – wieder innerhalb der Fruchtblase.
"Wir hatten seine Mutter Nadine Steinlein ab der 25. Schwangerschaftswoche alle drei Tage zur Pränataldiagnostik bei uns, um den Gesundheitszustand von Felix engmaschig zu überwachen. Er verschlechterte sich zusehends", berichtet Kehl. "Deshalb habe ich direkt nach der Punktion den Kaiserschnitt gemacht. Der war geplant und lief problemlos." Felix David Steinlein wurde am 10. Februar 2022 geboren – zwölf Wochen vor dem errechneten Termin.