36 Wohnungen gibt es in den drei größeren Mehrfamilienhäusern in der St.-Georg-Straße in Höchstadt. In vielen dieser Wohnungen leben Mieter schon seit einigen Jahrzehnten. Die Menschen sind hier längst heimisch geworden und möchten auch nicht mehr ausziehen. Aber jetzt machen sich Angst und Misstrauen in den Wohnblocks breit und erfassen auch jüngere Mieter.

Der Grund: Was in vielen größeren Städten schon längst praktiziert wird, läuft inzwischen auch in Höchstadt. Ältere Häuser werden von Investoren gekauft, wärmegedämmt und saniert. Die renovierten Räume bietet der Investor dann als Eigentumswohnungen auf dem Immobilienmarkt an. Und weil Anleger derzeit für ihr Geld kaum Zinsen bekommen, boomt der Wohnungsmarkt.

Auf der anderen Seite stehen die Mieter.
Sie fürchten nicht ohne Grund, dass ihre Mieten angehoben werden und ein Niveau erreichen, dass sie sich nicht mehr leisten können. Wohin dann?, fragen sich auch einige Bewohner der Häuser in der Höchstadter St.-Georg-Straße.

20 Prozent Erhöhung

Branka Stark, Geschäftsführerin der "Simons und Stark Bau- und Verwaltungs GmbH" in Heroldsberg - dem aktuellen Eigentümer der Höchstadter Wohnblocks - kündigt an, dass niemand gezwungen werde, aus seiner Wohnung rauszugehen. "Für die Mieter wäre es doch ideal, ihre Wohnungen zu kaufen", sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Für eine sanierte 65-Quadratmeter-Wohnung verlangt Stark knapp 100 000 Euro.

Wie Mieter berichten, sei ihnen schon angekündigt worden, dass eine Mieterhöhung von 20 Prozent auf sie zukommt. Gibt es jetzt 62 Quadratmeter noch für 370 Euro im Monat, werden es schon bald 74 Euro mehr sein. Ein Sprung, den nicht jeder leicht verkraftet. Und es wäre nicht die erste kräftige Mieterhöhung in den letzten Jahren.

Mit jedem Eigentümerwechsel ging auch eine Mieterhöhung einher. Kostete 1996 eine dieser Wohnungen - damals im Eigentum der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Franken - noch 443 D-Mark, stieg die Miete nach dem Verkauf der Häuser an die GBW-Gruppe Nürnberg bis auf 306 Euro im Jahr 2011. Nach 2011 übernahm die S.I.R-Hausverwaltungs GmbH München die Wohnblocks in Höchstadt. Die Kaltmiete für die 62-Quadratmeter-Wohnung erhöhte sich weiter auf 370 Euro. Für einen Stellplatz stiegen die Kosten von 7 auf 13 Euro im Monat. Jetzt steht die nächste Steigerung an.

Stimmung nicht mehr gut

Vor allem ältere Mieter wissen augenblicklich nicht, was auf sie zukommt. Sie machen sich Sorgen, haben Angst. "Seit November ist die Stimmung in den Häusern nicht mehr gut", sagt ein Bewohner. Viele der älteren Menschen fürchten sich aber davor, etwas zu sagen. Groß ist der Wunsch nach einer Mieterversammlung. Die bisher erste und einzige hat es im Juli 2012 gegeben.

Geklagt wird auf Seiten der Mieter über die sich nun schon seit November hinziehenden Sanierungsarbeiten, die von Lärm und Schmutz begleitet sind. Da werde der Estrich von den Balkonen geklopft und dann gehe es nicht weiter. Fenster seien lange Zeit zugehängt und man fühle sich wie im Gefängnis. Wasser und Strom werde auf Kosten der Mieter aus den Wohnungen geholt.

In der vergangenen Heizperiode sei die Heizung vier Mal ausgefallen, haben Mieter festgehalten. Ständig offen stehende Haustüren, defekte Beleuchtungen, Schimmel und Feuchtigkeit in den Wänden sind weitere Punkte, die unter anderen für Unmut sorgen.

Die Geschäftsführerin der Eigentümer-Gesellschaft aus Heroldsberg, Branka Stark, hat für die Klagen der Mieter wenig Verständnis. "Jetzt mache ich es ihnen schön und dann werfen sie mit Messern", sagt die Frau, die seit 20 Jahren in dieser Branche arbeitet. Anfangs seien die Mieter von der Sanierung ihrer Häuser begeistert gewesen. Zudem verbessere sich das Stadtbild.

Ohne Mieterhöhungen seien Sanierungen allerdings unmöglich. Stark verschweigt nicht, dass die Mieten in den Wohnblocks in der St.-Georg-Straße steigen werden. Für die sanierten Wohnungen sei es auch nicht gut, wenn die Bewohner zu wenig lüften. Um ein Minimum an Luftaustausch zu gewährleisten, wird in jede Wohnung eine Lüftungsanlage eingebaut.

Nachfrage ist groß

Die Geschäftsführerin gesteht ein, dass sich die Bauarbeiten verzögert haben und nennt den langen Winter als Grund. Ursprünglich sei geplant gewesen, im Sommer fertig zu werden, jetzt sollen im Herbst die letzten Arbeiten abgeschlossen sein.

Größere Eingriffe stehen noch auf den Dächern der drei Wohnblocks an. Hier ist jeweils eine 115-Quadratmeter-Penthouse-Wohnung geplant und insgesamt sechs kleinere Einheiten. Im Süden des Areals soll noch ein vierter Wohnblock hochgezogen werden.

"Der Bedarf an Eigentumswohnungen ist da", sagt Immobilien-Expertin Branka Stark. Sobald sie eine Wohnung auf dem Markt habe, sei diese schon wieder weg.