Im vierten Kriegsjahr wurden Stadtkinder in größerer Anzahl aufs Land gebracht, wo sie durch eine bessere Ernährung Kräftigung und Erholung erfahren sollten. Am 30. April kamen die ersten Kinder aus Bamberg, aus der Domschule, in Herzogenaurach an. 26 Kinder wurden auf Vermittlung des Pfarrers untergebracht. Allerdings hätten weit mehr Kinder Aufnahme gefunden.

Am 24. Juni 1917 fand die Primiz von Kapuzinerpater Bonaventura Welker statt. Für die neue Reichsanleihe am 17. Juli 1917 wurden rund 55 000 Mark gezeichnet. Und am 30. Oktober 1917 kehrte Benefiziat Sponsel, der am 2. August 1914 als Feldgeistlicher eingerückt war, wieder in die Pfarrei zurück.

Fabriken mussten schließen

Solange die Fabriken der Herzogenauracher Schuh- und Tuchindustrie gut ausgelastet waren, verdienten sie als Zulieferer für das deutsche Heer gut.
Aber nach und nach mussten die Wollwarenfabrik Wirth und Söhne sowie die ersten Schuhfabriken schließen, außerdem löste sich die Tuchmachergenossenschaft auf der Eichelmühle 1917 auf. Nahezu 100 Arbeiter aus Herzogenaurach fanden in der Nürnberger Rüstungsindustrie Arbeit.

Die Teuerung bei den Nahrungsmitteln führte Müller vor allem auf den "Aushungerungskrieg" der Engländer zurück. Die Seeblockade zeigte also Wirkung. "Geschäftsleute geben vielfach an Landleute nur Waren ab, wenn sie mit Lebensmitteln bezahlt werden." Müller beobachtete, dass Wucher und Profitgier hier nicht so verbreitet waren wie andernorts. Aber dennoch schrieb er: "Not an allem, nicht nur an Fleisch u. Fett u. Brot, sondern auch an Zucker (Café ohne Zucker) an Kohlen, Gas, Petroleum (die Beleuchtung der Straßen fast ganz eingestellt,
auch in den Häusern nur Gas bis abends 1/2 8 Uhr. Beamte bekommen "behördliches Petroleum") Mangel an Stoffen (sogar die weißen Kleider am weißen Sonntag fehlen vielfach. Unsere Toten sollen nur mehr mit Kleidern aus Papier bekleidet werden, damit die den Lebenden so notwendigen Stoffe erhalten bleiben). Seit August gibt es das Einheitsbier - ein miserables Gesöff! Ein Brauer sagt: Wer das trinkt, ist zu faul, daß er zum Brunnen geht. Ich selbst trinke keins davon." Eine Folge davon war, dass es zumindest keine Bierräusche mehr gab.

Schon 27 Gefallene

Im Jahr 1917 waren in der Pfarrei 27 Gefallene zu verzeichnen. Der Platz auf der Kriegsgedächtnistafel in der Kirche reichte nicht mehr aus: "Ein solches Sterben hat die Welt wohl noch nicht gesehen..." Die Friedensinitiative von Papst Benedikt XV. im Mai 1917 fand kein Gehör, führte aber zumindestens an Weihnachten 1917 zum Waffenstillstand an der Front.

Das Vereinslazarett im Liebfrauenhaus mit Nebenlazarett im Kurhotel Monopol unterstand dem Reserve-Lazarett in Erlangen. Im Jahr 1917 wurden im Liebfrauenhaus 245 und im Monopol 116 Verwundete versorgt. Manche Verwundete des Lazaretts stellten Frauen und Mädchen nach, wie die Herzogenauracher verärgert feststellen mussten.

Das Nickelgeld wurde eingezogen, dafür gab es die 5- und 10- Pfennig-Stücke aus Eisen. Die Bewohner waren weiter wohltätig und schickten Liebesgaben ins Feld.

Die Stadt ernannte Domkapitular Thomas Adler mit Beschluss vom 19. und 20. Dezember 1917 zum Ehrenbürger.


Die Region im Ersten Weltkrieg

Serie Kreisheimatpfleger Manfred Welker beleuchtet in den nächsten Wochen die fünf Jahre des Ersten Weltkriegs. Eingebettet in die Geschehnisse in Europa, werden vor allem die Ereignisse in Herzogenaurach und der Umgebung thematisiert. Der Erste Weltkrieg ist für viele Historiker die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Nach dem Attentat von Sarajewo standen deutsche Soldaten an vielen Fronten in Europa. Von den 65 Millionen Bewohnern des Deutschen Reiches wurden geschätzte elf Millionen eingezogen. Insgesamt kamen zehn Millionen Menschen ums Leben.
In der Artikelserie geht es aber nicht um die kriegerischen Aktivitäten, sondern um die Verhältnisse in der Heimat. Ausgewertet wurden dafür schriftliche Unterlagen von Herzogenaurachern, die Heimatblätter der Stadt Herzogenaurach sowie diverse Presseartikel aus dem Herzogenauracher Tagblatt.

Aufruf Wer Bilder oder Dokumente aus der Zeit des Ersten Weltkriegs hat, die mit Herzogenaurach, Höchstadt und der Region in Verbindung stehen, kann sich gern unter Telefon 09193/503822 melden oder sie uns direkt per E-Mail an redaktion.herzogenaurach@infranken.de schicken. Die Serie wird kommende Woche mit einem weiteren Beitrag unseres Mitarbeiters Manfred Welker fortgesetzt.