Lämmer aus Biskuit und Zuckerguss
Autor: Dr. Manfred Welker
Herzogenaurach, Montag, 06. April 2020
Mancher Osterbrauch hat sich bis heute gehalten, andere sind nur noch den Älteren vertraut - ein Rückblick.
Das Osterfest im Jahr 2020 wird in manchem anders verlaufen als die vielen Osterfeiern der Jahre davor. Dagegen werden sich andere Bestandteile doch sehr ähneln: Ostern wird ein Familienfest sein, vermutlich aber in einem kleineren Rahmen.
An Ostern, dem Hauptfest der christlichen Kirchen, hat bestimmt jeder seine eigenen Erinnerungen. Vor allem die Feste der Kindheit sind im Gedächtnis verhaftet geblieben.
In den Bäckereien fanden sich in den Verkaufstheken Osterlämmer aus Biskuitteig aufgereiht, die in einer zweiteiligen Form gebacken und danach mit Zucker oder Schokoladenguss versehen wurden. Zum Abschluss erhielten sie eine Fahne eingesteckt. Außerdem wurden aus Teig geformte Hasen angeboten, in die außerdem ein gefärbtes Ei mit eingebacken wurde.
In den Familien fertigten im Vorfeld die Hausfrauen für die Kaffeetafel ein Osterbrot oder einen Osterzopf an. Da es sich um einen Hefeteig handelte, der mit Rosinen vermengt wurde und die richtige Zimmertemperatur benötigte, damit er vor dem Backen gut aufgehen konnte, war die Herstellung dieses Gebäcks eine heikle Sache.
Speisenweihe in der Kirche
Ostern war ursprünglich noch sehr viel stärker in das kirchliche Umfeld eingebettet. Das bewusste Begehen von Karfreitag, Karsamstag und der Besuch der Auferstehungsfeier durch die meisten Erwachsenen gehörten dazu. Die Kinder gingen dagegen meist in die Messen am Ostersonntag, die in der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena in Herzogenaurach um 8 und 10.45 Uhr abgehalten wurden.
In sämtlichen Gottesdiensten nahmen die Geistlichen, wie auch heute noch üblich, die Speisenweihe vor. Gekochte und gefärbte Eier und Salz befanden sich in den Körbchen der Gläubigen. Für die Speisenweihe wurden meist die Gründonnerstagseier verwendet, denen eine besondere Wirkkraft zugestanden wurde. Als Ersatz konnten auch die Karfreitagseier dienen. Häufig kam noch Gebäck in Form eines Lammes dazu, das eine Fahne trug, außerdem geräuchertes Fleisch und Brot.
Färben mit Roter Bete und Spinat
Nach dem gemeinsamen Frühstück im Familienkreis, bei dem die geweihten Speisen verzehrt wurden, ging es für die Kinder ans Osternester- oder Ostereier-suchen. Die Hausfrau und Mutter hatte am Vortag gekochte Hühnereier gefärbt. Wobei die Variationen früher nicht so üppig waren, da sie auf Naturfarben wie Rote Bete, Spinat oder Zwiebelschalen basierten. Nach dem Färben wurden sie mit Fett eingerieben, damit sie schön glänzten.