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Herzogenaurach: Auch die Longhorns mucken auf


Autor: Peter Simon

Herzogenaurach, Montag, 11. Dezember 2017

Einen Tag nach dem klaren Sieg der TSH-Frauen gegen den Tabellenführer der Bayernliga haben auch die Männer des Vereins beim Regionalliga-Primus überrascht.
Tobias Übbing versperrte mit seinen defensiven Mannschaftskollegen den Herzogenauracher Korb, so dass die Vilsbiburger zu Distanzwürfen gezwungen waren, die nur selten ihr Ziel fanden.  Foto: Archiv


Mit einem sensationellen Sieg sind die Regionalliga-Basketballer der TS Herzogenaurach vom Tabellenführer aus Vilsbiburg zurückgekehrt. Lag der Sieg der in der Frauen-Bayernliga zweitplatzierten Shorthorns bei Spitzenreiter DJK Bamberg II rund 24 Stunden vorher noch im Bereich des Erwartbaren, ist der Erfolg der Männer nach zuvor nur zwei Siegen in elf Partien eine faustdicke Überraschung. Zumal Vilsbiburg erst eine Niederlage kassiert hatte und seine übrigen zehn Begegnungen dominierte.


Zweite Baskets-Pleite in Folge

Anderseits erwischte es die Baskets jüngst in Gotha zum ersten Mal, so dass die Gastgeber etwas angeknackst in die Partie gingen. Zudem hatten die Herzogenauracher trotz der Negativserie in den Vorwochen viele gute Spiele abgeliefert und meist nur knapp verloren. Ausgerechnet beim Primus, den sie noch nie bezwungen hatten, belohnten sie sich für den Aufwand. Damit bleiben die Longhorns zwar Zwölfter, stellen aber den Anschluss ans untere Tabellenmittelfeld her. Die unterlegenen Niederbayern haben nach wie vor beste Karten im Aufstiegsrennen, teilen sich den Platz an der Sonne jedoch mit drei punktgleichen Teams.


Basktes Vilsbiburg - TS Herzogenaurach 74:88

Im ersten Viertel sah eigentlich alles danach aus, als ob das Spiel wie erwartet vonstatten gehen würde. Der Favorit spielte munter drauf los, ging leicht in Führung, aber die TSH hielt mit. Als nach sechs Minuten Mike Kaiser wie aus dem Nichts ein technisches Foul bekam, zuvor aber schon eine Unsportlichkeit begangen hatte, um einen Fast-Break zu stoppen, war der Gästekapitän plötzlich disqualifiziert und musste zum Duschen.

Die berechtigten Beschwerden von TS-Trainer Benedikt Aumeier führten zu einem weiteren technischen Foul. Für den neutralen Beobachter war die Messe gelesen. Doch die übriggebliebenen Herzogenauracher fassten sich ein Herz, zeigten, dass sie sich diese Ungerechtigkeit nicht gefallen lassen und kämpften wie die Löwen. Dennoch führte Vilsbiburg nach dem ersten Viertel mit 22:19.
In den zweiten zehn Minuten drehten die Aurachstädter mächtig auf. Hinten versperrten Tobias Übbing, Anthony Bauer und Patrick Horstmann die Zone, während vorne Stefan Dinkel aus allen Lagen traf.

Die Baskets, die mit dem Spiel mental schon abgeschlossen hatten, staunten nicht schlecht, zu welch basketballerischen Höhenflügen die TSH ansetzte. Der zuletzt teilweise unglücklich agierende Ben Gahlert brillierte an beiden Enden des Platzes und zeigte, dass er auf seiner Position einer der besten Spieler der Liga sein kann, wenn er die richtigen Entscheidungen trifft. An diesem Tag tat er dies und verbreitete beim Gegner Angst und Schrecken. Als die Niederbayern von der Halbzeitsirene aus ihrem Alptraum gerissen wurden, lagen sie mit 35:46 im Hintertreffen.


Baskets-Stars trumpfen auf

Das dritte Viertel verlief wieder ausgeglichener, da die Stars der Gastgeber um Michael Mayr, Kendall Timmons und Jordan Aboki auftrumpften. Mit ihrer überlegenen Athletik zogen sie immer wieder zum Korb und schlossen dort hochprozentig ab. Aber Vedran Nakic und Anthony Bauer hielten den Vorsprung konstant. So führten die Herzogenauracher vor dem Schlussabschnitt mit 64:55.

In diesem wurde den Vilsbiburgern ihr großes Manko endgültig zum Verhängnis. Sie warfen Dreier um Dreier, doch kaum einer fand sein Ziel. Nur fünf erfolgreiche von 33 Versuchen von jenseits der 6,25 Meter sprechen eine deutliche Sprache. Warum sie ihre Taktik dennoch nicht änderten, konnte sich niemand in der Halle erklären. Die Mittelfranken heimsten dadurch Rebound um Rebound ein und bauten durch Patrick Horstmann und Stefan Dinkel eifrig ihre Führung aus, die in einem souveränen Auswärtssieg mündete.

"Wir haben eine perfekte Teamleistung hingelegt und insbesondere in der Defensive überragend gekämpft", lobte Aumeier. "Die Vilsbiburger haben uns zu Beginn wohl etwas unterschätzt und dies haben wir trotz der unberechtigten Disqualifikation von Mike Kaiser gut genutzt."
Seine Mannschaft habe gezeigt, dass sie auch gegen die Topteams der Liga mithalten könne und wolle sich nun zu einem richtigen Favoritenschreck entwickeln. "Selbstverständlich sind Spiele gegen Tabellenkonkurrenten wie Zwickau am kommenden Sonntag wichtiger, aber wir wissen jetzt, dass wir gegen jede Mannschaft der Liga bestehen können", resümierte der Longhorns-Trainer, dessen Schützlinge mit viel Selbstvertrauen ins Heimspiel gegen die Sachsen gehen.
TSH: Nakic (14), Dinkel (28), Bauer (10), Gahlert (19), Horstmann (11), Kaiser (4), Veljkovic, Übbing (2), Kwilu