Römerboot der FAU Erlangen in Gefahr: Rettungsaktion in Kroatien
Autor: Redaktion
Kroatien, Dienstag, 25. August 2026
In Kroatien droht ein Römerboot der FAU Erlangen-Nürnberg zu verwittern. Jetzt soll Rettung nahen.
Die Sonne brennt auf sie herab. Niemand weiß, wie lange sie schon verwaist am Strand der Drau in Ostkroatien liegt. Bug und Mittschiff liegen hügelabwärts, das Heck hängt in der Luft. Der Kiel beginnt, sich aufgrund ihres eigenen Gewichts zu biegen. Die Danuvina alacris, der zweite Nachbau eines römischen Patrouillenboots der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), droht verloren zu gehen.
Aber Rettung naht: FAU-Althistoriker Prof. Dr. Boris Dreyer hat sich nun mithilfe der kroatischen Armee sowie Freiwilligen daran gemacht, das von ihm gebaute EU-Projekt zu bergen und zurück an den Schlungenhof am Altmühlsee zu holen. Dort soll die Danuvina alacris nach Möglichkeit wieder instand gesetzt werden. Das schreibt die FAU Erlangen-Nürnberg in einer Pressemitteilung.
Schnelle Hilfe in Kroatien
Gebaut von 2020 bis 2022 im Rahmen des EU-Interreg-Projektes „Living Danube Limes“, war das Römerboot nach einer Überholung im letzten Winter ab Mitte April dieses Jahres nach Osijek in Kroatien übergeben worden. So wie seit 2024 schon an andere Staaten entlang der Donau: Österreich, Tschechien, Slowakei und Ungarn; eigentlich Routine. Dann wurde Boris Dreyer von einem Hafenarbeiter aus Osijek ein Foto zugespielt, das ihn in Alarmbereitschaft versetzt: Es zeigt die Danuvina in desolatem Zustand, verwaist am Ufer der Drau, einem Nebenfluss der Donau, liegend.
„Anfangs war ich erschüttert“, berichtet der FAU-Professor. „Ich konnte es kaum glauben, als ich aus dritter Hand das Foto zugespielt bekam.“ Dreyer kontaktierte dann am 4. August die deutsche Botschaft in Zagreb. Der deutsche Militärattaché für Kroatien und Montenegro, Oberstleutnant Burkhard Weber, ermöglichte umgehend Kontakt zur kroatischen Armee, welche Hilfe in Aussicht stellte. Am 6. August machte sich Boris Dreyer auf nach Kroatien, am 10. August sagte das kroatische Verteidigungsministerium dann die Unterstützung der kroatischen Armee zu.
„Das war alles ein sehr unbürokratischer Vorgang“, sagt Boris Dreyer. „Ich bin sehr froh und dankbar, dass Oberst Weber uns so schnell Hilfe hat zukommen lassen und Verteidigungsminister Ivan Anušić uns die Unterstützung der kroatischen Armee zugesagt hat, um das drohende Unglück in einer gemeinsamen deutsch-kroatischen Anstrengung von dem EU-Projekt abzuwenden.“
Gefahr für den hölzernen Nachbau
Vor Ort angekommen, zeigte sich Boris Dreyer aber das ganze Ausmaß der Havarie: Aufgrund von Vernachlässigung und Niedrigwasser ist der 18 Meter lange und 5 Tonnen schwere Nachbau am Ufer der Drau auf Grund gelaufen und liegt seit einiger Zeit dort. Unter ihrem Eigengewicht beginnt sich der Kiel zu verbiegen. Das Holz, aus dem sie gebaut ist, ist mittlerweile trocken, hat sich zusammengezogen und bekommt Risse; dies kann das Ende für ein Holzboot bedeuten. Zwischen den Planken öffnen sich Lücken, der Farbauftrag beginnt abzublättern. Im Inneren sieht es nicht besser aus. Auch hier ist zu sehen, dass sich seit einiger Zeit niemand um sie gekümmert hat.
Dreyer und seine „Ersthelfer“ begannen ab dem 7. August die Danuvina zu sichern, stützten zuerst das Heck, um den Kiel zu stabilisieren, und deckten das der brennenden Sonne ausgesetzte Boot mit einer Plane ab. Doch hier war bereits klar, dass das Boot nicht ohne großen Aufwand geborgen werden kann. „Um die Danuvina alacris weiter zu sichern, brauchten wir zuerst einen Zugang an das Ufer“, erklärt Boris Dreyer. Diesen legten kroatische Pioniere mit einem Bagger an.