Während die Nachmittagshitze den Asphalt zum Glühen bringt, macht sich eine Polizeistaffel auf den Weg durch die verlassenen Straßen. Manche Rollos sind heruntergelassen, ab und zu spitzt ein Anwohner über den Gartenzaun. Meist in Zweierteams laufen die Polizisten von Haus zu Haus - von Klingel zu Klingel.

Eine Anwohnerbefragung soll der Einsatzkommission (Eko) "Stein" neue Erkenntnisse bringen. "Haben Sie irgend etwas gesehen oder etwas Auffälliges bemerkt?", fragen die Polizisten. Rund hundert Mal werden die Beamten diesen Satz noch sagen. Auf einer Liste stehen die Haushalte, die sie abarbeiten wollen.

Ganz in der Nähe, an der Fußgängerbrücke über die A 73, haben Anfang Mai unbekannte Täter Steine von der Brücke geworfen. Dies war nicht der einzige Tatort: Am 9. Mai, zwischen 0 Uhr und 1 Uhr, warfen der oder die Täter in Eltersdorf und Baiersdorf Pflastersteine und Holzpaletten von Brücken, die über die A73 und die A3 führen.


Polizei ermittelt wegen versuchten Mordes

Am 8. Mai, gegen 23 Uhr, warfen ebenfalls unbekannte Täter Steine auf einen fahrenden Zug der Bahnstrecke Nürnberg-Bamberg. Die Eko "Stein" ermittelt in mindestens sechs Fällen wegen versuchten Mordes und bittet die Bevölkerung um Mithilfe.

Manche Anwohner schauen zuerst erschrocken, als die Polizeibeamten vor ihrer Tür stehen. Nachdem sich die Polizisten vorgestellt und ausgewiesen haben, legt sich die erste Verwirrung. Ja, man habe davon in der Zeitung gelesen, sagen einige. Und dann: immer wieder Kopfschütteln. Nein, leider habe man nichts Auffälliges gesehen. "Es könnte sein, dass der Hund in der Nacht gebellt hat. Aber das kommt ja häufig vor", antwortet eine andere Anwohnerin.

Dabei kann jede Kleinigkeit wichtig sein, betont Alexandra Federl, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Mittelfranken. "Vielleicht fällt einem noch etwas ein, wenn man noch einmal darüber nachdenkt", sagt sie.


Zwei Befragungen nach der Tat

Gleich nach den Taten hat die Polizei eine erste Anwohnerbefragung durchgeführt. Bei einer weiteren Befragung eine Woche später wurden Verkehrsteilnehmer befragt. Ob und was bei den Befragungen ans Licht kam, darüber kann die Polizei aus Ermittlungsgründen nicht sprechen. "Es wird mit Hochdruck ermittelt", sagt Federl.

Von den Anwohnern in Baiersdorf ist dieser Ermittlungsdruck noch weit entfernt. Mit einem Klingelläuten an der Haustüre kündigt er sich an. Polizeiuniformen treffen auf Badehosen. "Haben Sie irgend etwas gesehen oder etwas Auffälliges bemerkt?" Bei manchen Häusern ist niemand zuhause, die Türe bleibt geschlossen. Dann werfen die Polizeibeamten ein Flugblatt in den Briefkasten.


Ermittler sichern DNA

Bei den Ermittlungen ist die Eko "Stein" nicht auf sich allein gestellt. Ermittler der operativen Fallanalyse des Polizeipräsidiums München, im Volksmund Profiler genannt, erstellen anhand der bisherigen Spuren ein Täterprofil. "Sie versuchen sich in den Täter hineinzuversetzen", erklärt Polizeihauptkommissar Richard Heron, der am Mittwoch den Überblick über die Polizeiteams behält.

Am Tatort seien DNA-Spuren gesichert worden, berichtet Pressesprecherin Federl. "Es kann sein, dass der Ermittlungserfolg durch die Spuren eintritt", sagt sie. Wie hoch der Ermittlungserfolg bei solchen Straftaten ist, darüber könne man wenig sagen. "Es ist ein Problem, das brandgefährlich ist", sagt die Pressesprecherin.

Durch die Steinwürfe wurden zwei Autos sowie ein Zug beschädigt. Ein 24-jähriger Beifahrer eines Lkw wurde von einem Stein getroffen, der durch die Windschutzscheibe geflogen war.
Es waren massive Pflastersteine, circa 20 auf 20 Zentimeter, sowie Holzpaletten, die die Täter von den Brücken geworfen haben. "Pflastersteine, mit denen man Verletzungen herbeiführen kann", erklärt die Pressesprecherin. Der Verdacht liege nahe, dass es sich bei den Taten um die selben Täter handelt.











Wer hat etwas beobachtet?
Tatorte Eltersdorf, Bahnstrecke unmittelbar nach dem Bahnhof in Richtung Bamberg (gegen 23 Uhr). Eltersdorf, Behelfsbrücke über die A3 (gegen Mitternacht). Baiersdorf, Brücke Erlangerstraße und Fußgängerbrücke am Bahnhof über die A73 (zwischen 00.40 Uhr und 01.15 Uhr).

Fragen Wer hat zu den Tatzeiten an den oben genannten Orten Beobachtungen gemacht?
Wem sind ein oder mehrere Personen aufgefallen, die in den fraglichen Zeiten in der Umgebung der Tatorte Steine oder Holzpaletten transportiert haben?

Hinweise bitte an den Kriminaldauerdienst Mittelfranken, Telefonnummer 0911/2112-3333 oder an jede andere Polizeidienststelle. fr