In der Sitzung am Dienstag wurde ein Leitfaden für die Errichtung von Photovoltaik-Freianlagen erarbeitet, den sich die Marktgemeinde selbst als Hilfestellung für künftige Entscheidungen gibt. Er ist als Orientierungshilfe sowohl für die Gemeinde als auch für Investoren gedacht.

Nach ausführlicher Diskussion wurde der vom Dritten Bürgermeister Walter Jakob vorbereitete Entwurf des Leitfadens einstimmig beschlossen.

Zum Thema Freiflächen-Photovoltaik in der Marktgemeinde gibt es eine Vorgeschichte: 2018 hatten sich die Gemeinderäte per Beschluss grundsätzlich gegen Photovoltaikanlagen auf Freiflächen ausgesprochen. Eine Entscheidung, die sie vor kurzem in der Sitzung Anfang Dezember zurückgenommen haben.

Seit einiger Zeit liegt ein konkreter Antrag auf dem Tisch, den es zu behandeln gilt. Das Unternehmen "Wust Wind & Sonne" möchte auf einem Areal südlich der Motocross-Anlage einen Bürgerenergiepark errichten.

Keine Entscheidung

Um es vorwegzunehmen: Der Tagesordnungspunkt zur Aufstellung eines Bebauungsplans für dieses Vorhaben fiel Corona zum Opfer. Er wurde auf eine spätere Sitzung vertagt.

Wie Bürgermeister Klaus Faatz eingangs informierte, sind die bayerischen Kommunen gehalten, wegen der Dauer der Sitzungen nur noch unbedingt notwendige Angelegenheiten und unaufschiebbare Entscheidungen zu behandeln. Zwei Punkte der Tagesordnung - so auch die Aufstellung eines Bebauungsplans samt Änderung des Flächennutzungsplans für das Gebiet Mühlweiher II fielen durch dieses Raster.

Die Freiflächen-Photovoltaik schien jedoch Bürgermeister und Ratsgremium ein wichtiger Punkt, der auch ausgiebig und lebhaft diskutiert wurde. Es geht darum, wie man in Zukunft grundsätzlich mit Anträgen von Investoren umgeht. Einen gangbaren, geraden Weg zu finden, gab man sich große Mühe. Schließlich ging es darum, dass Freiflächen-Photovoltaikanlagen in der Gemeinde nicht überhand nehmen und dass sie im Landschaftsbild nicht stören.

Nicht zuletzt möchten die Räte, dass nach Möglichkeit die Bürger der Marktgemeinde die Hand darauf haben, also davon profitieren sollen.

Kriterienkatalog

Künftige Anträge auf Freiflächenanlagen sollen daher anhand dieses Leitfadens beurteilt werden. Er basiert auf einem System, in dem die unterschiedlichen Kriterien geprüft und mit Punkten bewertet werden. "Punkte kassieren", wie Zweiter Bürgermeister Alexander Schüpferling es ausdrückte, können die Anlagen beispielsweise, wenn zur Pflege eine Beweidung (durch Schafe) oder auch Bienenkästen vorgesehen werden. Punkte gibt es auch, wenn die Beteiligung von Bürgern der eigenen Gemeinde an dem Projekt mehr als 40 Prozent ausmacht.

Flächen, die nicht einsehbar sind und auch aus der Fernwirkung das Landschaftsbild nicht beeinträchtigen erhalten den Vorzug gegenüber Standorten, die am Ortsrand, in Naherholungsräumen liegen oder Jagdreviere einschränken würden. Insgesamt zehn Kriterien umfasst der Bewertungskatalog.

Bürgermeister Klaus Faatz war es wichtig, gute Ackerflächen mit hoher Bodenfruchtbarkeit von solchen Anlagen möglichst frei zu halten. "Wir haben in der Gemeinde ohnehin nicht die besten Böden", stellte er fest. Den Vorzug sollen hingegen bereits anderweitig "vorbelastete" Flächen erhalten. Schließlich zählt im Leitfaden noch die Größe der künftigen Anlagen: Mit den meisten Punkten werden Anlagen bewertet, die kleiner als zehn Hektar sind. Für Flächen, die mehr als 15 Hektar Land brauchen, werden hingegen keine Punkte vergeben.

Ausschlusskriterium

Nach Prüfung aller zehn Kriterien haben Anlagen, die weniger als acht Punkte auf sich vereinen, keine Chancen auf Realisierung. Im mittleren Bereich - bei neun und zehn Punkten - können Photovoltaikanlagen "im begründeten Ausnahmefall" - zugelassen werden.

Ab elf Punkten ist der Weg frei und die Freiflächen-Photovoltaikanlagen sollen zugelassen werden. Der Leitfaden wurde einstimmig verabschiedet und soll für künftige Anträge angewandt werden.