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Herzogenauracher Loritzfelsen soll aus dem Dornröschenschlaf erweckt werden


Autor: Bernhard Panzer

Herzogenaurach, Freitag, 02. Sept. 2016

Vor über hundert Jahren wurde von einem enthusiastischen Neu-Bürger der Loritzfelsen errichtet, als Aussichtspunkt und Verschönerung gleichermaßen.
Der Loritzfelsen in Herzogenaurach: Zugewachsen, marode und gesperrt. Wer erweckt ihn aus dem Dornröschenschlaf?  Foto: Bernhard Panter


Nur wenige Meter oberhalb des Haupteingangs zum Weltunternehmen Schaeffler am Buck fristet heute ein historisches Denkmal fast unbemerkt von der Öffentlichkeit sein kümmerliches Dasein: der Loritzfelsen. Inzwischen von Gestrüpp eingewachsen, ist der einstige Aussichtsturm aus Sicherheitsgründen heute gesperrt.

Und niemand, der den Standort nicht kennt, wird dort ein aus Dolomit (Muschelkalk) aus der Fränkischen Schweiz errichtetes Bauwerk vermuten. Der viel bemühte Zahn der Zeit hat auch an diesem Felsen genagt, der einst als Fundament für einen höheren Aussichtsturm gedacht war, und hat ihn marode werden lassen. Dennoch gibt es immer wieder Stimmen, die an den Loritzfelsen erinnern, der nach seinem Erbauer Bernhard Loritz, "Königlich Bayerischer Amtsrichter hierselbst", benannt ist. Erbaut worden ist er Anfang des 20. Jahrhunderts. 1#googleAds#100x100


Wenige kennen die Vergangenheit

So wurde das Bauwerk kürzlich auch in einer Facebook-Gruppe thematisiert. "Du kommst aus Herzogenaurach, wenn es dich auch interessiert, ob der Loritzfelsen irgendwann mal wieder hergerichtet wird", schreibt der Herzogenauracher Helmut H. und findet eine Vielzahl an Kommentaren. Aus diesen wird ersichtlich, dass sich zwar viele an den Steinbrocken erinnern, aber offenbar nur wenige wissen, weshalb er eigentlich errichtet wurde und was damit los ist. Andere wissen nichts damit anzufangen. Diese werden von H. aufgeklärt, dass der Felsen total zugewachsen und abgesperrt und von der Straße nicht mehr zu sehen ist.


Die Stadt "ist dran"

Auch Bürgermeister German Hacker meldete sich, aus dem Urlaub, kurz zu Wort. "Ja, er soll wieder hergerichtet werden", schreibt er und beruhigt damit die Freunde dieses etwas anderen Denkmals. Schränkt seine Zusage aber auch ein wenig ein: "Es ist nur nicht einfach, dafür das passende Unternehmen zu finden". Aber, wer den Bürgermeister kennt, weiß, dass er auch den folgenden Zusatz ernst meint: "Wir sind dran."

Dran ist auch der Heimatverein. Schließlich liegt der Erhalt des Felsens in seinem Sinne. Erster Vorsitzender Klaus-Peter Gäbelein stellt fest: "Der Heimatverein wird nach der Sommerpause Kontakte zu den verantwortlichen Stellen der Stadt bezüglich einer Restaurierung des Loritzfelsens aufnehmen."

Denn das Gestein erinnert ja auch an einen Mann, der sich seit seiner Versetzung nach Herzogenaurach - Bernhard Loritz war Amtsrichter - zu einem "begeisterten und glühenden" Franken entwickelte, wie Gäbelein in einer Abhandlung schreibt. Loritz wurde also "ein echter Herzogenauracher voller Engagement und Leidenschaft". Und er war der Ahnherr des heutigen Heimatvereins.

Im unten stehenden Bericht berichtet Gäbelein über den markanten Herren und klärt auf, weshalb die Herzogenauracher glaubten, von der Spitze des Felsens könne man sogar bis in die Alpen schauen.



Der Loritzfelsen - ein Platz für Liebespaare und Kletterer


Amtsrichter Loritz, 1859 in Lauingen/Donau geboren, wurde nach dem Jurastudium in München sowie nach einer kurzen Zwischenstation in Thiersheim 1895 nach Herzogenaurach versetzt. Im damaligen Amtsgericht, unmittelbar hinter dem heutigen Schusterbrunnen und an der Stelle des heutigen Sitzungssaals des Rathauses im Schlosshof gelegen, "residierte" er ab 1895. Schon nach wenigen Jahren wurde er ein begeisterter und glühender Franke, ein "echter Herzogenauracher voller Engagement und Leidenschaft".

Nach heutigem Empfinden muss sich Loritz vor über 100 Jahren die Devise zum Grundsatz gemacht haben: "Meine Stadt soll schöner werden!" Und gleichzeitig sollte Herzogenaurach mit seiner alten Bausubstanz auch attraktiver werden. Zusammen mit Herzogenaurachs bekannten Baumeister Andreas Kurr regte er stets aufs Neue an, verputzte Fachwerkbauten freizulegen, so dass man bald von der "Stadt der Fachwerkbauten" sprach. Und nicht selten griff er dabei in die eigene Tasche, um finanzielle Hilfestellung zu geben. Für Loritz lautete die Devise: Altes bewahren und Neues entsprechend einfügen. Er engagierte sich beim Aufbau eines Stadtmuseums und er wurde ein unermüdlicher Motor bei der Gründung des Historischen Vereins (1906), des heutigen Heimatvereins. Nicht selten ging er in die Bürgerhäuser und überredete die Besitzer, alte und angeblich wertlose Dinge für den Aufbau eines Museums zur Verfügung zu stellen. Noch heute lebt das Stadtmuseum vom Grundstock, den Bernhard Loritz gelegt hat.


Loritzhain statt Sumpfloch

Wichtige Veränderungen im Stadtbild sind noch immer dem "Herrn Amtsgerichtsrat" zu verdanken. Das Gelände zwischen Ansbacher Tor und dem Pulverturm an der Stadtmühle muss zu seiner Zeit ein übles Sumpfloch gewesen sein. Er ließ es auffüllen und kanalisieren, das Ufer der Aurach mit einer Mauer befestigen und so entstand der Loritzhain an der Tuchmachergasse. Ein unscheinbarer Gedenkstein erinnert noch heute an den nach ihm benannten Loritzhain.

Die Lieblingsidee von Loritz war es allerdings, der Stadt einen Aussichtsturm zur Verschönerung und Aufwertung zu geben: den nach ihm benannten Loritzfelsen. Das heutige marode Bauwerk sollte eigentlich nur das Fundament für einen großen Aussichtsturm werden, von dem aus man die "Alb", also die "Fränkische Schweiz" im Osten sehen konnte. Unter großen Kosten, zum Teil von Loritz privat bezahlt, wurden Dolomitfelsen aus der Gräfenberger Gegend herbeigeschafft. Das Ganze war als Fundament für einen größeren Turm gedacht, dessen Plan jedoch nicht verwirklicht werden konnte.

Für die Herzogenauracher war die Idee jedoch klar: Weil man mit dem Begriff "Fränkische Alb" wenig anfangen konnte, sollte man von dem Turm aus anstatt der "Alb" eben die Alpen sehen können. Wenn man sich das heutige dicht bebaute Ina-Gelände wegdenkt, so kann man sich durchaus einen ungetrübten Blick vom Turm in Richtung Osten bis zu den Ausläufern der "fränkischen Alp(b)" vorstellen.


Zum Ehrenbürger ernannt

Für die Bevölkerung war der Turm eine Attraktion. Angeblich sollen sogar fremde Kletterer und Bergsteiger hierher gekommen sein, um die "Herzogenauracher Nadel" zu besteigen. Für die Jugend bot der Turm tatsächlich beste Klettermöglichkeiten , während die Älteren hier manches Liebestreffen verabredeten und heimlich die ersten Zigaretten pafften.

Bernhard Loritz wurde für seine Verdienste um den Stadtausbau und die Stadtverschönerung 1907 mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet. Er verbrachte seinen Lebensabend in München und wurde 1933 an der Seite seiner Frau und der schon kurz nach der Geburt verstorbenen Tochter unmittelbar gegenüber dem Eingang zur Friedhofskirche beigesetzt.

Klaus-Peter Gäbelein