Schafkopf bringt nicht nur in Großenseebach Menschen zusammen
Autor: Daniela Lunz
Großenseebach, Sonntag, 06. Januar 2019
Der FSV Großenseebach hatte zum Schafkopfrennen eingeladen. Wir haben die Kartler gefragt, was sie vom Schafkopf an Schulen halten.
Schafkopfrennen am Freitag beim FSV Großenseebach: 56 Kartler trafen sich zum traditionellen Spiel. Bereits seit 35 Jahren lädt die Fußballabteilung immer am 5. Januar zum Turnier ein. Herbert Schweiger hatte als Vorstand diese Tradition eingeführt.Was hält man hier von einem Wahlfach Schafkopf?
Der Deutsche Philologenverband hatte in jüngster Zeit eine stärkere Einbindung des traditionellen Kartenspiels in den Stundenplan gefordert. Die Fußballer, die bei der Auswertung der Spielergebnisse halfen, waren sich einig, dass Schafkopf auf jeden Fall in der Schule gefördert werden sollte. Michael Ahlers erzählte von einem Freund, der zu seiner Schulzeit Schafkopf als Wahlfach hatte und heute noch froh darüber sei. Sie selbst haben das Spiel im Fußballverein, im Kirchenverein oder beim Jugendclub gelernt. Schafkopf sei einfach ein Stück Kulturgut und fördere mathematische und soziale Fähigkeiten.
Die Fußballer sehen darin auch eine Möglichkeit, Schüler etwas vom Handy wegzukommen. Diesen Aspekt nannten auch andere: "Mehr analog, weniger digital!" wünschte sich auch Tano Motsios. Er selbst habe das Kartenspiel erst relativ spät mit 18 Jahren gelernt. Mittlerweile spielt er etwa 150 Turniere pro Jahr. Schafkopf an Schulen fände er gut: "Dann würde ich sofort Lehrer werden!", lachte er. Besonders für rechenschwache Schüler würde das sicherlich viel bringen. Schafkopf biete einfach Beisammensein und Geselligkeit. Spontan bot er an, Schafkopf-Kurse zu unterrichten, falls sich Interessierte finden würden.
"Eher ein Wirtshausspiel"
Sein Mitspieler Reinhold Hertlein dagegen findet es zwar gut, wenn Kinder Schafkopf lernen, aber die Schule sei eher ein unpassender Ort dafür. Eine Kartlerin stimmte zu: "Schafkopf ist eher ein Wirtshausspiel." Hertlein erzählte, er selbst habe das Spiel in einem längeren Prozess als Kind durch Zuschauen nach und nach gelernt. Am Tisch war man sich einig: "Es dauert Jahre, bis man das richtig gut kann." Augenzwinkernd berichten sie, schon früher habe man in der Schule Schafkopfen gelernt: in der Freistunde oder heimlich unter der Bank.
Günther Neubeck, der Organisator des Turniers, erklärte, früher habe man schon vor Schuleintritt Schafkopfen können. Er selbst kartelt auch gern. Überhaupt werde viel gekartelt im Sportheim Großenseebach: "Das bringt ja auch die Leut' zam." Neubeck betonte, falls Schafkopf tatsächlich an Schulen gefördert werden sollte, dann müsse das aber an allen Schularten gleichermaßen stattfinden. Aber er wünscht sich auch von den Firmen, die er anfährt, um sie als Sponsoren zu gewinnen, dass sie etwas großzügiger werden. Immerhin würden sie kulturelle Unterstützung leisten. Ein Schafkopfturnier lebe nun einmal einfach von den Spenden. "Ohne Preise geht gar nichts", so Neubeck.
Nur drei weibliche Kartlerinnen waren beim Turnier vertreten. Iria Sponsel und Anja Nagengast würden eine Förderung des Schafkopfs ebenfalls begrüßen. "Es ist einfach gut fürs Gedächtnis, weil man sich die Karten merken muss", so Iria Sponsel. So könne man Gedächtnistraining und Spiel miteinander verbinden.
Sie selbst hat es von ihrem Vater im Wirtshaus gelernt und spielt regelmäßig. Allerdings bedauert sie, dass leider noch viel zu wenig Frauen das Spiel lernen. Schafkopf sei eine Männerdomäne. Aber meistens freuten sich die Männer, wenn Frauen mitspielen. Sie möchte es später ihren Kindern auf jeden Fall beibringen.