Kräutersträuße machen mehr Mühe
Autor: Dr. Manfred Welker
Herzogenaurach, Dienstag, 14. August 2018
Weil es in den letzten Wochen kaum regnete, tat sich der Herzogenauracher Frauenbund dieses Jahr schwer, die richtigen Pflanzen zu finden.
Am Dienstagmorgen waren Frauen des Frauenbunds der Herzogenauracher Stadtpfarrei in der Flur bei Beutelsdorf unterwegs, um Kräuter für Wurzbüschel am Fest Mariä Himmelfahrt zu sammeln. Das niederschlagsarme Wetter macht es in diesem Jahr besonders schwierig, geeignete Pflanzen zu finden.
Beim Flurbereinigungsverfahren war nahe Beutelsdorf glücklicherweise eine Ausgleichsfläche mit Obstbäumen bepflanzt worden, auf der außerdem auch Kräuter wachsen können. Auf dem Areal wachsen Johanniskraut, Rainfarn, Schafgarbe, wilde Möhre, wilde Pfefferminze, Odermennig und Beifuß - wobei nur der mit dem braunen Stiel verwendet wird, weil nur diese Variante riecht, wie Rosi Gehr von Margareta Leipold aus Obermembach erfahren hat.
Von Pimpernell bis Goldrute
"Da bekommen wir heuer nicht viel zusammen!", meinte Maria Hirdina nur, als sie mit einem Arm voll Kräutern aus dem Flurstück kam, um eine der bereit gestellten Wannen mit den Kräutern zu bestücken. Die nächste Station ist ein Lagerplatz am Waldrand, wo Goldrute wächst. Unweit gedeiht an einem Weiher Blutweiderich, benötigt wird noch Pimpernell, umgangssprachlich als Schlotfeger bezeichnet und Hafer.
Aus Privatgärten kommen dann noch Bohnenkraut, Borretsch, Estragon, Petersilie, Ringelblumen, Salbei, Sonnenblumen, Thymian, Weidenkraut, Zitronenmelisse und Zitronenminze dazu.
Das Geld bleibt in der Pfarrei
Rosi Gehr hat den Estragon und den Salbei in ihrem heimischen Garten bereits zurückgestutzt. "Manche bringen beim Binden Oregano oder Bohnenkraut aus ihrem Garten mit", berichtet sie. Rosmarin bekommen sie von der Familie Glasauer, die einen großen Busch im Garten hat.Aus all den Kräutern und Blumen binden dann die Frauen am Nachmittag die Kräutersträuße, die gegen eine Spende nach den Gottesdiensten am heutigen Fest Mariä Himmelfahrt in der Stadtpfarrkirche um 11 Uhr an Interessierte abgegeben werden. "Wie jedes Jahr bleibt das Geld in der Pfarrei und wird dafür verwandt, was gebraucht wird", meint Rosi Gehr nur.
Auch in Haundorf binden Frauen Kräuterbüschel, die in der Filialkirche St. Marien nach dem Gottesdienst um 9 Uhr an Interessenten abgegeben werden. In Niederndorf, St. Josef, und in St. Otto findet der Gottesdienst an Mariä Himmelfahrt mit der Kräuterweihe um 9.30 Uhr statt.
Das Brauchtum
In katholischen Gegenden werden am Fest Mariä Himmelfahrt bei der Kräuterweihe Sträuße aus verschiedenen Kräutern und Blumen in der Kirche geweiht, die dann als heilkräftig in den Häusern verwahrt werden.Da nicht jede Region über die gleiche Flora verfügt, unterscheidet sich die Zusammensetzung des Wurzbüschels von Ort zu Ort, Unterschiede können aber auch durch altes Brauchtum bedingt sein.
Öfter wird die Zahl der Pflanzen mit sieben oder neun angegeben. In Franken sind es meist 33, gelegentlich setzt sich der Kräuterbüschel sogar aus 77 Bestandteilen zusammen. Früher galt: Je stattlicher der Buschen, desto größer war der Bauer.
Bereits die vorangegangenen Generationen mussten weite Strecken zurücklegen, bis alle Bestandteile zusammen waren.
Die Pflanzen
Hauptsächlich handelt es sich um die alten Heilpflanzen, die seit Jahrhunderten dem Landvolk vertraut sind, die den Kräuterbüschel ausmachen. Auch Nutz- und Kulturpflanzen, z.B. die Ähren verschiedener Getreidearten, finden sich nicht selten im Strauß, was auf Mariä Himmelfahrt als Erntedankfest hinweist. Schließlich enthält der Büschel auch meist die Pflanzen, die im Volksglauben eine hervorragende Rolle spielen. Bezeichnend ist, dass je nach der Gegend bestimmte Pflanzen in jeden Kräuterbüschel aufgenommen werden. Dazu gehört beispielsweise die Königskerze. Auch eine Gelbe Rübe wird mit eingebunden und das Ganze mit Krautblättern eingefasst.Nach der Weihe wurde der Kräuterbüschel im Dachboden aufgehängt, er sollte dort vor Blitzschlag schützen. Hatte eine Kuh gekalbt, so bekam sie Teile des Wurzbüschels unter das erste Futter gemischt.
Foto:
Agnes Graf mit Kräutern (in Blau)
Hildegund Burgis und Agnes Graf mit Kräutern