Siemens-Werk in Erlangen wird weltweites Vorbild – "einzigartig in Branche"
Autor: Ralf Welz
Erlangen, Dienstag, 20. Oktober 2026
Innovation aus Franken: Das Siemens-Werk in Erlangen dient dem Konzern als weltweite Blaupause für KI-gestützte, autonome Fertigung. Der Elektrotechnik-Riese spricht von einem "großen Schritt".
Es ist ein ambitioniertes Vorhaben: Der Elektrotechnik-Riese Siemens tüftelt daran, wie künstliche Intelligenz die Fabrikproduktion verändern könnte. In seinem Elektronikwerk in Erlangen sollen virtuelle Leiterplatten die Qualitätsprüfung beschleunigen; ein KI-Agent entwickelt Produktionsszenarien, die sich mithilfe digitaler Zwillinge prüfen lassen.
Der fränkische Standort soll als "weltweite Blaupause" für weitere entsprechende Niederlassungen dienen. Die neuen Ansätze für die industrielle Fertigung seien "einzigartig in der Branche", heißt es vonseiten des Konzerns. "Das ist ein großer Schritt hin zur KI-getriebenen, autonomen Fabrik."
Siemens testet KI-Produktion im Elektronikwerk Erlangen
Das Erlanger Siemens-Werk besteht seit 1971 und beschäftigt nach Unternehmensangaben rund 1000 Menschen. Am Montag (19. Oktober 2026) stellten der deutsche Technologiekonzern und sein Projektpartner, der US-Entwickler Nvidia, die gemeinsam entwickelten Anwendungen für Qualitätsprüfung und Produktionsplanung vor. Für den Ausbau des Werks plant Siemens bis 2030 Investitionen von 500 Millionen Euro. Das Unternehmen sieht in den vorgestellten KI-Lösungen einen "neuen Meilenstein" in der Partnerschaft mit Nvidia.
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In Forchheim hat die Siemens-Tochter Healthineers unlängst eine völlig neue Halbleiterfabrik in Betrieb genommen. Laut Unternehmensangaben ist sie die erste ihrer Art in Europa.
Siemens und Nvidia wollen mithilfe künstlicher Intelligenz industrielle Prozesse schneller und flexibler machen. "Die historische Chance für Deutschland und Europa liegt darin, künstliche Intelligenz aus den Rechenzentren in die Fabriken zu bringen – und dort im industriellen Maßstab einzusetzen", wird Cedrik Neike, Mitglied des Vorstands der Siemens AG und President Digital Industries, in der Verlautbarung zitiert.
Fränkisches Siemens-Werk soll als Vorbild für weitere Standorte dienen
Bei der Qualitätsprüfung von Leiterplatten sollen künftig KI-generierte, fotorealistische Darstellungen ausreichen, um Bildverarbeitungssysteme zu trainieren. Bisher mussten dafür zunächst physische Prototypen hergestellt werden, wie Siemens in einer Mitteilung berichtet. Nach Unternehmensangaben kann das Verfahren den Engineering-Aufwand um bis zu 85 Prozent senken und die Markteinführungszeit um bis zu 40 Prozent verkürzen.
Eine weitere Anwendung soll die Planung von Fertigungsaufträgen unterstützen. Ein KI-Agent erstellt laut Siemens verschiedene Produktionsszenarien und zeigt Planern mögliche Auswirkungen anhand von Kennzahlen. Bevor ein Szenario umgesetzt wird, soll es mithilfe eines digitalen Zwillings der Produktion geprüft werden. Das Verfahren soll die Planung an verfügbare Kapazitäten, Materialien und Liefertermine anpassen. In seiner Prognose beziffert Siemens mögliche Kosteneinsparungen auf bis zu 20 Prozent.