Kurz vor acht Uhr im Vereinshaus, kurz vor Beginn des Abschlusskonzerts der Kulturwochen. Thomas Fink - wie immer im schlichten grauen Anzug - redet im Foyer noch mit Bekannten. "Ich bin schon ein bisschen aufgeregt, aber das bin ich immer", sagt der Routinier und verweist darauf, dass das die Power beim Spiel ausmache. Das heutige Programm hat er stark auf die Solisten, die Sängerin Sandy Patton und den Altsaxophonisten Tony Lakatos, abgestimmt, auf ihre Lieblingsstücke. "Alles Mainstream aus den 60ern und 70ern."

Vielfach grüßend und lächelnd geht Fink durch den Saal, denn alle, alle seine Fans sind gekommen. "Wir sind seine Fans seit 30 Jahren", sagt Brüne Soltau über sich und eine Gruppe von Bekannten in der Sitzreihe. Und: "Thomas Fink ist einer der größten Jazzpianisten weltweit."

Mit dieser Meinung steht Soltau nicht allein, aber "verstärkt" wird Fink durch Weltklassemusiker.
Sogar der Nachbar Gerhard Batz ist gekommen, der offenbar ganz und gar nicht darunter leidet, dass oft Klavierspiel aus dem Nachbarhaus zu ihm dringt. "Der Saxophonist Tony Lakatos und der Schlagzeuger (Christoph Huber) sind Weltklasse", urteilt Batz in der Pause. Bassist Rainer Glas mit seiner bundlosen Akustik-Gitarre kam ihm allerdings etwas zu leise rüber.

Tony Lakatos. Ganz ruhig, ohne jede unnütze Bewegung, agiert der stämmige Mann mit Melone auf der Bühne, dankt mit einem Kopfneigen dem Beifall für seine Solo und tritt zur Seite, wenn das Solo der Kollegen dran ist. Statisch wirkt er, wenn er spielt, fast immer mit geschlossenen Augen. Und zaubert Töne, in sich getragen oder als rasende Perlenschnüre, nie hart und rau, sondern von melodiöser Schönheit. Einzig den "Zaubertrick" kann man seiner Gesichtmuskulatur ablesen: Wie unterschiedlich er die Mundhöhle formt, um den Tönen den Charakter zu geben, den sie brauchen, um das Publikum in den Bann zu schlagen.

"Wir haben noch nicht oft zusammen gespielt, obwohl wir uns schon 20 Jahre kennen", sagt Fink. Eine Stunde Probe war nur drin, erfährt man später, weil die Sängerin Sandy Patton von Bern herflog und schon am nächsten Tag dort eine großes Gospelkonzert gab. An- und abschwellend, unterstützend und Kontraste setzend, als eine Einheit spielen die vier Musiker, als wären sie jeden Tag zusammen, so bekannte Traditionals wie "How High the Moon" oder "All the Things You Are".

Die Bühne und die Herzen der Zuhörer gehören Lakatos, als er "St. Thomas", den Jazzstandard mit den karibischen Wurzeln anstimmt. Der Komponist Sonny Rollins hat es nach der Insel St. Thomas, der Heimat seiner Mutter benannt. Lakatos Saxophon "erzählt" diese Geschichte.

Keine fünf Sekunden braucht die kleine, zierlich, grauhaarige Frau nach der Pause und die Bühne gehört ihr: Sandy Patton. Immer in Bewegung, immer im Wechsel des Blickkontakts zwischen Publikum und den einzelnen Musikern, ist sie das glatte Gegenteil von Lakatos. Und dennoch verschmelzen ihre Stimme und sein Instrument zu einem: In "Over the Rainbow" und vor allem in langen Skatphrasen. Dazwischen hat die Mittsechzigern, die an der Jazzhochschule Bern lehrt, immer noch den Atem für ein Wort, einen Namen zwischendurch.

Mercy als Dank

"Geooorgia" - mit nur zwei modulierten Tönen überzeugt Patton, dass all ihre Gedanken, ihre ganze Fantasie diesem amerikanischen Südstaat gehören. Ganz liebenswürdig verabschiedet sie sich vom Publikum. "Bye, bye, Sweet" sind ihre letzten gesungenen Silben. Und ein Beifallssturm bricht los. Wie eine La-Ola-Welle erheben sich die Zuhörer und applaudieren.

Die Zugabe überließ sie allerdings Lakatos. Was hätte er Passenderes wählen können als Joe Zawinuls Mercy, Mercy, Mercy.