Mit einem deutlichen Votum schickte der Stadtrat am Donnerstagabend die Südumfahrung von Niederndorf "auf die Reise", wie es Bürgermeister German Hacker (SPD) ausdrückte. Mit 20 gegen fünf Stimmen wurde beschlossen, bei der Regierung das Planfeststellungsverfahren für das Straßengroßprojekt zu beantragen und die gesammelten Unterlagen einzureichen. Gleichzeitig sollen von der Stadt als Vorhabenträger alle weiteren erforderlichen Schritte zur Durchführung des Verfahrens vorgenommen werden.

Zugestimmt haben die Fraktion der CSU (geschlossen) und der SPD (mit einer Ausnahme). Abgelehnt wurde das Vorhaben von den drei Grünen sowie den Freien Wählern, vertreten durch Manfred Welker, und dem SPD-Rat Bernhard Wilfer, ein Hauptendorfer. Die rund zweieinhalbstündige Debatte wurde von einer Vielzahl von Bürgern verfolgt, die bis ins Treppenhaus standen. Vor der Sitzung wurde im Schlosshof plakativ mit Transparenten protestiert.

In der Tat ist es eine große Trasse, die da gebaut werden soll. Das ging aus den Ausführungen von Jacqueline Donner vom Ingenieurbüro Grassl aus München hervor. Die Trasse mit 5,1 Kilometer Länge umfasst 15 Bauwerke, darunter drei Großbrücken mit einer Länge von über hundert Metern und eine kleinere Brücke mit 50 Metern Länge. Dazu kommen mehrere Dämme. Die längste Brücke soll über den Pfersbachgraben führen. Sie ist 142 Meter lang und 14 Meter hoch. Genauso hoch und 126 Meter lang wird die Brücke bei Hauptendorf. Oben drauf kommt noch eine zwei Meter hohe Lärmschutzwand, die von der Stadt freiwillig gebaut werde. Im Wald ist sie noch einen Meter höher, da sie gleichzeitig als Vogelschutz dient.

Alle Untersuchungen sind nun abgeschlossen, alle Gutachten liegen vor, alle Unterlagen können eingereicht werden. In der Sitzung wurde vor Publikum berichtet, nachdem sich die Fraktionen bereits am Montag ausgiebig damit befasst hatten.

Wie Bürgermeister Hacker eingangs ausführte, habe sich die Vorzugsvariante der Stadt eindeutig als beste Lösung dargestellt. Sie macht einen weiten Bogen um die Bebauung herum. Freilich werde bei der Planfeststellung auch die Aurachtalvariante mit untersucht. Diese wäre in etwa gleich lang, würde an der Bahntrasse entlang führen und eine Vielzahl an aufwendigen Straßenanbindungen mit sich führen, sagte Donner.

Denn die dortige frühere Bahnstrecke müsse für eine mögliche Reaktivierung frei gehalten werden, weshalb sie nicht unter einer Mindesthöhe von 5,70 Meter überquert werden dürfe. Bei der Vorzugsvariante habe man nur eine einzige solche Überquerung. Außerdem würde die Taltrasse in Hauptendorf und Niederndorf 36 Häuser beeinträchtigen, für die 1100 Meter lange Lärmschutzwände nötig würden. Nur für den Schallschutz kämen somit Zusatzkosten von 1,2 Millionen Euro, führte Jacqueline Donner aus.


Entlastung der Bürger

Bürgermeister Hacker erinnerte an die Ziele, die mit dem Bau der Straße erreicht werden sollen. Allen voran die Entlastung der Ortsdurchfahrten von Niederndorf und Neuses, denn die Staatsstraße sei den Anfordernissen bei weitem nicht mehr gewachsen. Deshalb müssten die Belastungen für die Bürger dringend reduziert und gesunde Wohnverhältnisse wieder hergestellt werden.
In der Debatte hielten sich SPD und CSU zurück. CSU-Fraktionschef Bernhard Schwab ("Wir haben in der dreistündigen Fraktionssitzung schon sehr viele Fragen beantwortet bekommen") stellte nur eine einzige Frage nach den Auswirkungen auf die Landwirte: "Können alle Flächen erreicht werden?" Dies konnte Silke Stadter vom Bauamt bejahen. Alle Wege seien ergänzt worden, alle Grundstücke erreichbar. Bürgermeister Hacker hatte zuvor versichert, auch angesichts des Protests, dass kein Landwirt in der Existenz bedroht sei. "Die Landwirtschaft wird geschont, soweit es möglich ist". Auch SPD-Fraktionschef Curd Blank stellte fest, dass man schon "zum mehrmalsten Mal" jetzt "sehr intensive Informationen" erhalten habe. Er wartet jetzt auf die Details der Planfeststellung.

Mehr Zeit für ihre Beiträge nahmen sich die Gegner des Projekts. Manfred Welker (Freie Wähler) sprach von einer Monstertrasse, die da in die Landschaft gestellt werde und befürchtete, dass sie nicht die erhoffte Akzeptanz finden wird. Retta Müller-Schimmel stellte fest, dass durch die gewaltige Straße große Flächen versiegelt werden. Die Bürger im Sitzungssaal wollen das nicht, sagte die grüne Politikerin. Und wenn noch die betroffenen Tiere und Pflanzen Rederecht hätten, würde die Abstimmung vielleicht anders ausfallen. "Wir distanzieren uns von diesem Projekt", fügte sie hinzu und verdeutlichte, dass die Grünen immer dagegen gewesen seien. Und: "Bis 2008 wollten sie nur CSU und Freie Wähler, danach war es auch ein Problem für die SPD."


SPD-Applaus für CSU-Stadtrat

Breiten Applaus der SPD-Fraktion fand eine Anmerkung des CSU-Stadtrats Kurt Zollhöfer. Er stellte fest, dass sich die Stadträte seit Jahren schon sehr verantwortungsbewusst mit diesem Thema auseinandersetzen. Natürlich könne man unterschiedlicher Auffassung sein, doch man sollte man nicht behaupten, "die Grünen sind verantwortungsbewusst, wir aber nicht, sagte er in Richtung der Zuhörerreihen. "Wir sind uns der Gegner völlig bewusst", sagte Zollhöfer. "Wir haben das alles bedacht." Aber man sei jetzt auch erst am Anfang der Planfeststellung. "Da kommen alle Bedenken noch auf den Tisch."

Bürgermeister Hacker merkte zum Grünen-Beitrag noch an, dass von 25 Hektar Baustelle letzlich 5,8 Hektar rein versiegelter Fläche übrig bleiben werden.