Die Bewohner des Seebachgrunds und die Aktiven der örtlichen Feuerwehren wurden am späten Freitagnachmittag durch Sirenenklänge aus ihrer Feierabendruhe gerissen. Das Einsatzstichwort lautete "Brand Kirche in Hannberg".

Die Hannberger erinnerten sich dabei an den 18. August dieses Jahres, an dem ein Großaufgebot an Feuerwehren anrückte, weil ein Brand des Kirchturmes gemeldet worden war. Zu aller Erleichterung entpuppte sich der Brand als ein großer Bienenschwarm, der um die Kirchturmspitze flog und von Weitem von Rauch nicht zu unterscheiden war.

Diesmal war es kein Bienenschwarm, sondern die Feuerwehren probten rund um die Kirchenburg den Ernstfall. Wie Peter Bock, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Heßdorf und Beobachter der Übung erklärte, wurde ein Blitzschlag angenommen. Die Übung war ein Wunsch der Kirchenverwaltung. Sie sollte realitätsgetreu ablaufen und wurde für die beteiligten Feuerwehren eine echte Herausforderung.

Löschwasser aus dem Weiher

Dass ein Brand des Kirchturmes oder der Kirche nicht leicht zu bekämpfen ist, konnte Peter Bock noch vor dem Eintreffen der ersten Löschfahrzeuge voraussagen. So kann der Innenhof der Kirchenburg mit den Löschfahrzeugen nicht befahren werden, weil sie nicht durch das Tor passen. Also müssen alle notwendigen Gerätschaften von den Feuerwehrleuten zur Kirche und dem Turm getragen werden. Der Heßdorfer Kommandant war sich auch sicher, dass das Wasser der Hydranten nicht ausreichen wird, Löschwasser über eine lange Schlauchstrecke gepumpt werden muss und dafür nur der Batzenweiher nahe Heßdorf in Frage kommt. Deshalb wurde der V-Lkw (Versorgungs-Lkw) der Feuerwehr Röttenbach alarmiert.

Für Peter Bock war es auch wichtig, dass die Löschfahrzeuge und die erforderlichen Pumpen rund um die Kirchenburg richtig positioniert werden, um eine geordnete Wasserversorgung garantieren zu können. Wegen des angenommenen Blitzeinschlags in den Kirchturm wurde auch die Drehleiter der Feuerwehr Herzogenaurach alarmiert, die auf der Röhracher Straße postiert wurde und den vermeintlichen Brand mit einem Wenderohr bekämpfte.

Einsatz mit Atemschutz

Nach dem Eintreffen erkundete Einsatzleiter Ingvar Dreher den angenommenen Brand mit einem Rundgang, der erste Gruppenführer ließ gleich vier Geräteträger mit Pressluftatmern ausrüsten, der Rest der Mannschaft baute die Wasserversorgung auf. Der Erstangriff erfolgte an der Eingangstür der Kirche.

Nach Hannberg eilten die Feuerwehren aus Heßdorf, Hesselberg, Großenseebach und Ober-, Mittel-, Untermembach, dazu kam das Röttenbacher Fahrzeug und Herzogenaurach mit zwei Fahrzeugen. Darüber hinaus kam auch der ASB mit zwei Fahrzeugen, um ebenfalls den Notfall zu proben.

Ein Fazit konnte der Heßdorfer Kommandant schon vor der Übung ziehen: Es muss eine trockene Steigleitung installiert werden, in die Löschwasser eingespeist wird und die zur Erstbrandbekämpfung dient. Peter Bock zeigte sich am Ende zufrieden, die Zusammenarbeit der Feuerwehren klappte reibungslos und auch die Löschwasserversorgung funktionierte. Das Übungsziel wurde erreicht.

Zur "Manöverkritik" versammelten sich die Wehren in Heßdorf und zur Stärkung gab es eine Brotzeit. Am 6. Januar 1865 ist das letzte Mal der Kirchturm in Hannberg bei einem Blitzeinschlag abgebrannt, deshalb wurde der "Ernstfall" geprobt.