Die Höchstadter Fosänachter sind in diesem Jahr lange nicht mehr so lustig wie in der Vergangenheit. "Es tut schon weh, wenn man sich monatelang viel Mühe macht und dann kommt keiner", sagt Dritte Vorsitzende Angelika Ort im Rückblick auf die diesjährige Prunksitzung.

Diese ging zum zweiten Mal im Forum der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf über die Bühne. Für 400 Besucher wäre Platz gewesen, verkauft wurden aber lediglich 200 Karten. Und auch die nur mit viel Nachdruck. Angelika Ort und ihr Zweiter Vorsitzender Andreas Hänjes haben sich inzwischen damit abgefunden, dass in der Höchstadter Bevölkerung die langjährigen Hauptattraktionen des örtlichen Faschings nicht mehr ziehen: Prunksitzung und Faschingsumzug.

Drei Mal 800 Zuschauer

Vorbei sind die Zeiten, als die Fosänachter zu drei Prunksitzungen jeweils 800 Zuschauer in die
Aischtalhalle lockten. Auch der Umzug am Faschingsdienstag ist über die Jahre gewaltig geschrumpft. "Vor sechs Jahren waren es noch über 30 Gruppen", erinnert sich Andreas Hänjes. Im diesjährigen Umzug gab es nur mehr einen Wagen von der Höchstadter SPD und zwei von den veranstaltenden Fosänachtern, dazu einige Fußgruppen. Dem Faschingszug treu geblieben sind über all die Jahre lediglich die Stadtkapelle und der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr.

Bevor im nächsten Jahr gar kein Wagen mehr kommt oder sich nur noch die Fosänachter selbst auf den Weg machen, wollen Ort und Hänjes gleich ganz darauf verzichten und haben dafür jüngst auch die volle Rückendeckung ihrer Hauptversammlung bekommen.

Dabei ist der Faschingszug bei der Höchstadter Bevölkerung gar nicht so unbeliebt. Auf 2000 schätzten die Ordnungshüter die Zahl derer, die heuer die Straßen des bunten Zuges säumten. Das Problem ist dagegen der Mangel an Mitwirkenden. Dabei hat Andreas Hänjes volles Verständnis, wenn Vereinsmeier, die das ganze Jahr über für ihren Verein aktiv sind, in den Faschingsferien mal zum Skifahren gehen, statt einen Wagen zu bauen.
Früher waren die Ortsgemeinschaften noch mit Themenwagen vertreten - in Erinnerung sind noch die großen Wagen aus Sterpersdorf -, doch auch die gibt es inzwischen nicht mehr. Ob es an strengeren Tüv-Auflagen liegt oder daran, Fahrzeuge aufzutreiben oder auch Anhänger zu fahren? Hänjes und Ort können darüber nur rätseln.

Wie von einem anderen Stern

1999 haben die Fosänachter die Organisation des Höchstadter Faschingszuges übernommen und sie sind stolz darauf, dass es seitdem keinen Unfall, keine Verletzten und keine Alkohol-Exzesse gegeben hat.

"Allerdings wurden wir bei unseren Faschingsaktivitäten oft angeschaut, als wären wir von einem anderen Stern", erinnert sich Angelika Ort. Die Zuschauer in Höchstadt sind eher passiv. Hellau schreien, jubeln oder gar tanzen in den Straßen gibt es hier nicht.

Die Kosten für den Faschingszug wurden in der Vergangenheit immer mit den Prunksitzungen erwirtschaftet, doch die diesjährige hat die Fosänachter-Kasse mit 11.000 Euro Minus belastet. Weder "das beste Programm seit Jahren", noch der "tolle Saal" in Gremsdorf hatten die Höchstadter animieren können, die Prunksitzung zu besuchen.

"Dann passen wir uns eben den Gegebenheiten an", sagt die Dritte Vorsitzende. ,So nicht mehr', sei die Stimmung im Verein gewesen. Aufgeben ist bei den Fosänachtern aber kein Thema. "Der Verein macht auf jeden Fall weiter", kündigen Ort und Hänjes an. Um auch den eigenen Nachwuchs für den Fasching zu begeistern, ist ein Programm "mit Kindern für Kinder" geplant - einmal ohne Erwachsene.

Die halten es für möglich, 2014 eine Einladung von auswärts anzunehmen und sich jenseits der Höchstadter Stadtmauern zu präsentieren.